Suzidversuche haben leider mehr Menschen hinter sich, als die meisten denken. Viele Menschen die nie solche Gedanken hatten, verstehen oft nicht, wie es sich anfühlt und verachten die Menschen, welche sich damit beschäftigen. Doch manchmal kann einem ein Erlebnis dich weit von diesen Gedanken entfernen. Meine Geschichte dazu hier!

Es ist Samstag, den 2. Februar 2019, 07:30 Uhr.  Mein Wecker klingelt. Ich geh zum Tag der offenen Tür des neuen Pflegezentrums, in dem meine Mutter arbeitet. Ich habe schreckliche Schmerzen unter der linken Brust, stehe aber auf. Am Abend vorher war mein Bauch schon berührungsempfindlich, allerdings nicht schmerzhaft. Ich stehe also auf, frühstücke, zieh mich an und mach mich fertig.

Etwa 1,5 Stunden später im Zug wird mir richtig kalt. Ich zittere, immer mehr. Es hört nicht mehr auf. Der Zug hatte eine Heizung und ich hatte meine Ski-Jacke an und schlottere immernoch. Ich war auch völlig kaputt, obwohl ich genügend Schlaf gehabt hätte. Als ich aus dem Zug ausgestiegen und in den Bus gestiegen bin, wurde der Zustand schlechter. 15 Minuten später,kurz vor der Endstation, wurde mir dann auch noch schwindelig. Als ich aufgestanden bin, brauchte ich die Stütze von meinem Freund und meiner Schwester. Wir sind sofort ins Restaurant nebenan gegangen, damit ich mich setzen konnte. Ich bekam dort ’ne Cola und ’ne Bouillon. Meine Schwester rief in dieses Pflegezentrum an, in welches wir wollten. Sie durften dann einen Rollstuhl holen, da ich wirklich nicht mehr laufen konnte.

Es war nicht weit und deswegen war sie nach etwa 15 Minuten zurück. Zuerst musste ich die Treppe runter vom Restaurant zur Strasse gestützt werden. Anschliessend sind wir Richtung Pflegezentrum. Dort war ein Arzt, der mich nicht untersuchen wollte. Na toll… Ich bekam dann ’ne Liege, auf der ich im Büro meiner Mutter ein wenig schlafen konnte. Plötzlich wurde ich aus dem Schlaf gerissen, ich konnte nicht mehr atmen!

Diese Schmerzen in der Brust, ich sterbe jetzt, schoss es mir sofort durch den Kopf! Zum Glück war ich nicht alleine, ansonsten wäre ich vermutlich wirklich gestorben und das meine ich traurigerweise ernst. Meine Schwester wurde richtig wütend und hat wieder diesen Arzt aufgesucht. Dem war es scheinbar egal, dass ich ihn verklagen könnte wenn ich das überlebe. Seine Aussage war lediglich „Ich wurde nur für diesen Tag der offenen Tür angefragt und nicht für Untersuche“. Ja mein Gott es ist doch ein Notfall! Kurz darauf kam meine Mutter ins Büro und sagte, sie hätte die Ambulanz informiert, die seien auf dem Weg. Ich war davon überzeugt dass ich bis dann schon Tot bin. Reden konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Quelle: projuventute.ch

Dann kam die Ambulanz, ich war schon halb weg. Ich wurde hintenrum rausgebracht, um kein Aufsehen zu erregen. Im Krankenwagen bekam ich dann ein Narkosemittel, welches mir bei meinen Schmerzen helfen sollte. Aber natürlich bin ich dadurch fast eingeschlafen. Dann wurden noch ein paar Untersuche gemacht, damit sie im Krankenhaus auch richtiges Feedback geben konnten, wer ich bin und welche Symptome ich aufweise.

Im Krankenhaus bekam ich etwas Fiebersenkendes und mir wurde Blut abgenommen. Dann musste ich noch einen Urintest machen. Als das Fieber gesunken war wartete ich und wartete und wartete. Es war Samstag, also viele Notfälle! Ich war um ca. 13:00 Uhr im Krankenhaus und um 19:00 Uhr(!!!) kam dann Mal: „Wir werden Sie stationär aufnehmen, es kommt nachher jemand von der Station.“

Danach ist eigentlich nicht mehr viel passiert was für die heutige Geschichte von Bedeutung wäre. Zwei Tage später wurde ich operiert. Es war mein Blinddarm. Und wenn du dich jetzt fragst, warum ich denn schmerzen in der Brust hatte: Der Blinddarm macht anfangs irgendwo schmerzen, aber nicht an der Stelle des Blinddarms. Ich hatte auch nicht diesen Loslass-Schmerz, der typisch für den Blinddarm wäre. Ausserdem hatte ich drei Schnitte, weil ich eine Bauchspiegelung hatte und nicht eine typische Blinddarmentfernung, weil bis zum OP-Zeitpunkt noch nicht klar war, obs wirklich der Blinddarm ist. Anscheinend sah der sogar noch ganz klein aus und erst bei der Untersuchung nach der Entfernung wurde die Entzündung sichtbar.

Was das jetzt mit meinen Suizidgedanken zu tun hat? In dem Moment, als ich keine Luft mehr hatte und wirklich dachte, dass ich die Ankunft der Ambulanz nicht mehr erleben werde. Dieses Gefühl des Erstickens ist unbeschreiblich. In dem Moment wurde mir bewusst, dass ich noch nicht sterben will. Ja klar ich habe echt viele Dinge erlebt, die in meinem Alter nicht sein sollten. Aber kann ich es nicht besser machen? Kann ich nicht noch was rausholen? Ich möchte! Ich hatte Träume die ich alle begraben habe weil ich einfach nur sterben wollte. Ich weiss nicht warum aber seither denke ich überhaupt nicht mehr über Suizid nach. Ich kämpfe doch schon seit acht Jahren und ja ich kann auch echt langsam nicht mehr, aber ich will noch herausfinden, was Glück ist. Und ich denke jeder sollte das. Auch wenn du mit dir selber kämpfst: Der Suizid ist nicht die Lösung, denn nur weil du nicht mehr kämpfen kannst, heisst das nicht, dass du nicht selber was dafür tun kannst. Und das sagt hier jemand, der selbst mit sich kämpft…

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