Vor mir sitzt eine bemerkenswerte, junge Frau. Lea hat schon mehr erlebt als einige in ihrem ganzen Leben und trotzdem erzählt sie mit einem Lächeln von ihrer schwersten Zeit. Denn die Plüschtier Eule ist nicht die Einzige, welche durch eine Sonde ernährt wurde.

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Angefangen hat alles im Alter von 8 Jahren.

Mit 8 Jahren begann ihre Veränderung. Plötzlich fing sie an immer weniger zu essen, hat es regelrecht vergessen, keinen Appetit mehr verspürt bis sie schliesslich gar nichts mehr ass. Bekannt ist dieses Verhalten unter der Krankheit „Anorexia Nervosa“ oder im natürlich sprachlichen Vokabular unter „Magersucht“. Die Betroffen (oftmals Mädchen) nehmen immer weniger Nahrung / Kalorien zu sich und verlieren rapide an Gewicht. Die Auslöser dafür könnten Unterschiedlicher kaum sein: Leistungsdruck, Pubertät, Selbstvertrauen, Trend des Schlankheitswahns oder psychischer Natur. Bis Lea jedoch ihren Grund jemandem anvertrauen kann wird es noch einige Jahre dauern…

Der erste Arztbesuch…

…war kein freiwilliger, denn dieser wurde von ihren Eltern aus Sorge um ihre Gesundheit vereinbart. Eigentlich sollte es nur ein Routineuntersuch werden, doch beim messen ihres Ruhepulses schlug ihr Herz gerade noch 38 Schläge pro Minute. Normalerwiese hat ein Mensch einen Pulsschlag zwischen 60-80 Schlägen pro Minute, damit der Körper ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Daraufhin erlebte sie ihren ersten Krankenhausaufenthalt im Kinderspital und es sollte nicht der Letzte werden. Nach kurzer Zeit konnte sie dieses wieder verlassen, nachdem sie schön brav erklärt hatte, dass alles „in Ordnung ist“ und gegessen hat.

Mir geht es gut, wirklich

 

Langsam wurde ihr Umfeld Aufmerksam

Nach immer sichtbarerem Gewichtsverlust kamen die ersten Kommentare aus Leas Umfeld und der Schule. Die Familie sorgte sich und Streitereien gemeinsam bei Tisch wurden unausweichlich. In der Schule hingegen wurde sie für ihr Gewicht beneidet. Beim Schulsport wurde pro Semester das Gewicht, Grösse und BMI gemessen. Ihre Mitschüler fragten oft nach Tipps zum Abnehmen und wollten unbedingt auch so dünn sein. Ironischerweise fand sich Lea selbst nie schön. Sie fand sich viel zu dünn. In die Magersucht ist sie nämlich nicht aus Schlankheitswahn gerutscht, sondern aus physischen Gründen.

Wow, du bist so schön dünn

Ausreden über Ausreden

„Ich habe keinen Hunger“, „ich habe schon zuhause gegessen“, „ich bin vegan“ sind nur einige Aussagen, welche Lea sich einfallen liess, um nicht vor anderen essen zu müssen. Da sich ihr Umfeld immer mehr Sorgen machte, fing sie an ganz langsam zu essen (damit es nach mehr aussieht) und hat im Nachhinein sich auf das WC begeben um zu erbrechen (Bulimie).

Verlust der Realität

Selbst hat sie sich nie im Spiegel als dicke Person wahrgenommen. Trotzdem hat sie exzessiv Sport in ihrem Zimmer betrieben, Kalorieren gezählt, sich zu Spitzenzeiten nur noch von Traubenzucker ernährt (190 Kalorien pro Tag) und sogar aufgehört zu trinken.

Ich habe mich von 20 Traubenzucker am Tag ernährt

 

Die Erfahrung mit dem Tod

Die Konzentration lies nach, die Noten wurden schlechter. Immer öfter wurde ihr übel & schwindelig. Bis eines Tages der Tag kam, als sie in der Schule zusammenklappte. Insgesamt 30-60 Minuten war sie bewusstlos und ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen. Später musste sie von der Ambulanz reanimiert werden.

Es durchzuckte mich wie ein Blitz und dann wurde es hell

* Name wurde geändert

Nächste Woche geht es mit Teil 2 weiter!

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