Letztens kramte meine Mutter alte Carina Heftchen aus den 80ern hervor, um sich aus den beigelegten Schnittmustern ein neues Kleid zu nähen. „Carina“ war damals nebst anderen Modeheftchen wie Brigitte oder Burda das Heft für die Junge Generation.

So fasste ich die Chance und blätterte durch die Bände und war überrascht, dass wir nicht bloss ein Revival der Mode erlebten, sondern auch unsere Mentalität in gewissem Sinne ähnlich blieb.

Nebst zahlreichen Mode-Fotografien und einem Psychotest stach mir ein Beitrag ins Auge unter dem Titel „Was so schön daran ist heute eine Frau zu sein“.

Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, aus diversen Berufsgattungen beantworteten diese Fragen auf verschiedene Arten und Weisen.

„Weil eine Frau (…) sich hübsch machen, schminken, schön anziehen kann. Weil ich als gutaussehende Frau mehr bewundert werde.“

„Die typisch weiblichen Domänen wie Mode, Kosmetik, Wohnungseinrichtung und Kochen liegen mir mehr.“

„Im Beruf wäre ich manchmal gerne ein Mann, weil ich dann bessere Chancen hätte.“

„Es ist kein Glück eine Frau zu sein. Es ist eine Gegebenheit, mit der man sich abfinden muss. Man muss das Beste daraus machen.“

„Ich mag gern umschützt und umsorgt werden.“

In den 80ern – das Frauenstimmrecht wurde 1971 eingeführt – hatten Frauen immer mehr zu sagen. Ausserdem reisten erste Frauen solo um die Welt und missachteten ihre vorgegebene Rolle, die ihre Mütter – aufgewachsen in den strengen 50ern – ihnen vorlebten. Und trotzdem sind die Aussagen der Frauen aus Carina ganz anders als heute (unten). Natürlich entsprechen die Aussagen nach wie vor gewissen Lebensstandards, in der Schweiz würden sie aber lange nicht mehr so ausgesprochen werden.

Erleben wir nicht nur in der Mode ein Revival?

Wie ist diese Frage heute zu beantworten?

Nach einem wortwörtlichen Eingabe der Aussage bei Freund-Google erhielt ich zahlreiche Artikel und Antworten.

„Wir können schwanger sein.“

„Weil wir bei Liebesfilmen weinen dürfen.“

„Weil wir nackt schöner aussehen.“

„Bei IT-Problemen, hilft man uns gerne weiter.“

„Du wirst beschützt.“

„Die Stärke der Frau liegt in der Weiblichkeit.“

Ich persönlich bin gerne eine Frau. Obwohl ich manchen oben genannten Aussagen widerspreche, da ich nicht bloss Aufgrund der Baby-Frage und dem Nackt sein gerne eine Frau bin, so atme ich doch erleichternd auf, dass die Aussagen nicht wie vor 30 Jahren sind. Tatsächlich finde ich die Tatsache rund 6 Monate in kein Kleidungsstück zu passen erschreckend. Zudem brauche ich keinen Beschützer oder IT-Helfer – es kann aber mit Sicherheit ein weiblicher Vorteil sein.

Als Frau fühle ich mich eher von den Sozialen Medien und dem vorgegebenen Schönheits- und Idealbild der Frau unter Druck gesetzt. Obwohl sich im Gegenzug das Erscheinungsbild von Tomboys bzw. maskuliner Frauen stark etabliert hat, tun wir alles mögliche, um dem Ebenbild der perfekten Frau zu entsprechen.

Der Druck der sozialen Medien

Der Hashtag #LoveisLove ist in den sozialen Medien bereits regenborgenfarbig und zahlreiche Frauen jeglicher Form, Grösse, Farbe und Herkunft haben sich in den Sozialen Namen eine Fanbase erschaffen. Trotzdem sind besonders junge Frauen dem täglichen Newsfeed einer Ladung „Perfektion“ ausgesetzt. Dabei ist das Ebenbild der Frau bloss ein weiteres Hirngespinst unserer globalisierten Gesellschaft, in der Trends in Sekundenschnelle um die Welt gehen. Trends wie die Vintage Phase, die sich jetzt, beim Durchblättern alter 80er Heftchen als schon mal getragen bemerkbar macht.

Manchmal blicken wir nicht bloss auf die 80er oder 50er Mode zurück, sondern verhalten uns auch so. Die Frau sehnt sich nach einer sicheren Familiensituation, einer märchenhaften Hochzeit, nach einem Mann der arbeitet, zwei Kinder. Natürlich ist dies eine Extrembeschreibung, die in reiner Form womöglich selten anzutreffen ist, und doch bin ich erstaunt, wie fortschrittlich wir sind und wie zurückgeblieben zugleich.

Gleichberechtigung der Frau im 21. Jahrhundert

Sexismus ist nach wie vor ein Thema. Die #MeeToo Bewegung setzt sich für gleiche Rechte und gegen Ungleichheit von Mann und Frau ein. Frauen haben heutzutage gute Chance führende Rollen in einer Firma zu übernehmen. Ihre Meinung wird genauso respektiert wie die der Herren und in der Politik sind die Damen dran präsent zu sein. Obwohl unser Bundesrat leider hauptsächlich aus Männern besteht, ist auch die Frau in der Politik gut vertreten (aber mit Luft nach oben).

Heutzutage sind Frauen meiner Meinung nach (zumindest in der Schweiz) fast überall gleichberechtigt. Natürlich herrscht an gewissen Orten nach wie vor eine Ungleichheit des Lohnes, worüber ich kopfschüttelnd die Augen verdrehe. Trotzdem haben heute Frauen den Mumm für ihre Sache einzustehen, oft sogar mit Männern an ihrer Seite.

Schlussendlich ist heutzutage schön eine Frau zu sein weil,…

… wir selbständiger wurden und unsere Rolle in der Gesellschaft selbst wählen können. Weil wir unabhängig sind, weil wir solo reisen können und es total okay ist. Weil eine Managerin nicht mehr eine Ausnahme ist und weil wir so viel Haut zeigen können, wie wir wollen. Es ist schön, weil wir eben doch stark und zugleich emotional sein dürfen (genauso die Männern, obwohl sie es nie zugeben würden!). Weil wir stundenlang Kaffee trinken können und nicht mehr nur fürs Baby machen, waschen, putzen und kochen zuständig sind. Weil der Sexismus an vielen Orten bezwungen wurde und Ungleichheit aufgehoben wird. Weil Weiblichkeit heute so viel mehr ist, als eine Braut im weissen Kleid und ein kurviger Körper im Bett.


Warum bist du gerne eine Frau? Oder ein Mann?

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