Ich find mich schön.
Zumindest meistens.
Na gut, ab und an.
Glaubst mir nicht?

Nein, wirklich.

Ich hab kurze Haare, babyrunde Speckbacken, die für andere zum Kneifen süss sind. Ich bin kurz gewachsen, proportionstechnisch ist alles etwas falsch verteilt. Meine Beine sind etwas krumm, die Hüfte etwas zu breit und die Brüste unterschiedlich gross. Grösse 38 passt mir oft. Aber eben auch nicht immer. Ich trage eine Brille und kein Make-up, nur manchmal mal ich die Lippen rot. Warum? Weil ich es irgendwie doch schön finde. Ästhetisch oder so. Dann trage ich dazu ein langes blaues Kleid, farbige Schuhe und einen alten verbleichten Rucksack. Ganz schön zusammengewürfelt, ganz schön oldschool, ganz schön hippie und egal wie traurig diese Beschreibung klingen mag, find ich mich so eben auch schön. Oder hübsch. Ganz schön hübsch authentisch ich. Dieser stinkende Selbstruhm mag abgehoben klingen und überhaupt – wieso, zum gugger, suhlt die sich nicht im Selbstmitleid?

Schönheit ist subjektiv.

Für die einen sind es lange schlanke Beine. Ein flacher Bauch, ein schmales Gesicht, knackiger Po. Perfekte Symmetrie und ausgewogene Fettverteilung – wenn da überhaupt Fett sein darf. Natural Look, aber auf keinen Fall ungeschminkt, die langen Haare fallen derweil perfekt über die Schultern und wehen im Wind.

Männer strotzen mit V-geformten Oberkörper, der mit einem Waschbrettbauch geziert ist. Die Haut spannt sich über dem angespannten Bizeps. Die Beine sind stark, die Körpergrösse misst mindestens 178 cm.

Einmal um den Globus gejettet, werden die westlichen Schönheiten mit kritischen Blicken betrachtet. Was in Amerika über den Laufsteg stolziert, wird im Dschungel kurzerhand ignoriert. Beispielsweise gilt bei den Padaung ein langer Hals als Schönheitsideal. Die sogenannten Giraffenfrauen legen sich jedes Jahr einen weiteren Bronzering um den Hals, der so nach und nach die Schultern nach unten drückt. Ganz anders – aber ebenso extrem – tragen Frauen in Äthiopien Lippenteller. Je grösser der Durchmesser, umso schöner die Frau.

Beim Padaung Volk gelten Eisenringe um den Hals als schön.

Doch auch in der westlichen Zivilisation standen 90-60-90 Masse nicht immer im Zeichen der perfekten Schönheit. Vor weniger als 100 Jahren beherrschten weitaus fülligere Figuren die Cover jeglicher Modemagazine. Marilyn Monroe galt als Vorzeigefrau der Sanduhrfigur. Schmale Taille, breite Hüften, runder Busen. Es gab sogar Frauen, die Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen, um die eigenen Kurven deutlicher auszuprägen. Heute unvorstellbar.

Und was ist denn nun schön?

Tize Redakteur*innen haben sich bereits einige Male mit dem Geheimnis der Schönheit, Schönheits-OP’s und dem Schönheitswahn bei GNTM beschäftigt. Insbesondere während der Badesaison scheint das Thema „Schönheit“, Körpermasse, Übergewicht wieder präsenter zu sein. Was sich im Winter gut kaschieren lässt, verunsichert insbesondere junge Mädchen im Sommer um einiges stärker.

Was ich aus persönlicher Erfahrung anmerken kann, ist: es braucht Zeit und Wille und auch etwas Mut, sich selbst als schön zu betiteln. Du selbst bist dein ärgster Kritiker und erkennst vermutlich scheinbar unschöne Details, die anderen nie aufgefallen wären. Hinzu kommt, dass ein bisschen Selbstverliebtheit meiner Meinung nach nie schadet. Insgesamt hat es mehr als 20 Jahre gedauert, bis ich einen kleinen Funken Schönheit sah. Aber überhaupt, was ist den schon schön? Ich finde auch einige Blumen ganz schön, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger. Es gehört am Ende zum menschlichen Dasein dazu, Dinge als schön, andere als weniger ansprechend zu beurteilen. Am Ende kommt es darauf an, wie wir mit unserem Urteil umgehen.

Geschrieben von:

auf der Suche nach etwas Inspiration

1 Comment

  1. Blumen sind auch nur schön, um bestäubt zu werden. Haben wir Menschen bei uns nicht mehr nötig. Wir brauchen keine zwölf Kinder, damit vielleicht eines überlebt hat, wenn wir greisalt sind.
    Und trotzdem machen wir uns schön. Ist doch beschissen. Schön machen! Als ob wir vorher nicht schön waren.
    Traurig, dass viele so denken.
    Schönheit ist nichts, was wir und mal schnell aufpinseln können. Schönheit ist das Leuchten in den Augen, wenn wir das Leben lieben.
    Das klappt nicht, wenn wir uns nicht vom Gedanken lösen, hübsch sein zu müssen. Erst wenn wir Schönheit nicht mehr mit Kleidung oder Muskel oder auch schon nur mit einem gebräuntem Teint … oder Teller in den Lippen … assoziieren, fällt dieser Druck weg und ALLES wird schöner.
    Dann klappt es auch mit dem Bestäubtwerden.

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