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Viele der ehemaligen Fahrschüler*innen, die bei der Fahrschule Straubhaar in Solothurn ihre Führerprüfung absolviert haben, kennen ihn: Der 34-jährige Enes Ismaili machte bei Patrick Straubhaar sein Praktikum als Fahrlehrer und zieht nun mit der neuen Fahrschule «Smiledrive» sein eigenes Ding durch. Wie Enes dazu kam, beim Autofahren auf dem Beifahrersitz zu residieren und was ihn als Fahrlehrer ausmacht – dies und mehr bei #porträtiert.

Der Bobsport ist ihre Leidenschaft: Die aus dem Solothurnischen Bettlach stammende Paulina Götschi ist seit fünf Jahren begeisterte Hobby-Bobfahrerin. Seitdem sie 2014 am sogenannten «Schweiz bewegt» einen Anschiebebob zum Ausprobieren anstossen durfte, hat sie einiges erlebt und war unter anderem bereits an den olympischen Jugendwinterspielen vertreten. Angefangen habe alles «sanft», doch mittlerweile brettert die 19-jährige mit 120 Stundenkilometer den Eiskanal hinab.

Der Ehrgeiz steht Paulina ins Gesicht geschrieben. Einen anstrengenden Tag habe sie hinter sich, denn neben dem Bobsport besucht sie die Fachmatur in der Kantonsschule Solothurn. «Diesen Freitag ist der Abgabetermin für meine Arbeit, deswegen bin ich ein wenig gestresst», erklärt sie bestimmt aber mit einem Lächeln auf den Lippen. Und dennoch hat sie die Zeit gefunden, mir am «Aaremürli» in Solothurn mehr über ihr Leben und ihre Leidenschaft zu erzählen. Im Februar schliesst Paulina die Fachmatur ab und will danach eine Lehrerinnenausbildung in Richtung Sekundarstufe absolvieren. Das Ziel, einmal als Lehrerinn unterrichten zu können, stehe in ihrem Leben im Vordergrund. Nichtsdestotrotz nimmt der Sport in ihrem Zeitplan viel Platz ein.

 

«Mir hat es sofort den Ärmel reingenommen»

Zum ersten Mal mit dem Bob in Kontakt kam sie am Gemeindeduell von «Schweiz bewegt» im Jahre 2014. Damals duellierten sich die beiden Dörfer Bettlach und Selzach. Dabei ging es lediglich darum, welche der Gemeinden in der Freizeit am meisten Sport trieb. «An einem Posten bestand die Möglichkeit den Prototypen eines Bobs anzuschieben. Wer die kurze Strecke am schnellsten bewältigt hatte, wurde für ein Probetraining in Innsbruck eingeladen», erklärt Paulina den Anfang ihrer Bobkarriere. Das Glück und ihr athletisches Können, welches sie vorher schon in der Leichtathletik erlernt hatte, standen auf ihrer Seite. So gewann sie den Wettkampf und erhielt die Chance, das Probetraining wahrzunehmen. «In Innsbruck hat es mir dann sofort den Ärmel reingenommen», ergänzt sie ihre Aussage.

 

Auf Tuchfühlung mit dem Eiskanal

Das erste Mal, als Paulina am obersten Ende der Abfahrt stand, war ihr mulmig. Marcel Rohner, der damalige Nationaltrainer vom gesamten Schweizerischen Dachverband des Bobsports, habe sie einfach ins kalte Wasser geworfen und sie dem Schicksal überlassen. Natürlich hat sich Paulina die Kurven und schwierigen Stellen der Strecke im Voraus angeschaut. Trotzdem hatte sie zu diesem Zeitpunkt von Tuten und Blasen noch keine Ahnung. «Ich war aufgeregt und der Puls war hoch. Schlussendlich bin ich aber gut unten angekommen, ohne mit dem Bob umzufallen», schildert Paulina ihre Gefühlslage bei der ersten Abfahrt. Die extreme Geschwindigkeit und die Tatsache, dass Paulina im Eiskanal auf sich allein gestellt war, gab ihr sofort den Kick und bewegte sie dazu, das neue Hobby weiter zu verfolgen. Bei den Abfahrten im Monobob wurde Paulina erst richtig bewusst, wie sehr das Lenken des Bobs auf ihre Entscheidungen ankam. Das Ausmass der Kräfte, die in einem Eiskanal herrschen, bekam sie schnell zu spüren. Gleich nach der ersten, erfolgreichen Abfahrt stürzte sie beim zweiten, dritten und vierten Versuch.

 

«Meine Angehörigen hatten natürlich Angst um mich. Schliesslich kann das Hinunterdüsen durch einen Eiskanal in derartiger Geschwindigkeit gefährlich werden.»

 

«Der Wille war immer grösser»

Von Innsbruck zurückgekehrt blieb Paulina genügend Zeit sich zu überlegen, ob der Bobsport in ihrem Leben wirklich Zukunft haben soll. Nicht nur sie, sondern auch die Eltern und Freunde hatten Zweifel an Paulinas Hobby. «Meine Angehörigen hatten natürlich Angst um mich. Schliesslich kann das Hinunterdüsen durch einen Eiskanal in derartiger Geschwindigkeit gefährlich werden», sagt sie. Von den schlechten Erlebnissen liess sich die ehrgeizige Bettlacherin nicht unterkriegen. «Der Wille war immer grösser», erklärt Paulina stolz. Zudem darf sie sich über einen grossen Rückhalt in der Familie, sowie im Freundeskreis erfreuen. Ausschlaggebend für den Entscheid zum Verbleib beim Bobsport war die Möglichkeit, die Jugendwinterspiele 2016 im norwegischen Lillehammer besuchen zu können.

 

Langsam, aber stetig

Der Entscheid, an den Spielen in Lillehammer teilzunehmen, zahlte sich aus. Ihr erstes Turnier durfte Paulina mit dem achten Platz abschliessen. Dies gab ihr den Ansporn, weiter zu machen und ein Jahr darauf den Weltcup im gleichen Ort zu bestreiten, wo sie Siebte wurde. Dies, obwohl sie nach den Winterspielen in Norwegen noch nicht richtig wusste, wie es weitergeht. «Es ging um die Frage, ob ich vom Monobon auf den Zweierbob umsteigen sollte. Von vielen wurde mir gesagt, ich sei zu jung für einen Wechsel, so habe ich den Anschluss ein wenig verpasst. Dennoch fuhr ich von den Weltmeisterschaften 2017 an im Zweierbob mit.» Und das mit Erfolg. Im letzten Jahr durfte Paulina einen weiteren grossen Erfolg feiern: Ihr Team belegte an den Schweizer Meisterschaften den dritten Platz. «Ich bin sehr zufrieden mit unserem konstanten Aufstieg. Es braucht Zeit, um an die Spitze zu kommen. Im Bobsport zählt man bis zum 26. Lebensjahr zu den Juniorinnen und zudem bin ich jung und habe noch viel Zeit», wertet Paulina ihren langsamen, aber stetigen Aufstieg in der Welt der Bobfahrt.

Hauptsächlich sieht Paulina aber die kleineren Dinge als wichtige Erfolge, wie beispielsweise neue Strecken kennenzulernen und erfolgreich abzufahren oder generell an grossen Turnieren teilzunehmen. Auf die neuen Bekanntschaften, die Paulina an solchen Ereignissen machen darf, gibt sie ebenfalls grossen Wert.

Paulina Götschi (links im Bild) mit ihrer Teamkollegin an der WM in St. Moritz.

Der Sport als Antrieb für Paulinas inneren Motor

«Zurzeit kommt alles ein wenig kurz», gibt Paulina auf die Frage zu, wie ihr Terminkalender aussieht. Das regelmässige Trainieren in der Leichtathletik und der Kraft, sowie die zeitintensive Fachmatur, nehmen viel Platz in ihrem Leben ein. Gerade dieses Halbjahr muss Paulina viel Schulstoff für die Abschlussprüfungen lernen und hat gleichzeitig ein dickes Programm mit dem Turnverein, in dem sie eine Leiterfunktion innehat. «Zugleich will ich meine Freunde nicht vernachlässigen und auch mit ihnen Zeit verbringen. Es ist alles knapp, aber mit guter Organisation machbar», findet Paulina zuversichtlich. Ihre Freunde haben vollstes Verständnis dafür und reisen des Öfteren nach St. Moritz zu Trainingstagen oder Wettkämpfen mit. Mit dem Stress, der von diesem engen Zeitplan ausgelöst wird, kann sie gut umgehen. «Ich erlaube mir nur wenig Fehler, was daran liegt, dass ich manchmal etwas zu hohe Ansprüche an mich selbst habe. Das löst zwar weiteren Stress aus, motiviert mich aber immer wieder dran zu bleiben und besser zu werden», erläutert Paulina offen und ehrlich. Der Sport sei verantwortlich dafür, wie sie ihr anderes Leben lebe und hält ihren inneren Motor stetig am laufen, wie sie sagt.

Stolz darf sich Paulina mit anderen Athletinnen aus aller Welt auf dem Podium präsentieren. (Dritte von links in der unteren Reihe)

Paulina ist sich nicht sicher, ob sie in fünf bis zehn Jahren noch in den Bob steigen wird. Die berufliche Laufbahn mit einer guten Ausbildung habe in ihrem Leben Vorrang. Vor ein paar Jahren hatte sie noch das Ziel, 2022 an den Winterspielen in Peking teilzunehmen. Doch dieser Traum sei nun in weite Ferne gerückt. Aber die Chance, irgendwann mal an einem solch grossen Event mit dabei zu sein, existiert noch. «Vier Jahre später sind die nächsten Spiele. Vielleicht sieht man unser Team dann dort den Eiskanal runtersausen», sagt sie schmunzelnd.

Wir wünschen Paulina und ihrem Team weiterhin viel Erfolg.

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zur Reihe.

 «Es ist eine Frage, die ich mir sehr oft stelle», antwortet Luca Lang auf die Frage, was Rap für ihn bedeute. Vor zwei Jahren veröffentlichte er unter dem Künstlernamen «Pato» sein erstes Mixtape mit dem Namen «Es Stück vom Chueche». Darin zu finden der Song «Rap für mi», in dem er seine Gefühle für die Musikrichtung zum Ausdruck bringt. Doch das Lied sei nun überholt, denn es drücke längst nicht mehr das aus, was ihn jetzt mit Rap verbindet. Ein Porträt über den Solothurner Newcomer-Rapper.

In der zweiten Ausgabe der Reihe «#porträtiert» stellt sich der Rap-Musiker Luca Lang (unter dem Künstlernamen: Pato) den Fragen von Tize.ch. Der mittlerweile 20-jähirge Absolvent des Gymnasiums wuchs gemeinsam mit seiner Schwester in der Stadt Solothurn auf. Abgesehen von Rap, habe er zurzeit keine anderen Freizeitbeschäftigungen. «Es ist das Einzige, was ich seit meinem Schulabschluss diesen Sommer mache», erklärt Luca strahlend. Der Ehrgeiz, der ihn seither begleitet, ist in seiner Gegenwart deutlich zu spüren. Er spricht ruhig und selbstbewusst, dennoch lodert in seinen Augen das Feuer seines inneren Antriebs. Vorher habe er noch Fussball beim FC Riedholz gespielt, bis er sich stark am Bein verletzte. «Ob ich aufgrund meiner Verletzung je wieder mit dem Fussballspielen weitermachen kann, bezweifle ich. Momentan hätte ich so oder so keine Zeit», gesteht er. Denn Luca ist mit seiner Musik viel beschäftigt.

 

Eine schnelle Entwicklung

Vor vier Jahren hat Luca damit begonnen, erste Raptexte zu schreiben. Wie er erklärt, spielte am Anfang auch ein kleiner Hauch von Arroganz in seiner Idee mit. «Ich hörte die etablierten Rapper aus Deutschland und den USA und dachte mir: Ich bin doch mindestens so gut wie die!», sagt er über sich selbst lachend. Doch wenn Luca jetzt zurückblickt und sich ansieht, mit welchen Liedern er damals gedacht hatte, besser zu sein, muss er sich selbst an den Kopf fassen. «Damals hatte ich noch keine Ahnung von der Materie, doch heute weiss ich, dass es auf andere Dinge ankommt», legt Luca seine frühere Haltung aus.

Dann traf er auf «Bensch», ein in der Solothurner Musikszene bekannter Name und begann damit, in dessen Studio sein erstes Mixtape aufzunehmen. «Ich betitle diese Projekte bewusst nicht mehr mit «Album», da ich jetzt besser weiss, dass für ein solches die Lieder komplett ausproduziert werden, also auch die Beats müssen aus eigener Hand stammen. Ich habe in meinen Liedern aber auf schon existierende Beats gerappt», erklärt er. Schon bald darauf folgte ein weiteres Mixtape namens «Mise en place». Durch die Veröffentlichung dieser Tapes wurden ihm Türen zu vielen Auftritten geöffnet. Zusammen mit seinem Team und dem DJ Fabian, welche Luca immer in seinen Auftritten begleiten, konnte er im Jahre 2018 sogar auf dem Gurtenfestival spielen und an einem Bandcontest teilnehmen. Luca betont, dass vor allem im letzten Jahr sehr viel passiert sei. «Wir hätten beinahe Fuss in der grossen, Schweizer Musikszene fassen können», ergänzt er. Doch dieses Projekt hat Luca wieder gecancelt, als er merkte, dass es musikalisch in eine komplett andere Richtung ging, als vorher von ihm gedacht. Mittlerweile sieht sich Luca immer noch auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, weshalb er sich denn wirklich dazu entschlossen hatte, Rap machen zu wollen. Dazu sagt er: «Ich fühle mich so lebendig dabei und habe einfach den Drang, diese Passion weiter zu verfolgen.»

 

Ob Gurtenfestival oder Solothurn – Pato ist nie allein

In seinen Antworten erwähnt Luca immer wieder sein Team. Dieses setzt sich aus den unterschiedlichsten Leuten zusammen, wie er erläutert. «Da wäre beispielsweise Luca, der lustigerweise gleich heisst wie ich», beginnt er aufzuzählen. Luca nehme die Funktion eines Managers ein und habe ihn schon früher bei Filmarbeiten und bei der Suche nach Proberäumen unterstützt. Er beschreibt ihn als versierten, kreativen Macher. Dazu sagt er: «Ohne ihn, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.»

Wichtige Bausteine seien auch der DJ Fabian Affolter, der seit zwei Jahren mit ihm zusammen Musik macht, die Sängerin Lisa Brudermann, sowie die kreativen Köpfe Alban, Nicola, Aron und Juicy. Letztere seien für das äussere Bild zuständig, beispielsweise was die Kleidung bei Lucas Auftritten betrifft oder schiessen die Fotos, die später auf der Website landen. «Jede und Jeder von uns ist ein wichtiges Rädchen innerhalb des gesamten, grossen Zahnrades», beschreibt Luca die Zusammenarbeit und Harmonie innerhalb des Teams.

 

Rappen auf dem «Rum-Bänkli»

Den grossen Rückhalt findet er nicht nur bei seinen Teamkameraden, die er mittlerweile schon als «zweite Familie» sieht. Auch sein enger Freundeskreis unterstützt Luca bei seinen Auftritten und teilt mit ihm die Leidenschaft zum Rap. Bereits vor Lucas Einstieg in die Musikwelt, trafen sich er und seine Freunde am «Rum-Bänkli», sowie sie die gewöhnliche Parkbank betiteln, in der Stadt Solothurn am Ufer der Aare. «Das «Rum-Bänkli» wurde zu einer Tradition für uns. Damals wie heute, sitzen wir da, hören die neusten Hits der Rapszene, trinken etwas Rum (daher der Eigenname des Ortes) und rappen. Manchmal ist es auch kompletter Unsinn, den wir von uns geben. Aber die Hauptsache ist, dass wir Spass daran haben», erzählt Chris in Erinnerungen schwelgend, ein guter Freund von Luca, der zufällig zum Gespräch hinzugestossen ist. «Den Rum geniessen wir natürlich in Massen», fügt Luca augenzwinkernd hinzu.

 

Der Schnellzug in eine Richtung

Seitdem Luca diesen Sommer die Kantonsschule abgeschlossen hatte, habe sich in seinem Leben einiges verändert. Noch im letzten Schuljahr musste er jeden Tag zur Schule gehen und Rap betrieb er als Hobby neben seinen anderen Pflichten. «Zu dieser Zeit habe ich mir noch keine Sorgen darüber gemacht, was passieren würde, wenn es einmal mit der Musik nicht mehr läuft.» Gerade in den ersten vier Wochen nach der Matur habe er gemerkt, dass er sich langsam aber sicher der Frage stellen musste: «Wie wichtig ist es, dass das ganze Projekt erfolgreich wird? Wie kann ich mich sonst finanziell über Wasser halten?» Luca habe sich auch darüber Gedanken gemacht, mit der Musik drei, vier Gänge herunterzufahren, einen Job zu suchen und Rap nur noch nebenbei zu machen. Doch dieses Noema tat er schnell wieder ab. «Das ist für mich keine Option mehr, dieser Zug ist längstens abgefahren. Für mein Team und mich existiert mittlerweile die Frage, ob wir das alles nun wirklich durchziehen oder nicht, überhaupt nicht mehr. Wir haben einfach Lust darauf und sind motiviert, unser Bestes zu geben. Es ist ein Schnellzug in eine Richtung», sagt Luca selbstbewusst und zielgerichtet.

Auf Social Media gibt Luca immer wieder bekannt, dass das alles nur der Anfang sei. «Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt», schliesst er unser Gespräch ab. Tize.ch wünscht ihm auf seinem Weg alles Gute.

 

Mehr Informationen:

Luca`s Mixtape «Es Stück vom Chueche» auf Spotify

Luca`s Mixtape «Mise en place» auf Spotify

Instagram: https://www.instagram.com/pato.music/

Luca`s Website: https://www.pato-music.com/

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch, wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zum letzten Porträt über den musikalisch engagierten Valentin Sollberger:

#porträtiert – Valentin sieht sich zwischen Musik und Realität

Seit einem Monat patrouillieren Securitas der Firma Pantex in der Stadt Solothurn. Mit der Aufschrift «Ruhe und Ordnung» zirkulieren sie an den Wochenenden besonders am sogenannten «Mürli», dem Ort, an dem sich die Ausgänger*innen der Stadt am häufigsten befinden. Doch gleich bei ihrem ersten Auftritt stossen die Sicherheitskräfte nicht nur auf Zuspruch bei der einheimischen Bevölkerung. Die Stadtregierung zieht aber nach einem Monat des Politprojektes eine positive Resonanz.

Es war eine warme, sommerliche Nacht in der Stadt Solothurn am Freitag, dem 05. Juli dieses Jahres. Die Aare floss ruhig an den barocken Bauten entlang, ab und zu liessen sich Grillen hören. Es schien wie eine gewohnt friedliche Nacht in der kleinen Stadt. Doch der Schein trug. Auf einmal war ein Knall zu hören, ausgelöst durch eine Serie von Böllern auf der solothurnischen Wengibrücke. Nach dieser Aktion schien die sonst idyllische Barockstadt in Tumult zu verfallen. Bierflaschen zerborsten auf der Strasse am «Mürli», mit weisser Kreide wurde auf den Beton geschrieben: «Gegen Sicherheit durch Machtdemonstration!» und eine Gruppe von etwa zehn Personen lehnten sich gegen die Sicherheitskräfte auf. Noch Stunden nach diesem eigentlich kurzen Vorfall, befanden sich Securitas der Pantex AG in Diskussionen mit Solothurner Ausgängern und der örtlichen Polizei. Doch was war der Auslöser dieser Unruhen in dieser Nacht und wie sieht die Situation heute, nach einem Monat, aus?

 

Die Kampagne für ein ruhiges, tolerantes Nachtleben

Begonnen hat alles mit der Kampagne «I ha Sorg zu üsere Stadt. Und du?», welche von Einwohnern und Gastrobetreibern in Gang gesetzt worden war. Um die Solothurner*innen vor Lärmbelästigungen zu schützen und Gewaltakte zu unterbinden, wurde beschlossen, Security-Patrouillen der Pantex AG einzusetzen. Angenommen wurde die Petition in einer Volksabstimmung der Gemeinde Solothurn. Die Stadtregierung und die Gastrobetreiber wollen damit erreichen, dass das Solothurner Nachtleben sicherer, ohne Zwischenfälle ausgelassen gefeiert wird und die Mitarbeiter in den Betrieben ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen können. Gegenüber der Solothurner Zeitung sagt Lea Jaussi, Betreiberin des Gastrobetriebs «Salzhaus»: «Ich bin überzeugt von diesem Projekt, es soll den Jungen helfen, den rechten Weg einzuschlagen» Als Solothurner*in kann man sich an dieser Stelle trotzdem die Frage stellen: Inwiefern ist das in unserer eigentlich ruhigen und sicheren Stadt nötig?

 

Reklamationen haben sich gehäuft

Laut der Solothurner Zeitung, haben sich bereits vor zwei Jahren Ausgänger*innen über die neuen Gesetze empört. Bewilligungen für Gastrobetreiber und Partyveranstalter mussten her, um länger als zwei Uhr in der Nacht geöffnet zu haben oder Veranstaltungen überhaupt stattfinden zu lassen. Grund für die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in der Stadt sind Beschwerden der Anwohnerschaft über Lärm und Sachbeschädigungen. Doch das trifft bei vielen, vor allem jungen Ausgänger*innen, auf Unverständnis. Diese sind der Meinung, dass man mit einem Einzug in eine Stadt auch mit Lärm konfrontiert werden würde, vor allem am Wochenende. «Wem das nicht passt, sollte meiner Meinung nach nicht in eine Stadt ziehen», sagt ein Passant aus.

 

Ausgänger*innen fühlen sich provoziert

Dann, am Freitag dem 05. Juli, bestritten die Securitas ihren ersten Einsatz. Doch statt für Ruhe und Ordnung zu sorgen, lösten die uniformierten Männer und Frauen Lärm und Tumult aus. Die Solothurner Zeitung berichtet von mehreren Vorfällen, die sich in der Nacht von Freitag auf Samstag ereignet hatten. Vor Mitternacht wurden diverse Feuerwerkskörper auf der Wengibrücke gezündet, was als offensichtliche Protestaktion gegen die Sicherheitskräfte verstanden wurde. Etwa zwei Stunden später kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Uniformierten und angetrunkenen Ausgänger*innen. Als die Polizei eintraf, traten dann einige, hitzige Diskussionen zwischen den Beamten, den Angetrunkenen und den Securitas ein, während sich andere Besucher der «Barock Bar» oder des Lokals «Red John» ebefalls über die Situation empörten und sich immer mehr in die Gespräche einmischten. Grund für die Ausschreitungen war nicht zuletzt die Ausrüstung der Sicherheitsleute. Diese trugen auf ihrer Patrouille Schlagstock und Pfefferspray mit sich, was nicht nur im Rauschzustand bedrohlich wirken kann. Die Lage schien sich dann gegen drei Uhr morgens noch einmal zu zuspitzen. Ein Fahrradfahrer fuhr mit laut eingestellter Musik neben dem Geschehen vorbei und wurde von den Sicherheitsleuten gewaltsam vom Fortbewegungsgegenstand gerissen. Ob dieser dies mit Absicht getan hatte, um noch mehr zu provozieren, ist unklar.

Am darauffolgenden Samstagmorgen war dann ein Banner mit der Botschaft: «Rue de Blamage. Scheiss auf Nachtruhe» an der Wengibrücke zu sehen, welches wahrscheinlich nach den Ausschreitungen montiert wurde. Eine Streife der Polizei räumte das Banner nach wenigen Minuten wieder weg. Auch die Politik schaltet sich nun ein. «Es kann nicht sein, dass hier am «Mürli» Sicherheitsleute mit Schlagstöcken und Pfeffersprays umherlaufen. Wir werden unsere Anliegen bei den Organisatoren der Kampagne und der Stadtregierung rückmelden und gemeinsam nach einer Lösung suchen, die allen Beteiligten entspricht», erklärt Aileen Jenni, Präsidentin der JuSo Solothurn.

 

Verbesserung der Kampagne durch Kooperation

Mittlerweile haben sich die Gemüter um die «blöden Weihnachtsmänner», wie die Securitas von diversen Personen beleidigt wurden, wieder gelegt. Das Projekt zeigte in Sachen Drogenmissbrauch und Gewalt eine positive Resonanz. Seit dem Start des Projektes waren keine Meldungen über Probleme, Zwischenfälle oder Ruhestörungen mehr eingegangen, so die offizielle Webseite der Stadt Solothurn. Auch der kritische Teil der Bevölkerung hätte gemerkt, dass die «Aufpasser» nicht da sind, um jeden Spass zu unterbinden, sondern lediglich für ihre Sicherheit sorgen. Die Pantex AG zeigt sich zudem kooperativ: Schlagstöcke und Pfeffersprays sollen künftig an Patrouillen zu Hause bleiben.

Als Präsident der Guggen von Solothurn (abgekürzt GUSO), deckt der selbstständige Marketingconsulter Thomas Nyffenegger einige organisatorische Aufgaben ab. Was sind seine Ämter in der Solothurner Fasnacht und was bedeutet die Fasnacht für ihn? Ein Interview.

Am heutigen Donnerstag ist es in Solothurn wieder soweit. Die jährliche Solothurner Fasnacht startet am 08. Februar mit der traditionellen Chesslette und dauert eine Woche, bis zum Aschermittwoch. Doch was auf den einen Blick wie ein fröhliches, sorgenloses Fest erscheint, muss im Hintergrund bis auf das Detail genau geplant und organisiert werden. Eine grosse Aufgabe für die vereinigte Fasnachtsgesellschaft von Solothurn (UNO) und für die vereinigten Guggen von Solothurn (GUSO). Auch die Politik kommt in dieser Fasnachtsvorbereitung nicht zu kurz.

«Vor der Fasnacht bin ich immer in Hochstimmung», antwortet Thomas Nyffenegger strahlend auf die Frage, wie es ihm an diesem kalten, verregneten Januarabend geht. «Vor und während der Fasnacht bleibt eher weniger die Freizeit, um diese mit der Familie zu verbringen oder viel auszuruhen. Da liegt es auch an mir, dass ich mir mal einen Abend komplett frei nehme und mir so meine Zeit einteile», erzählt er mir weiter. Während der Solothurner Fasnacht ist Thomas Nyffenegger als Präsident der GUSO und als aktives Mitglied der Gugge Weihere Schränzer, in der er bis vor zwei Jahren ebenfalls Präsident war, organisatorisch, wie auch als Fasnächtler viel auf den Beinen.

Was bedeutet es GUSO-Musiknarr an der Solothurner Fasnacht zu sein?

«Als GUSO-Musiknarr bin ich sozusagen der Präsident der Guggen von Solothurn. Wie das Amt als Präsident auch in anderen Vereinen aussieht, kümmere ich mich um die Organisation, der Interessen der Mitglieder, also der Guggen von Solothurn und versuche diese auf eine Art und Weise in das Geschehen der Solothurner Fasnacht einzubringen. Ebenfalls sind die verschiedenen Strukturen der GUSO, sowie einen optimalen Fasnachtsablauf, zu organisieren. Dies bedeutet für mich einerseits viel Arbeit, aber es ist eine interessante Arbeit, die mir Spass bereitet.»

Was ist der Zweck der GUSO-Vereinigung?

«Die GUSO wurde im Jahre 1980 gegründet, zum Zweck, die Interessen der Guggen zu bewahren. Die Stimmen der Guggen spielen in der Solothurner Fasnacht eine wichtige Rolle, so muss also gut auf die Interessen und Ansprüche der einzelnen Vereine gehört werden. So können beispielsweise auch neue Anlässe oder Ideen, betreffend der Solothurner Fasnacht, aus den Sitzungen herauswachsen und in den Fasnachtsablauf integriert werden. Der «12i-Chlapf», der in der Nacht vom Fasnachtsdienstag auf den Aschermittwoch stattfindet, ist beispielsweise einer dieser Anlässe.»

Wie hoch schätzt du die Wichtigkeit der GUSO für die Solothurner Fasnacht?

«Auch gegenüber den Narren und Närrinnen von Solothurn ist diese Vereinigung ein wichtiger Zweig. Die GUSO befindet sich durch den Ober der Guggen in der UNO, in welcher auch die Stammzünfte ihren Platz finden. Die GUSO ist das oberste Organ, welches die Guggen vertritt und hat somit auch einen Sitz im UNO Vorstand. Die UNO verbindet so die Guggen mit den anderen Vereinen und Zünften.

Die Aufgaben der UNO wiederum, welche für die Fasnacht in Solothurn ebenfalls sehr wichtig sind, beziehen sich auf das ganzheitliche, organisatorische. Wie beispielsweise die Umzüge am Sonntag und Dienstag, die Planung und Koordination des Plakettenverkaufes, die medizinische Versorgung, die Planung der Sicherheit, die Sicherstellung von Notfallplänen, sollte etwas schiefgehen, der Aufstellung von Ständen mit Verhandlungen der Firmen, bei denen sich die Narren Närrinnen verpflegen können und noch vielem mehr.»

Wie hoch schätzt du die Wichtigkeit der GUSO in Zusammenarbeit mit der Stadt Solothurn ein?

«Das ist eine gute Frage», antwortet Thomas lachend und nippt kurz an seinem frischeingeschenkten Becher Cola. «Die GUSO, wie aber auch die UNO, also die Guggen und die Zünfte in der Fasnacht vereint, spielen für die Stadt eine wichtige Rolle. Denn die Fasnacht gehört in Solothurn zum Kulturgut dazu. Dieses Kulturgut liegt im Interesse der Stadt, wie auch im Interesse des Kantons. Deshalb sind auswärtige Auftritte der Guggen ebenfalls sehr wichtig, um den Kanton zu vertreten und den Menschen in anderen Kantonen zu zeigen, dass in Solothurn viel läuft, was die Fasnacht anbelangt, auch wenn man das vielleicht beim Hörensagen nicht glauben mag, da Solothurn nicht unbedingt die grösste Stadt der Schweiz ist. Ein genaues Beispiel dafür wäre der Besuch der Weihere Schränzer und einer Fasnachtsdelegation von Chesslerinnen und Chesslern an der Olma in St.Gallen vor fünf Jahren oder die Teilnahme der Weihere Schränzer am Marché Conur in Saignelégier oder am Sächsilüte in Zürich.»

Wie kann man sich den Aufbau der GUSO vorstellen?

«Zurzeit finden bis zu 14 Guggen ihren Platz in der Vereinigung. Jede Gugge kann zwei Mitglieder ihres Vereins wählen, welche dann an den Delegiertenversammlungen zusammensitzen und die Guggen vertreten, ihre Anliegen, Vorschläge und Ideen präsentieren und sich so austauschen. Meine Aufgabe ist es dann wiederum, das Besprochene zusammenzufassen, nach Lösungen zu suchen und zu kooperieren. Diese Lösungsvorschläge präsentiere ich dann an der Hauptversammlung. So haben wir also eine Art «demokratisches Parlament» für die Fasnacht in Solothurn.»

Der Hauptsitz der beiden Fasnachtsvereinigungen befindet sich im Richteramt von Solothurn, wie mir Thomas erklärt. Gibt es also einen Rechtsstreit, finden sich der Kläger und die UNO, wie die GUSO in diesem Amt wieder. Daraus lässt sich schliessen, dass auch die Regionalpolitik von Solothurn stark mit der Fasnacht zusammenhängt. Auf die Frage hin, wo denn diese Sitzungen der Delegierten aus den verschiedenen Guggen stattfinden, wird mir von Thomas erläutert, dass dabei versucht wird, die verschiedenen Beizen und Restaurants ein wenig zu berücksichtigen. Sicherlich stellt das auch eine gewisse Herausforderung dar, die vielen Abgeordneten in eine Lokalität zu bringen. «Es ist tatsächlich eine Schwierigkeit, bei so vielen Mitgliedern», sagt er nachdenklich.

Die Umzüge am Fasnachtssontag und am Fasnachtsdienstag sind einer der «Hauptattraktionen» der Solothurner Fasnacht. Was muss alles im Vorfeld getan werden, um dem Publikum einen schönen Fasnachtsumzug bieten zu können?

«Die ganze Organisation ist für uns natürlich ein grosser Aufwand. Zuerst müssen die Zünfte angefragt werden, wie es mit den Sujets für die nächste Fasnacht aussieht. Dieser Prozess beginnt schon im August. Dann werden die Wagenbauchefs der Fasnachtszünfte eingeladen, um die Fahrzeuge zu überprüfen, mit denen sie die Fasnachtsumzüge bestreiten. Die MFK (Motorfahrzeugkontrolle) überprüft die Bremsen und kontrolliert, ob die Fahrzeuge sicher sind. Auch muss die Planung für die Sicherheit an den Umzügen gemacht werden, also Sicherheitsleute aufgestellt werden, die neben den grossen Wägen herlaufen und dazu schauen, dass keine Person in den toten Winkel gerät, welcher an den Umzügen wegen dem eingegrenzten Blickfeld grösser ist, als normalerweise auf der Strasse. Die Guggen werden auf ihre Spieltüchtigkeit geprüft, sowie ob Masken und Kostüme für die Fasnacht bereit sind.»

Gewissermassen profitiert ja die Gastronomie der Stadt vom grossen Andrang der Menschen zu dieser Zeit. Wie offen für die Solothurner Fasnacht sind die Gastronomiebetreiber?

«Es gibt die Gastronomiebetreiber, die sich innovativ zeigen und bei der ganzen Sache mitmachen, was uns natürlich sehr freut. Das merkt man auch daran, dass die Preise von diesen Restaurants nicht unendlich in die Höhe getrieben werden und auch ihre Fenster sinngemäss dekorieren. Das sind dann auch die Orte, an denen unter dieser Woche etwas läuft, etwas los ist. Die Restaurants, welche die Preise an der Fasnacht unnötig in die Höhe treiben und ihre Lokalitäten nicht fasnachtsgemäss dekorieren, schiessen sich damit selbst ins Knie, da die Fasnächtler gar nicht erst hineingehen.»

In der Fasnachtswoche wird in Solothurn am Abend viel «Gegässelt», auch da muss es eine gewisse Vorplanung geben. Wie sieht die in etwa aus?

«Kurz gesagt, gibt es für die einzelnen Abende keine Planung. Die Guggen besprechen meistens untereinander spontan, welcher Platz für wie lange und von wem besetzt ist. Die einzige Planung für die Abende, die wir in der GUSO haben, ist die des Fasnachtsfreitags. Für diesen für die Guggen etwas spezielleren Abend, gibt es ein Plakat mit festen Zeiten für die fünf grossen Guggen, die an diesem Freitagabend mitspielen. Dort wird festgelegt, wo und um welche Uhrzeit die Guggen spielen, um auch den Besuchern eine Übersicht zu bieten, wo gerade was stattfindet. Auch für die Abende vom Fasnachtssonntag und Fasnachtsdienstag gibt es einen kleinen Plan. Bei dem wird lange im Voraus abgesprochen, welche Guggen direkt nach dem Umzug weiterspielen. Da viele Guggen nach den Umzügen in die Restaurants verschieben, um zu Nacht zu essen, müssen wir gewährleisten, dass doch noch etwa fünf Guggen in den Gassen bleiben und weiterspielen, damit keine Pausen entstehen, in denen nichts läuft. Unter den Guggen wechseln wir immer ein wenig ab, um niemanden zu benachteiligen.»

Ein spezieller Abend findet auch am Fasnachtsmontag jeden Jahres statt, der «Drumgugulalapfiff». Dort treten alle Guggen, wie die Schnitzelbänke der Stadt auf und präsentieren ihre neuen Lieder, wie auch die Kostüme. Ein wichtiger Anlass, wie mir Thomas erklärt. «Wenn man es so betrachtet, organisiert die GUSO fast alle wichtigen Anlässe, wie eben der Freitagabend, das Stadttheaterprogramm am Sonntag und Dienstabend, die Monsterguggete, der «Drumguglalapfiff», der «Zapfenstreich» am Dienstag, sowie der «Zwöufichlapf». Also abegesehen von den grossen Fasnachtsumzügen, alles.»

Was findest du, ist das wichtigste der Solothurner Fasnacht?

«Ich finde, dass unsere Fasnacht sehr farbenfroh, innovativ und kreativ ist. Auch, dass wir unterschiedliche Gruppierungen innerhalb der Fasnachtsgesellschaft haben, deren Vereinsleben sich voneinander unglaublich unterscheidet. Dies macht, so glaube ich, unsere Fasnacht umso spannender und attraktiver. Wir haben kleinere Vereine, grössere Vereine, die unterschiedlichsten Musikstile der Guggen und all die Freiheiten. Auch die Fasnachtswagen der Zünfte sind Markenzeichen der Solothurner Fasnacht. Denn die gewaltigen Kunstgebilde, die die Zünftler kreieren, mit all den liebevollen Details, sind einfach von Jahr zu Jahr wieder faszinierend.»

Versuchend, nicht zu viel zu verraten, sagt Thomas, auf was sich die Besucher der Fasnacht dieses Jahr besonders freuen dürfen. Da Thomas auch an den Inspektionen bei den verschiedenen Vereinen teilnimmt, kann er sagen, dass die Wagenbauzünfte auch dieses Jahr wieder hammermässige Sujets vorbereiteten und tolle Wagen gebaut haben. Auch auf Guggenmusiken, die dieses Jahr ihr Jubiläum feiern, kann man sich freuen, wie beispielsweise die Weihere Schränzer.

Vielen Dank Thomas, für das interessante Interview.

Solothurn, unter dem Jahr eine eher ruhige und gemütliche Stadt. Eine niedrige Einwohnerzahl und wenig Nachtleben, aber in der Zeit der fünften Jahreszeit, der Fasnacht, steht die Barockstadt für eine Woche auf dem Kopf und wird für diese Zeit sogar in «Honolulu» umgetauft. Doch was hat es mit diesem Fest auf sich? Ist es wirklich ein Wintervertreiben oder nur ein «Sauffest», wie es das Klischee besagt?

Die Fasnacht, oder auch der Karneval, gibt es beinahe überall auf der Welt. Ursprünglich kam die Fasnacht im Mittelalter richtig auf und bedeutet das ausgelassene Feiern, bevor es in die Fastenzeit geht, die dann mit Ostern endet. Die Fastenzeit wurde früher strenger vollzogen. Der Konsum von Fleisch- und Milchprodukten war in den Fastenwochen lange Zeit verboten. Viele Leute ernährten sich deswegen in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern nur von Brot und Wasser. Heute verzichtet man vielleicht noch auf Schokolade, Alkohol oder dem Rauchen, wenn überhaupt. So liessen es sich die Menschen an der Fasnacht, an Karneval, noch einmal richtig gut gehen, assen Fleisch und tranken Bier und Wein.

Solothurn und die Fasnacht

Wir schreiben das Jahr 1470. Die Strassen der Altstadt von Solothurn überquellen beinahe von der fröhlichen Menge an Narren und Närrinnen. Nachweisbar feiern die Solothurner und Solothurnerinnen bereits seit dem 15. Jahrhundert Fasnacht, so steht es auch auf der offiziellen Seite der Solothurner Fasnacht. Schon bald wurden Umzüge veranstaltet, an denen Wagenbauzünfte, Tambouren und Guggenmusiken teilnahmen. Anfangs noch im kleineren Ausmass, besonders wegen der noch nicht fortgeschrittenen Technik oder der teureren Materialbeschaffung. Heute fahren die Wagenbauzunftmitglieder auf mit teils grossen LKW-Zugfahrzeugen beschmückten Wagen durch die schmalen Gassen der Stadt. Auch die Zahl der Mitglieder in den Guggenmusiken oder Tamburen steigt jährlich. Besonders die jüngere Generation beginnt sich wieder mehr für das Fasnachtstreiben zu interessieren.

«Honolulu», nicht Solothurn!

Ab dem 13. Januar jeden Jahres, dem sogenannten Hilari, steht in Solothurn die Welt komplett auf dem Kopf. Deshalb wird die Stadt auch nach der Hawaiianischen Hauptstadt Honolulu benannt, die sich angeblich direkt auf der anderen Seite der Erdkugel befinden soll. Nicht nur das, an diesem heissgeliebten Datum der Solothurner, findet auch die Proklamation statt. Kurz gesagt, bedeutet dies nichts anderes, als die Übernahme der Stadt durch die Narren und Närrinnen. Symbolisch wird dazu auch das Schild der Rathausgasse abgenommen und durch das der «Eselsgasse» ersetzt. Der Ober der Narrenzunft Honolulu veranstaltet dann einen Jahresrückblick in Versform, verkleidet als Hilarius Immergrün. Am Abend dieses 13. Januars findet dann auch immer ein Platzkonzert auf dem Amthausplatz mit verschiedenen Guggenmusiken statt.

 

Traditionell eröffnet am schmutzigen Donnerstag die Cheslette die hauptsächliche Fasnachtswoche. An diesem frühen Morgen, wird schon einmal richtig Lärm gemacht, um die alten Wintergeister zu vertreiben. Die Narren und Närrinnen erscheinen um fünf Uhr morgens im weissen «Chesslerhemmli» und einem Lärminstrument. Von diesem Tage an, ist die Stadt Solothurn bis zum Aschermittwoch jeden Tag von Guggenmusiken, Zünften, Schnitzelbanken und natürlich dem wichtigsten, dem Publikum, besetzt. Besonders hoch sind die Besucherzahlen an den Fasnachtsumzügen, am Fasnachtssonntag und Fasnachtsdienstag, an denen jeweils am Publikum die neuen Mottos und Kostüme der Wagenbauzünfte und der Guggenmusiken präsentiert werden. Auch der Tambourenverein läuft an diesen Umzügen mit und zwar an vorderster Front.

 

Die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn «UNO»

Auch wenn man es so glauben mag, eine Fasnacht ist nicht einfach so dahingestellt. Hinter dem jährlichen Anlass steckt jahrelange Planung. Viele wichtige Pläne müssen aufgestellt und abgesprochen werden. Wer darf an den Fasnachtsumzügen teilnehmen? Welche Guggenmusik kann wann und an welchem Ort in der Stadt auftreten? Welche Guggenmusik darf überhaupt nachts in den Gassen spielen? Wo darf was verkauft werden? Das alles sind Fragen, die innerhalb der «UNO» oder der «GUSO» (Vereinigung der Guggemusiken Solothurn) abgeklärt werden müssen. Auch andere Organisationseinheiten, wie die Organisierung des «Hilarimorgens», der Plakettenbörse, der Bewertung der fastnächtlichen Schaufensterdekorationen, der «Böögverbrönne» oder des «Zapfenstreiches» werden unter den Vereinigungen geregelt. Nach dem Solothurner Fasnachtsbuch, wurde die «UNO» im Jahre 1938 gegründet und offiziell nach der richtigen UNO benannt, wurde sie im Jahre 1947.

 

Wie es so bei vielen Fasnachten in der Schweiz der Fall ist, wird auch in Solothurn jedes Jahr ein neues Motto und eine neue Plakette gewählt. In diesem Jahr ist es «Rund um». Das Motto wird von der «UNO» ausgewählt.

 

Der Kampf gegen das Klischee

Da die Menschen im früheren Mittelalter teilweise auch gezwungen waren, zwischen der Fasnacht und Ostern auf Köstlichkeiten, Fleisch und Alkohol zu verzichten, wurde damals auch mehr gefeiert, besonders getrunken. Klar, die Fasnacht ist auch heute einerseits zum Feiern da. Anders als früher aber, ist die Fasnacht, oder als Beispiel gerade besonders die Solothurner Fasnacht, für die aktiven Teilnehmer ein Hobby, mit welchem sie sich auch bereits im Sommer auseinandersetzen dürfen oder müssen. Die Mitglieder der Musikgruppierungen beginnen bereits ein halbes Jahr vorher mit unter anderem dem Einstudieren der Stücke und dem Vorbereiten der Kostüme, Masken, etc. Auch an Auftritten unter dem Jahr fehlt es bei den Vereinen nicht, wie auch die verschiedenen Wettkämpfe, an denen gerade der Solothurner Tambourenverein viel teilnimmt. Auch die Wagenbauzünfte beschäftigen sich bereits sehr früh mit ihren Vorbereitungen. Zwischen Sommer und Herbst steht da das Motto und den Zunftmitgliedern ist bereits bewusst, wie sie ihren Wagen gestalten wollen.

 

Auch die intensive Fasnachtswoche bedeutet für die aktiven Mitglieder nicht nur feiern. Die Mitglieder der Musikgruppierungen spielen bis spät in die Nacht in der Stadt, wobei ein klarer Kopf immer gefragt ist. Die Zünftler müssen letzte Vorkehrungen für Ihren grossen Auftritt an den Umzügen treffen, den Wagen von der Wagenbauhalle in die Stadt lotsen, meist von weiter her, und dann irgendwie auch zurück. Das Ziel der Solothurner Fasnächtler ist also hauptsächlich, dass das kostümierte und feierfreudige Publikum zufrieden ist und eine schöne Stimmung in der Barockstadt herrscht. Auch wenn man dies glauben mag; die aktive Teilnahme an der Fasnacht ist nicht immer nur ein Zuckerschlecken, es ist auch anstrengend.

 

Doch wo kann man sich denn jetzt auf die Fasnacht einstimmen?

Die Fasnacht beginnt wie jedes Jahr pünktlichen diesen Samstag mit der grosszelebrierten Proklamation. Dieses Jahr gibt es sogar noch etwas Spezielleres an diesem Tag. Da die Guggenmusik Weihere Schränzer Riedholz in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum feiert, verschiebt die Guggenmusik ihr traditionelles Hilarifest, welches früher in Reidholz stattfand, direkt in die Stadt Solothurn. So wird auch das jährliche Platzkonzert vom Hilari an den Ort des Festes verlegt, nämlich die Rythalle in Solothurn. Das Fest ist von 19:00 bis ca. um 02:00 im Gange und kostet nur einen Fünfliber.

Wer sich sonst noch für die Solothurner Fasnacht interessiert, kann gerne einmal an den Tagen vom 08.02.-14.02.2018 in Solothurn vorbeischauen. Mehr Infos gibt es unter: www.fasnacht-solothurn.ch/

Der 22-jährige Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaftenstudent Alexander Stingelin erzählt über seine Erfahrungen als aktiver Sänger und Vizepräsident bei den Solothurner Singknaben. Seit 2003 ist er im Konzertchor tätig. In diesem Interview spreche ich mit ihm über die Rolle der Singknaben in Solothurn, die Vielfältigkeit des Chors und weitere Themen.

«Seit März 2015 bin ich Vizepräsident bei den Singknaben», erzählt mir Alexander gut überlegend. Vorher war er bereits lange im Vorstand und für die Logistik zuständig. Als dann der damalige Vizepräsident beschloss, sein Amt abzugeben und die Diskussion aufkam, das Amt des Vizepräsidenten extern zu vergeben, wurde ihm klar, dass diese Aufgabe eigentlich jemandem aus dem Chor selber übertragen werden sollte. Nourdin Khamsi, ein guter Freund von Alexander, der ebenfalls schon bei den Singknaben dabei war, beschloss dann das Amt des Präsidenten zu übernehmen, wollte die Verantwortung aber nicht alleine tragen. «So kam alles zusammen und ich war Vizepräsident», sagt er kurz und knapp.

 

Eine grosse Menge von Aufgaben

«Es ist schwierig, für mich selber festzulegen, was meine liebste Aufgabe als Vizepräsident bei den Singknaben ist. Schlussendlich gibt es so viel zu tun, aber besonders designtechnisches, also beispielsweise das Erstellen der Programmhefter für das Weihnachtsoratorium oder auch spezielle Anfragen von Konzertorganisatoren zu beantworten, die gerade reinkommen, das finde ich sehr interessant. Reisen zu organisieren und die Kommunikation, wie schon erwähnt, bei Anfragen, gehören auch zu meinen Lieblingsaufgaben. Das Anstrengendste von allem aber, ist der Weg und das Pendeln. Seitdem ich im Studium bin, wohne ich in Luzern. So muss ich besonders in der strengen Adventszeit mit dem ÖV hin und her fahren und versuchen, irgendwie alles unter ein Dach zu bringen. Beispielsweise, wenn wieder eine Sitzung stattfindet. Auch wenn etwas nicht klappt, weil wir mal eine Arbeit unterschätzen, kann es manchmal auch anstrengend sein oder nerven, aber das ist ja normal und kommt halt in jedem Verein vor.»

 

Der starke, notwendige Zusammenhalt

«Das Schönste für mich im Verein ist neben dem Musikalischen, auch der starke Zusammenhalt, den wir untereinander haben, was ja auch bereits im vorherigen Artikel über uns Singknaben zu lesen war. Was die Männerstimmen, aber natürlich auch die Knabenstimmen, in letzter Zeit leisten, das ist wirklich der Wahnsinn. Meiner Meinung nach ist dieser starke Zusammenhalt auch absolut notwendig, da es besonders von den Älteren eine Menge Einsatz braucht, was die Organisation und die Planung betrifft. Das spricht sich selbstverständlich auch herum und dieser Kern des Zusammenhalts unter den Männerstimmen, wirkt sich auch bei den Knabenstimmen positiv aus und schwappt auch auf die Beziehung zwischen uns und den Eltern der einzelnen Mitglieder über. Alles in allem finde ich, wir haben momentan einen sehr guten Drive drin, besser könnte es fast nicht mehr sein.»

«Zusammen an Weihnachten ein Raclette essen, die Veranstaltung eines Chlausenhöcks, sowie unsere jährlichen Lager im Frühling und im Sommer, dieses ist dann eher für den Nachwuchs bestimmt, all das gehört bei uns Singknaben dazu. Auch Auswärtskonzerte, wie letzten Sonntag in Genf, die eher selten stattfinden aber uns trotzdem viel Spass machen, sowie Musikchorfestivals, wie das EJCF (Europäisches Jugendchorfestival) letztes Jahr in Basel, gehören dazu. Das Pflegen unserer internen Beziehungen ist uns auch fernab vom Singen wichtig, wie beispielsweise ab und zu miteinander mal etwas trinken zu gehen.»

 

Europaweite Zusammentreffen

Wie Alexander erklärt, besteht bei so einem EJCF oder anderen Anlässen, an denen die Singknaben bereits mit von der Partie waren, eine etwas andere Art von Zusammentreffen. «Grundsätzlich finde ich, gibt es grob gesagt kein Konkurrenzdenken bei solchen Festivals. Hin und wieder aber kommt es schon vor, dass von Mitgliedern aus anderen Chören merkwürdige Kommentare kommen. Das sind meist die, die sich an etwas hinaufziehen wollen und kommt nur ganz selten vor. Die meiste Zeit über haben wir es gut mit den anderen Chören und lernen neue Leute kennen, ältere, wie auch jüngere, was ja auch unser Schwerpunkt ist.»

Als anderes Beispiel zählt Alexander auch das Zusammentreffen eines schwedischen Chors aus Uppsala im letzten Sommer auf, was in seinen Augen auch eines der Highlights in diesem Jahr war, neben dem Mozartrequiem oder dem SKJF (Schweizer Kinder- und Jugendchor Festival). Im Gegenzug zum Besuch der Singknaben in Uppsala im Jahre 2013, besuchte der schwedische Chor die Knaben und Männer in ihrer Heimatstadt. «Das war einfach nur super. Wir haben sehr viele Leute über dieses Wochenende kennengelernt, sangen zusammen und zeigten ihnen die Stadt», erzählt Alexander, während er sich mit einem Lächeln zurückerinnert.

 

Die «spezielle» Stellung der Singknaben

Auf die Frage hin, wie die Beziehung der Singknaben zu den einzelnen Institutionen aussieht, antwortet mir Alexander: «Die Singknaben sind in Solothurn sehr verwurzelt. Aus diesem Grund haben wir Singknaben auch eine sehr spezielle und schon fast einzigartige Stellung zwischen der Kirche, der Stadt und ihrer Politik. Man kennt uns in allen gesellschaftlichen Bereichen, das ist auf der einen Seite eine extrem grosse Chance, kann aber auf der anderen Seite seine Tücken haben, dass wir uns nicht bei irgendetwas verrennen. Ich finde es deshalb sehr wichtig, dass man in diesem Punkt aktiv bleibt, sich immer wieder ein wenig neu definiert und mit der Zeit geht. Zu diesen Punkten will ich gerne etwas beitragen.»

 

«Wir haben einen sehr guten Draht zur Kirche»

Weiter frage ich ihn, wie es um den Ruf der Singknaben steht. Darauf antwortet Alexander: «Seitdem ich im Präsidium bin, haben wir einen wahnsinnig tollen Draht zur Kirche, zur Kirchgemeinde und zum neuen Pfarrer Thomas Ruckstuhl. In den letzten Jahren haben wirklich gewaltige Annährungen zwischen uns und der römisch-katholischen Kirche stattgefunden und die Leute sind auf uns zugekommen, um uns besser kennenzulernen. Wir spüren auch, dass die Leute aus der Kirchgemeinde Freude an uns haben, da es nicht selbstverständlich ist, einen solch guten Chor zu haben. Von der politischen Seite her, haben wir diesen Herbst den Preis für Musik des Regierungsrates gewonnen, was hierzulande ja die höchste Anerkennung ist, die man vom Kanton bekommen kann. Dies ist für mich auch ein Indiz dafür, dass wir einen guten Ruf haben.»

Vielen Dank Alexander, für das interessante Interview.

Das Weihnachtsoratorium der Singknaben der St. Ursenkathedrale ist Tradition in der Stadt Solothurn. Das Konzert füllte in den letzten Jahren die gesamte Jesuitenkirche in der Solothurner Altstadt und war für die Singknaben ein grosser Erfolg. Wie ist die Stimmung innerhalb des Vereins, wenn es um das immer näher rückende Konzert geht? Ein Interview mit fünf aktiven, leidenschaftlichen Sängern.

«Jauchzet, frohlocket!» lautet der Eröffnungschor im diesjährigen Repertoire des Weihnachtsoratoriums der Singknaben der St. Ursenkathedrale. Besonders das für Solothurn traditionelle Oratorium von Bach und andere Motetten von klassischen Komponisten erwarten die Besucher dieses Wochenende in der Jesuitenkirche in der Solothurner Altstadt. Dieses Jahr dürfen die Singknaben das Weihnachtsoratorium sogar gleich dreimal bestreiten.

«Es macht mich jedes Mal wieder stolz, mit dabei sein zu dürfen», erzählt der 17-jährige Valentin Sollberger strahlend. Die Vorfreude ist bei ihm sehr gut zu spüren. Seit zehn Jahren ist Valentin im Chor mit dabei. Er selbst ist bei den Männerstimmen des Chors tätig. Der Unterschied zu den Knabenstimmen stellt die Tonhöhe dar, wie er mir erklärt. Die noch etwas jüngeren Singknaben singen zum Teil in der Sopranstimme, welche die höchste unter den Stimmen ist, im Vergleich zur Tenor- und Bassstimme. Trotz dieses Unterschieds ist der Zusammenhalt im Verein besonders in der stressigen Phase des Advents etwas vom wichtigsten, was die Singknaben auszeichnet.

 

Ein Zusammenhalt, der sich über Generationen hinzieht

«Der Zusammenhalt bei uns Singknaben ist eigentlich über das ganze Jahr über enorm gross. Schon als ich frisch dazu kam und bei den Knabenstimmen war, hielten wir stark zusammen und jetzt natürlich noch mehr, da wir sozusagen miteinander im Verein aufgewachsen sind», erklärt mir Valentin. Auch die 19-jährigen Sänger der Männerstimmen Elia Catena, Daniel Kern und ein weiterer Singknabe, bestätigen dieses Gefühl des Zusammenhalts. «Es muss sehr viel getan werden, gerade wenn es um die Organisation geht. Die logistische Organisationsplanung übernimmt Joel Arni, ein weiterer Singknabe der Männerstimmen. Alle Mitglieder des Männerchors erhalten einen Einsatzplan mit Informationen darüber, wer was und wann zu erledigen hat. So muss man also auch auf jeden zählen können und darauf vertrauen, dass jeder mitanpackt, was in den letzten Jahren auch sehr gut funktioniert hat. Somit ist der Zusammenhalt untereinander, sowie das gegenseitige Vertrauen enorm wichtig», erklärt mir Elia.

«Hinzu kommt, dass wir Männerstimmen eine Art Vorbildsposition gegenüber den Jüngeren haben. Wir organisieren und leiten die Lager und Reisen, die wir jedes Jahr machen. Dies stärkt den Zusammenhalt zwischen uns Männerstimmen, aber auch den Zusammenhalt zwischen uns Männerstimmen und den jüngeren Mitgliedern», erzählt Valentin weiter.

 

Vorfreude auf die bevorstehenden Konzerte

«Generell ist die Stimmung von allen Mitgliedern, durch das Band, hoch, was dann mit Hinblick auf die bevorstehenden Konzerte auch noch einmal verstärkt wird. Der Wille, seine Familie, wie seine Freunde stolz zu machen, gibt einem zudem ein wenig den Drang, am Weihnachtsoratorium schön zu singen. Es ist aber noch immer kein Müssen, sondern ein Wollen», so Daniel. Für Valentins Bruder Benjamin Sollberger, ist die Freude bei den Männerstimmen erst am Tag des Konzertes selber richtig spürbar. «Besonders wenn wir «Grossen» die Knaben ein wenig «anstacheln» und sie fragen, ob sie bereit und nervös sind, kommt in mir automatisch die Vorfreude auf», so Benjamin. Auch er ist bereits zehn Jahre dabei. «Besonders das Singen in der Weihnachtszeit, mit diesem grossen Konzert, ist für mich Jahr für Jahr ein super Erlebnis. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man in der wunderschönen Kirche singen darf bei einem solch grossen Publikum. Es ist auch ein Gefühl, das man beim ersten Mal hat und dann Jahr für Jahr, immer wieder», erklärt mir ein weiterer Singknabe.

«Wie in einem Rausch» oder «Einfach unbeschreiblich», betiteln schlussendlich die interviewten Singknaben das Gefühl während des Singens.

 

Singen mit Leidenschaft

Auf die Frage, ob man denn in dieser strengen Zeit nicht mal die Lust verliert, schildert mir ein Singknabe schlicht: «Von uns hat bestimmt jeder schon einmal das Gefühl gehabt, aufhören zu wollen, weil es eine grosse Menge an Zeit beansprucht. Als ich mit dem Basketballspielen begann und gleichzeitig den Probeplan für das Singen einhalten musste, ging es mir beispielsweise so. Für mich wurde dann aber klar, dass ich meine Priorität komplett auf die Singknaben fixieren möchte, denn sobald ich wieder in einer Probe war, habe ich gar nicht mehr darüber nachgedacht, mit diesem Hobby aufzuhören. Nicht nur die Musik spielt bei diesem Hobby für mich eine Rolle, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die wir unserem Verein nach und nach aufbauen.» Auch Daniel bestätigt, dass diese Momente in der Gemeinschaft zusammen innerhalb des Chors, bei den Singknaben eine zentrale Rolle spielt. «Es entstehen unvergessliche Momente, die einem menschlich so viel bringen», sagt er.

Benjamin ist sehr stolz drauf, Singknabe zu sein. Als schönsten Moment definiert er den Moment, wenn er kurz vor dem Konzert die Kirche betritt, das Orchester bereits die Instrumente einstimmt und die Bänke voll sind mit Menschen, die mit gespannten Gesichtern auf das Konzert warten.

 

Wo ist denn nun der Chor zu hören?

Das erste Konzert vom Weihnachtsoratorium in diesem Jahr, findet diesen Freitag, dem 15. Dezember in der Jesuitenkirche von 19:00 bis 21:00 statt. Auch am darauffolgenden Samstag um dieselbe Uhrzeit, am selben Ort, beglücken die Singknaben die Besucher mit ihren weihnachtlichen Liedern und Klängen. Das jährliche Weihnachtssingen des Chors findet am Samstag, dem 23. Dezember in der St. Marien Kirche statt, von 19:00 bis 21:00 Uhr.