Tag

Politik

Browsing

Begonnen hat die Geschichte des Kommunismus mit den Worten eines Philosophen – geendet mit dem Fall einer Mauer, die mehrere Jahrzehnte lang Menschen voneinander trennte und eingesperrt hielt. Noch immer trägt die Welt Narben aus einer Zeit mit sich, in der die Hoffnung auf Veränderung mit grauenhafter Tyrannei niedergemacht wurde. Doch was verhalf der roten Revolution zu einem derartigen Aufschwung und wer ist für den Fall eines einst hoffnungstragenden Gedankengutes verantwortlich? Welche Spuren haben die grossen Veränderungen des 20. Jahrhunderts hinterlassen? Eine Analyse.

Es war die Geburtsstunde einer neuen politischen Ideologie, als Karl Marx im Jahre 1848 sein Werk «Das Manifest der kommunistischen Partei» in Zusammenarbeit mit Friedrich Engels veröffentlichte. Dass dieses Werk zu einem Blutvergiessen führen würde, auf welches eine jahrzehntelang existierende, totalitäre Schreckensdiktatur folgte, hatten die Philosophen zu dieser Zeit noch nicht erahnt. Zusammen mit Friedrich Engels gilt Marx bis heute als Begründer einer Ideologie, die zu Zeiten der «dunklen» Industrialisierung als Befreiung und Weg zur Loslösung vom Kapitalismus gesehen wurde. Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter hofften auf eine Veränderung ihrer politischen und gesellschaftlichen Lage. Die industrielle Revolution brachte in den europäischen Städten eine Bevölkerungsexplosion mit sich, da vor allem in Fabriken neue Stellen geschaffen wurden. Fabriken, in denen Arbeiter*innen 14 Stunden pro Tag Arbeit leisteten und nach Erih.de in Arbeiterkasernen in den industriellen Gebieten untergebracht wurden, wo sie unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt waren – darunter auch Kinder.

 

Am Anfang war das Wort

Der deutsche Philosoph Karl Marx begab sich im Jahre 1849 ins Londoner Exil und kehrte nie mehr in seine alte Heimat zurück. Als linker Oppositioneller galt er in den Augen der deutschen Geheimpolizei im damaligen Kaiserreich als Unruhestifter. Sein Werk «Das Manifest der kommunistischen Partei» wurde unvorhersehbar von der Realität eingeholt. 1848 brach in Deutschland die Revolution aus, in der die Aufständischen nach Geschichte kompakt vor allem für die Liberalisierung und die Schaffung eines einheitlichen und zusammenhängenden, deutschen Staates kämpften. Nichtsdestotrotz waren Marx und Engels zur richten Zeit am richtigen Ort. Denn gerade in Europa besass laut Geolino nur eine kleine Oberschicht, einschliesslich der Fabrikbesitzer, beinahe alles, während die Arbeiterschicht weder Rechte innehatte noch anständigen Lohn für ihre harte Arbeit erhielt.

 

Von der Monarchie mittenhinein ins Chaos

Auch wenn die utopische Idee der Philosophen in Grossbritannien bei der britischen Arbeiterschaft grossen Anklang fand, brach die hervorgesehnte Revolution fünf Jahrzehnte später mehrere Kilometer weiter östlich aus. Im damaligen Zarenreich Russland herrschte nach der Landeszentale für politische Bildung Bade-Württemberg eine noch schlechtere Versorgung der Bevölkerung als im restlichen Europa. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Arbeiter- und Bauernschicht betrug um die 40 Jahre während Grossgrundbesitzer und die Zarenfamilie in Saus und Braus lebten. Währenddessen tobte auf dem Kontinent der erste Weltkrieg, der vielen Russinnen und Russen das Leben kostete. In den Grossstädten stieg der Unmut der Bevölkerung, Arbeiter*innen gingen auf die Strasse und protestierten gegen die Regierung des Reiches. Reaktionsgemäss schickte der Zar Truppen in die Städte, um die Proteste im Keim zu ersticken. Doch die aufgebotenen Soldaten weigerten sich auf die Menschen zu schiessen und stellten sich gegen die Regierung in der protestierenden Menge auf. Nach weiteren Protesten und des Scheiterns einer Doppelregierung, die aus dem Zaren und einem Arbeiterrat bestand, kam es im Oktober 1917 in Russland zur Revolution – ihr Anführer: Wladimir Iljitsch Lenin.

 

Lenins Machtgier als Grundstein für Stalins Terror

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Leo Trotzki und Iosseb Dschughaschwili (später bekannt als Joseph Stalin) fühlte sich Lenin dazu verpflichtet, die Worte von Karl Marx und Friedrich Engels in die Tat umzusetzen. Die Revolution von 1917 endete mit einem Bürgerkrieg im Riesenreich, der dazu führte, dass die Bolschewiki (eine Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands) die Macht im Land übernahmen und die Sowjetunion gründeten. Im Zuge der radikalen Einführung des Kommunismus und der Leitidee, alle Menschen in der Sowjetunion gleichzustellen, führte die neue, kommunistische Regierung Zwangsdeportationen in Straflager, sogenannt «Gulags», ein. Laut Planet Wissen dienten diese dazu, Klassenfeinde der Revolution zu isolieren. Nicht nur Befürworter der Monarchie wurden in diesen inhaftiert. Auch ehemalige Mitglieder der sozialistischen Partei, die sich für eine Kooperation mit den alten Machthabern aussprachen, wurden durch die Lager ruhiggestellt. Mit Lenins Tod im Jahre 1924 und der Machtübernahme durch Joseph Stalin war nicht nur die Euphorie über die radikale Veränderung in Russland vorbei, auch das Ende einer hoffnungstragenden Politik wurde eingeläutet.

Bildquelle: Pixabay
Eine Statue des russischen Revolutionsführers Lenin

Der sozialistische Staat im Kampf mit sich selbst

Die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit und die Überwachung der Bevölkerung durch den sowjetischen Geheimdienst KGB verwandelten das Leben der einfachen Bevölkerung Russlands in einen ständigen Angstzustand. Frühere Führer der kommunistischen Revolution, so auch Leo Trotzki, der nach Stalins Machtübernahme nach Mexiko ins Exil floh, wurden mit Auftrag der Regierung ermordet. Die Welle der Revolution trieb über die Landesgrenzen der Sowjetunion hinaus, schwabte auf China, Korea, Vietnam, Kuba und Osteuropa über und führte zu blutigen Revolutionen und Kriegen, bis sie die Welt schliesslich in zwei Lager spaltete, die durch eine Mauer voneinander getrennt wurden. Nach Jahrzehnten der nuklearen Aufrüstung, dem Wettlauf zum Mond, der Trennung von West- und Ostdeutschland, löste der Regierungschef Michail Gorbatschow die Sowjetunion im Jahre 1991 auf und beendete somit den Kommunismus in groben Zügen in Osteuropa.

 

Narben eines Jahrhunderts

Bis heute existieren Staaten, die einen totalitären Kommunismus ausleben. Neben der Volksrepublik China ist Nordkorea für seine brutalen Massenlager und ständigen Androhungen eines nuklearen Militärschlags gegen die USA besonders bekannt. Aber auch Europa hat Narben des Kommunismus davongetragen. Die linksextremistische Terrorgruppierung «Rote Armee Fraktion» (RAF) verübte 1993 ihren letzten Anschlag, fünf Jahre später löste sie sich auf. Die in Deutschland aktiv gewesene RAF war für insgesamt 34 Morde verantwortlich und trug dazu bei, dass die Behörden die sogenannte «Rasterfahndung» entwickelten.

An den diesjährigen Nationalratswahlen sind nicht nur Politiker*innen der bekannten Parteien vertreten. Die erst im Jahre 2018 gegründete Schweizerische Hanfpartei mischt mit dem 38-jährigen Dario Tobler um die Sitze im Parlament mit. Seine Hauptanliegen: Die Legalisierung von Cannabis und das Image der Hanfpflanze in der Schweiz aufzubessern. Welchen Stellenwert der Hanf in Darios Leben hat und wie seine politischen Ziele aussehen – alles in der vierten Ausgabe von #porträtiert.

Mit etwas zerzausten, blonden Haaren und vom Tag gezeichnetem Gesicht, sitzt Dario Tobler vor mir und gestikuliert wild, wenn er begeistert mit Fachwissen um sich schlägt. Dabei überrascht mich, wie offen er über die Debatte um die «Hanffrage» zu erzählen vermag – und das in einer öffentlichen Bar an der Solothurner Aare. Als Präsident der neuen Schweizerischen Hanfpartei (SHP) tritt er für die Nationalratswahlen am 20. Oktober an. Aufgrund der zu früh eingetretenen Ernte, habe Dario einen anstrengenden Tag hinter sich. Doch er nimmt solche Situationen mit Humor. «Heute war ein bisschen alles drunter und drüber», sagt er lachend, während er sich eine Zigarette dreht. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Jan Hug, vertreibt Dario legale CBD-Hanfprodukte über ihre Firma «Zitronic Systems». Cannabidiol (CBD) wirkt sich laut Watson.ch nur auf den Körper aus und ruft keine Rauschwirkung hervor, anders als das Tetrahydrocannabinol (THC). In der Schweiz ist CBD seit dem Jahre 2016 legal, da es nur zwischen 0.3 und 0.7 Prozent restliches THC aufweist.

Bildquelle: Dario Tobler
Dario Tobler mit einer CBD-Hanfpflanze

«Cannabis war für mich das normalste der Welt»

Ursprünglich erlernte Dario eine Lebensmittelausbildung als Bäcker und Konditor, liess sich dann zum Confiseur und später zum Lebensmitteltechnologen in der Schokoladenindustrie weiterbilden. Schon immer habe er sich für die Produktion von Lebensmitteln und den Vertrieb der Ware interessiert. «Neben meinem Berufsleben habe ich mich im Militär bis zum Grad des Oberleutnants durchgeschlagen, dies nicht immer freiwillig», erklärt Dario. Schon von klein auf Kontakt mit der Hanfpflanze. «In unserer Familie gehörte der Hanf praktisch zum Alltag», erläutert er. Er sei mit der Pflanze aufgewachsen, da Leute aus seiner Familie in der Hanfproduktion tätig waren. Darios Onkel habe sich intensiv mit dem Anbau, der Zusammensetzung und dem Vertrieb von Hanfprodukten auseinandergesetzt und den damals Lernenden nach Feierabend in die Gärtnerei mitgenommen, um ihm schon früh Wissen über den Hanf beizubringen. Als Dario zum ersten Mal Hanf in seinen Händen hielt, habe er noch nicht gewusst, dass die Blüten der Pflanze als auch Droge verwendet werden konnten. Umso schockierter war Dario, als er später in der Schule mehr über das Rauschgift THC aufgeklärt wurde. «Beinahe alle in meiner Familie haben bis dahin Cannabis konsumiert, das war für mich das normalste der Welt.»

 

Eine Berg und Talfahrt

Im Zeitraum von 2007 und 2008 hat Dario begonnen, parallel zu seinem Berufsleben eine eigene Hanfproduktion aufzubauen, damals alles auf illegaler Basis, da der Verkauf von THC-haltigem Hanf, sowie auch von CBD, in der Schweiz verboten war. Der Weg zum eigenen Geschäft war im Untergrund alles andere als einfach. «Wir hatten zwei grosse Razzien. Nach der zweiten wurde ich vor ein Ultimatum gestellt. Der Anwalt hatte mir im Wiederholungsfall mit einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Jahren auf Bewährung gedroht. Dabei hat mir natürlich geholfen, dass ich die Offiziersschule besucht habe, mehrere Berufsausbildungen erfolgreich bestanden hatte und auch nicht der klischeehaften, «verhängten» Kiffersorte angehörte», schildert Dario. Da er zu dieser Zeit bereits verheiratet war und sein zweites Kind bald zur Welt kam, entschied er sich vorübergehend aus der Szene zurückzuziehen und wieder in sein altes Berufsfeld, der Schokoladenindustrie, einzusteigen.

 

Vom illegalen zum legalen Markt

Da sich aber Dario als Anbauer und Vermarkter in der Szene bereits einen Namen gemacht hatte, kam er schnell wieder mit dem Hanf in Kontakt. «Ein bekannter nahm mit uns Kontakt auf und sagte, er habe etwas Neues, genetisches und bräuchte jemanden, der die Pflanze anbaue, um später Öl daraus zu gewinnen. Dabei handelte es sich um die ersten CBD-Versuche. Vorerst hielten wir nichts von diesem «Blüemli-Hanf» ohne THC-Wirkstoff.» Dennoch hat Dario mit seinem damaligen Partner das Projekt angenommen und sich intensiv mit dem CBD-Hanf auseinandergesetzt. Schnell war Dario von der neuen Idee überzeugt, schmiss seinen Job hin und begann mit seinen Partnern ein Jahr lang durch zu produzieren – doch dann kam der Rückschlag.

 

«So sassen wir auf 600kg Heu und konnten nichts damit anfangen.»

 

«Insgesamt haben wir ungefähr 600kg CBD-Hanf produziert. Dann hat sich herausgestellt, dass unser Abnehmer nicht zahlungsfähig war. So sassen wir auf 600kg Heu und konnten nichts damit anfangen», sagt er über seine damalige überehrgeizige Naivität lachend. Daraufhin musste die Newcomer-Firma den Betrieb herunterfahren und Angestellte entlassen. «Doch nach dem wir die Zusicherung bekommen haben, dass wir die Ware auf dem legalen Markt vertreiben dürfen, hat das Ganze eingeschlagen wie eine Bombe», erinnert sich Dario zurück. Die 600kg CBD habe die Firma innerhalb von vier Monaten verkauft. Der Boom des neuen Geschäfts ist nicht zuletzt auch den Medien zu verdanken. Der «Blick» habe in einem Artikel auf ihren Webshop verwiesen, daraufhin befanden sich bis zu ca. zwei Millionen Kunden auf der Website der Firma.

 

Schwarzmarkt ist nicht gleich Schwarzmarkt

Dass in der Zeit, in der Dario und sein Team noch im Untergrund und auf dem Schwarzmarkt gearbeitet haben, nicht immer alles mit rechten Dingen zu und her ging, verheimlicht er nicht. Dennoch versuchte er immer auf der seriösen Schiene zu bleiben. Begonnen habe er mit der Aufzucht von Stecklingen, was einen grossen Unterschied zu den Leuten darstelle, welche auf der offenen Strasse ihre Ware verkaufen. «Ich habe schon zu Beeginn mit seriösen Leuten zusammengearbeitet, 300 Pflanzen pro Lieferung waren dabei die untere Grenze.» Dazu betont Dario, dass er ein Überzeugungstäter sei. «Für mich gehörte der Hanf seit meiner Kindheit zu meinem Leben, so fühlte ich mich nie wirklich wie ein Krimineller.»

 

Vom illegalen Anbau in die Politik

Für Dario ist die Rechtslage das Problem. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht und sei deswegen am Anfang der ersten Firmenversuche in die Illegalität gedrängt worden. Die Hanfpflanze sieht er als Lösung für viele gesundheitliche Probleme der Menschen. «Im Kampf gegen den Krebs würde der Hanf den Patienten zumindest das Leben erträglicher machen und die Schmerzen lindern», findet Dario. Er sieht das Verbot von Cannabis besonders in der Medizin als «staatlich organisiertes Unterlassen von Hilfeleistungen». Dadurch entschied er sich, die SHP zu gründen und in die Politik zu gehen.

 

«Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich auch bereit 24 Stunden dafür Gas zu geben.»

 

«Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich auch bereit 24 Stunden dafür Gas zu geben», sagt er selbstbewusst. Die Politik interessiere ihn schon seit seiner Schulzeit, so konnte er zwei Leidenschaften miteinander verbinden. Er betont, dass er den Konsum von Cannabis durch minderjährige als problematisch betrachtet. «Ich selbst war 16 als ich den ersten Joint in den Händen hielt. Trotzdem hatte ich nie grosse Probleme mit meinem Konsum, auch nicht in meiner Lehre, als ich als Bäcker um drei Uhr morgens aufstehen musste. Wichtig ist zu sagen, dass das nicht auf alle Menschen zutrifft. Ich war mir über die Risiken bewusst und hatte schon früh ein breites Knowhow über die Pflanze», rechtfertigt Dario seine Aussage. Suchtschweiz.ch berichtet, dass früher Konsum von Cannabis die persönliche Entwicklung eines Menschen stark beeinträchtigen kann. Dario will den Konsum von Cannabis nicht verharmlosen. «Es ist nun mal ein Rauschmittel, welches in höheren Dosierungen die Wahrnehmung stark verändern kann», ergänzt er seine Aussage.

 

Die Pharmaindustrie als Hauptproblem?

Die Erklärung zum schlechten Ruf des Hanfs sieht Dario in der Pharmaindustrie. «Wenn man sich das BIP der Schweiz der letzten 20 Jahre anschaut und sieht, welche Summen die Pharmaindustrie dazu beisteuert, wird einem klar, wie viel Geld wirklich dahintersteckt.» Nach der offiziellen Seite des Bundes sind Pharmaprodukte die wichtigste Einnahmequelle im Export der Schweiz. Jährlich werden Produkte im Wert von 85 Milliarden Franken ins Ausland verkauft. «Es gibt auch Nationalräte und übrige Politiker*innen, die lukrative Verwaltungsratsmandate bei beispielsweise der Novartis haben und versuchen, das Teufelsbild des Hanfs dauerhaft zu fördern.» In erster Linie soll Hanf besonders für diejenigen Menschen freigegeben werden, die an schweren Krankheiten wie Krebs, ALS oder Tourette leiden, so Dario.

Bildquelle: Dario Tobler
Gärtnerei der Firma Zitronics Systems

«Wenn ihr nicht über den Hanf reden wollt, dann machen wir es eben.»

Dario wünscht sich in Zukunft eine sachbezogene Diskussion in der Politik, wenn es um den Hanf geht. Seine politischen Ziele sind klar: «Es wäre schön zusehen, wenn therapeutische Patienten in den nächsten zehn, zwanzig Jahren einen weniger bürokratisch aufwendigen Zugang zu Cannabis hätten und dass es vielleicht eines Tages auch auf offener Strasse möglich ist, einen Joint zu rauchen, ohne Angst vor der Polizei haben zu müssen. Der ausschlaggebende Grund für die Gründung der Partei war, dass die angedachte Initiative auch von Cannabisbefürwortern aufgrund des Wahljahres abgelehnt wurde. Die meisten haben uns gesagt, dass sie im Wahljahr nicht über den Hanf diskutieren wollten. So dachten wir uns also: Wenn ihr nicht über den Hanf reden wollt, dann machen wir es eben.»

Natürlich hofft Dario, dass er die Wahl am 20. Oktober gewinnen wird. Doch hauptsächlich geht es ihm darum, das Thema um den Hanf in der Politik aktiv zu halten und den Leuten zu zeigen, dass die Debatte weitergeführt wird. Als weiteres Projekt sieht Dario die Gründung von weiteren Fraktionen in allen Kantonen der Schweiz vor. Wir bleiben gespannt, wie sich die SHP und die Diskussion um den Hanf in Zukunft entwickeln wird.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Dario.

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zur Reihe.

Am 20. Oktober kommt es zu den allvierjährlichen, eidgenössischen Wahlen. Mitten im Trubel des Wahlkampfes: Der 22-jährige Joël Müller. Die Gesellschaft sieht er zurzeit in einem polarisierenden Wandel, deshalb kandidiert er für die Wahl zum Nationalrat in der Jungen CVP. Wie er dazu kam und was ihn in der Politik bewegt, alles in der dritten Ausgabe von #porträtiert.

Seit dem Jahre 1906 machen junge Schweizerinnen und Schweizer in der Partei der JungsozialistInnen der Schweiz (JuSo) Politik und erfreuen sich an immer grösser werdendem Nachwuchs. Die JuSo Solothurn hat vor knapp zwei Monaten eine neue Präsidentin erhalten. Die 19 Jahre junge Aileen Jenni ist in ihrer noch frischer Amtszeit beim Parteigeschehen bereits «voll dabei» und steckt voller Ideen und Tatendrang.

Man hört in der Politik immer wieder von «Rechts» oder «Links». Doch welche Parteien sind eher rechts oder eher links? Was bedeutet es überhaupt, sich als rechts oder links zu bezeichnen? Tize.ch versucht dir deine Antwort auf die Frage «Bist du rechts- oder linksorientiert?» bei Alltagsgesprächen zu erleichtern.

Gerne kommt man mal ins Schwitzen, wenn bei einem normalen Alltagsgespräch das Gegenüber fragt, welche Partei man wählt oder wie man abstimmt. Einige wissen ganz genau, für wen oder was sie sich entscheiden und besonders warum. Doch viele haben keine Ahnung, auf welche Seite sie sich schlagen sollen. Rechts, links oder doch lieber die Mitte? Dabei hat diese Frage sehr viel mit der eigenen Identität und dem eigenen Handeln zu tun.

Woher stammen die Bezeichnungen «rechts» und «links»?

Die Unterscheidung zwischen rechts und links des politischen Spektrums wird auf das Jahr 1789 zurückgeführt, beim Ursprung der Französischen Nationalversammlung. Vorerst hatten diese Bezeichnungen nur die Bedeutung der Sitzordnung innerhalb eines Parlamentes. Laut Hellesköpfchen.de setzt sich die Sitzordnung aus dem Meinungsspektrum der einzelnen Parteien und Gruppierungen zusammen. «La gauche», die linke Seite, stand für die revolutionäre und republikanische Strömung, während «La droite», die rechte Seite, für die eher konservativere, promonarchische Strömung stand.

Bedeutung in der Schweiz

Das hat sich zwar bis heute durchgesetzt, aber natürlich auch verändert. Die rechte Seite setzt sich eher für die Bewahrung des alten ein und halten an Traditionen und gesellschaftlichen Strukturen fest. Diese Haltung nennt sich konservativ. Die linke Seite setzt sich vor allem für die Freiheit und das Recht der Bürger ein und vor allem, dass möglichst alle nach gleichem Recht behandelt werden. Dies lässt sich unter liberal, bis hin zu sozialistisch einstufen. Liberal zu sein bedeutet, dass man sich für die Freiheiten der Menschen innerhalb eines Staates einsetzt oder zumindest diese Parteien unterstützt. Natürlich gibt es auch noch die Mitte, welche sich dadurch auszeichnet, dass sie teils liberal und teils konservativ ist. Manche Parteien oder Einzelpersonen von mittigen Parteien sind mal mehr rechts und mal mehr links, das ist besonders in der politischen Mitte sehr individuell.

Rechts ist nicht gleich rechts, links ist nicht gleich links

Um an den letzten Satz anzuknüpfen: Wichtig zu verstehen ist, dass man als Rechter oder Linker nicht gleich nur rechts oder links denken muss. Rechte und linke Personen stimmen nicht immer nur für Ideen der eigenen Partei, sondern auch mal für Ideen von der anderen Seite, wenn ihnen diese zuspricht. Genau wie in der Mitte ist jede rechts- und linksorientierte Person individuell geprägt. Problematisch wird es erst dann, wenn die eigene Haltung oder die einer Partei, extremistisch wird und man damit beginnt, andere auszugrenzen, weil sie eine andere Haltung gegenüber der Politik haben, dies gilt für rechts und links. Auch wenn das im Wahlkampf manchmal so aussehen mag, schlagen sich rechts und links nicht gleich die Köpfe ein, wenn sie zusammen im Parlament sitzen. Wichtig ist jedem gut zuzuhören, zu überlegen und erst dann zu sprechen, sei es im Parlament, bei Diskussionen in der Schule oder in der Freizeit.

Die Wichtigkeit dieses Grabens

Für einen demokratischen Staat, wie die Schweiz, ist dieser Graben wichtig. Er stützt das Gleichgewicht in der Regierung zwischen den einen und den anderen Parteien. Es braucht die konservative Seite, wie auch die liberale Seite, um neue Ideen zu finden, um beispielsweise das Leben in der Schweiz zu verbessern, den Draht zu unseren Nachbarn zu stärken, um eine gute Strukturierung des Landes in der schnell wachsenden Welt zu ermöglichen und schlussendlich, um zusammenzuhalten. Solche Ideenfindungen, Strategien und Umwälzungen sind nur dank des Dialogs und der Verhandlungen zwischen rechts und links möglich. In einem Staat zu leben, in dem die Möglichkeit besteht, auszuwählen zu welcher Seite oder zu welcher Partei man gehört ist ein grosser Vorteil. Der direkte Dialog untereinander wird so ermöglicht.

Wie erkenne ich, was für mich stimmt?

Ganz einfach: Wenn du dich für die Politik interessierst, lies vielleicht mal das Abstimmungsbüchlein durch und versuche, dir deine eigene Meinung zu bilden. Klar, das Abstimmungsbüchlein ist für manche etwas kompliziert geschrieben, aber da gibt es Hilfen, wie beispielsweise die Internetseite easyvote. Du musst nicht gleich von heute auf morgen einer Partei beitreten oder gleich die Meinung übernehmen, die eine Partei hat, die dir zuspricht. Sehr viele Menschen sind parteilos und stimmen/wählen mal so und mal so. Recherchiere im Internet nach einer Partei, die dich interessiert und lies ihr Programm. Im Grunde kannst du dir eigentlich auch die Frage stellen, was besser zu dir passt. Siehst du dich eher konservativ und möchtest eher das Vergangene bewahren oder siehst du dich liberal und bist offen für Neues? Diese Entscheidung liegt allein bei dir.