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Es war auf einmal ganz still beim Stadion an der Alten Försterei, dass Flutlicht war aus. Einfach nur Kerzenschein erhellte alles an diesem 23. Dezember und dann fingen 28`000 Stimmen an Weihnachtslieder zu singen. Was sich in diesem Fussballstadion abspielt, findet man kein zweites Mal. Genau das kann man ebenso über den Fussballklub sagen, welcher dahinter steckt. Hat das traditionelle Weihnachtssingen seinen Ursprung von einem Haufen angetrunkener Fans, welche mit Bier sich ins Stadion geschlichen haben, um Weihnachtslieder zu schmettern? Man merkt, der Verein dahinter ist etwas Besonderes.

Viele Jugendliche interessieren sich kaum noch für die Religion und bezeichnen religiöse Gemeinschaften gar als «out». Nicht nur das Christentum ist davon betroffen. Laut einer Statistik von Statista ist die Konfessionslosigkeit ab dem letzten Jahrhundert um 11.3% der Weltbevölkerung gestiegen. Doch weshalb stösst vor allem das Christentum in den neueren Generationen auf einen solch grossen Widerstand?

Es ist 09:00, die Kirchenglocken läuten durch das Dorf. Der Nebel schleicht sich beinahe unscheinbar durch die Strassen. Auf den Strassen wiederum: Niemand. Nicht ein einziges Auto, welches sich den Weg durch die Häuser bahnt. Es scheint fast so, als wäre das gesamte Dorf noch vollkommen im Tiefschlaf. Siehe da: Nichtsdestotrotz schlendert ein älteres Pärchen auf dem Trottoir entlang in Richtung Dorfkirche. Schaut man in die Kirchen, sieht man schnell, dass der Altersdurchschnitt sehr hoch ist. Doch wo bleiben eigentlich die Jungen?

 

Die «Ich-Gesellschaft»

Wie der englische Poet Phineas Fletcher einmal sagte, «The way to god is by our selves». Laut dem wissenschaftlichen Buch «Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft» von der SPI kann der Mensch in der heutigen Zeit die verschiedensten Aspekte des Lebens selbst entscheiden, so selbstständig, wie noch nie zuvor. Wie beispielsweise die schulische Ausbildung und der eigene Bildungsweg, seine politische Einstellung, das ökonomische und ökologische Verhalten, sowie betreffend des Lebensstils die Sexualität und die Religion. Die Entscheidungsfreiheit in den verschiedenen Bereichen fiel noch nie so gross aus wie in den letzten Jahren. Der Mensch hat also auch mehr Verantwortung und hat vor allem mehr Schwierigkeiten zu bewältigen und zu erleben. Aus dieser Situation ergab sich dann die sogenannte «Ich-Gesellschaft».

 

Kulturelle Revolution

Ein grosser Teil der Antworten auf die Frage, wie denn so eine «Ich-Gesellschaft» überhaupt entstehen konnte, basiert sich auf der Theorie einer kulturellen Revolution in den 1960er Jahren. Auch darunter zu verstehen ist, dass sich die Menschheit in diesen Jahren langsam von den Autoritäten aller Art verabschiedete. Dies geschah aufgrund des Wirtschaftswunders 1945 bis 1973 und wurde auch ein wenig von der Aufklärung vom 18. Jahrhundert geprägt. Einfacher vergleichen kann man es so: Vor dieser kulturellen Revolution hatten die Menschen dieselben, identitären Merkmale, welche sich dann in den Jahren des Wirtschaftswunders veränderten und die Menschen begannen, individueller und eigenständiger zu denken.

Auch das Christentum und alle anderen Religionen, ganz besonders die monotheistischen, also die Religionen, bei denen es nur einen Gott gibt, wurden als sehr autoritär angesehen. Somit wurde insbesondere das Christentum nicht mehr zum pflichtigen Teil des Lebens zugehörig, sondern wurde immer mehr in den Bereich der Freizeit abgedrängt. Dort musste die Religion mit anderen Formen von Freizeitbeschäftigungen oder Selbstentfaltungen konkurrieren.

 

Der Mensch im Zentrum

Nach der kulturellen Revolution setzte sich die religiöse Individualisierung, sowie auch die Konsumorientierung durch. Um das oben erwähnte einfacher zusammenzufassen, hat sich der Mensch sozusagen selbst in den Mittelpunkt gerückt und sieht sich so als allerletzte Autorität, besonders in Fragen der Religion. Bildlich beschrieben, wie vor der Kenntnis durch Galileo Galilei, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht anders herum. Damals, was auch heute noch stark zu bemerken ist, drehte sich alles um den Menschen und alles, was «vorgeschrieben» wurde oder wird, musste oder muss immer noch direkt bekämpft werden.

 

Wie sieht die Zukunft des Glaubens aus?

Die Zeit der Aufklärung oder die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in der eben diese kulturelle Revolution stattfand, gelten als die glorreichsten Epochen der Zeitgeschichte. Nach der Reformation des Christentums, wurden die ersten demokratischen Staaten geschaffen, Wirtschafts- und Geldsysteme fanden ihren Durchbruch, später im 20. Jahrhundert wurde der Nationalsozialismus weitläufig besiegt, Staatenbündnisse wurden gegründet, in Europa kehrte Frieden ein und die Welt öffnete sich und liess die Globalisierung zu wie auch die rasant schnell wachsenden technischen Fortschritte. Doch wo findet heute das Christentum den Platz, nach all den erreichten Fortschritten und Zeiten des zunehmenden Wohlstands?

Tatsache ist, dass die Kirche nicht mehr die unterdrückende, mit harter Hand regierende Herrschaftsform ist, wie sie es im Mittelalter vor der Reformation war. Martin Luther hat die Kirche und das gesamte Christentum, protestantisch wie katholisch, reformiert. Die Kirche ist keine autoritäre Macht mehr, die den Menschen etwas vorschreibt und ist ebenfalls nicht mehr von «konservativ-orientierten Menschen» geprägt. Die Kirche ist offen und hilft da, wo sie nur kann. Sie hilft nicht nur Christen, sie hilft Juden, Muslimen, Atheisten und Menschen von überallher gleichermassen.

 

Wie sähe die Welt ohne Glaube aus?

Die gläubigen Menschen finden in ihrer Religion eine Art von Hoffnung und Glaube, nach dem Tod nicht einfach fort zu sein, sondern, wenn sie gute Taten vollbringen, ein anderes, ewiges Leben zu erhalten, um ihrem Schöpfer möglichst nahe zu sein. Die Menschheit braucht jede einzelne Religion auf dieser Welt, um zusammen, nicht alleine, Grosses zu erreichen und den Frieden zu fördern. Ohne Glaube hätte die Menschheit nichts, woran sie sich festhalten kann, woran sie hoffen und vertrauen kann.

Als Präsident der Guggen von Solothurn (abgekürzt GUSO), deckt der selbstständige Marketingconsulter Thomas Nyffenegger einige organisatorische Aufgaben ab. Was sind seine Ämter in der Solothurner Fasnacht und was bedeutet die Fasnacht für ihn? Ein Interview.

Am heutigen Donnerstag ist es in Solothurn wieder soweit. Die jährliche Solothurner Fasnacht startet am 08. Februar mit der traditionellen Chesslette und dauert eine Woche, bis zum Aschermittwoch. Doch was auf den einen Blick wie ein fröhliches, sorgenloses Fest erscheint, muss im Hintergrund bis auf das Detail genau geplant und organisiert werden. Eine grosse Aufgabe für die vereinigte Fasnachtsgesellschaft von Solothurn (UNO) und für die vereinigten Guggen von Solothurn (GUSO). Auch die Politik kommt in dieser Fasnachtsvorbereitung nicht zu kurz.

«Vor der Fasnacht bin ich immer in Hochstimmung», antwortet Thomas Nyffenegger strahlend auf die Frage, wie es ihm an diesem kalten, verregneten Januarabend geht. «Vor und während der Fasnacht bleibt eher weniger die Freizeit, um diese mit der Familie zu verbringen oder viel auszuruhen. Da liegt es auch an mir, dass ich mir mal einen Abend komplett frei nehme und mir so meine Zeit einteile», erzählt er mir weiter. Während der Solothurner Fasnacht ist Thomas Nyffenegger als Präsident der GUSO und als aktives Mitglied der Gugge Weihere Schränzer, in der er bis vor zwei Jahren ebenfalls Präsident war, organisatorisch, wie auch als Fasnächtler viel auf den Beinen.

Was bedeutet es GUSO-Musiknarr an der Solothurner Fasnacht zu sein?

«Als GUSO-Musiknarr bin ich sozusagen der Präsident der Guggen von Solothurn. Wie das Amt als Präsident auch in anderen Vereinen aussieht, kümmere ich mich um die Organisation, der Interessen der Mitglieder, also der Guggen von Solothurn und versuche diese auf eine Art und Weise in das Geschehen der Solothurner Fasnacht einzubringen. Ebenfalls sind die verschiedenen Strukturen der GUSO, sowie einen optimalen Fasnachtsablauf, zu organisieren. Dies bedeutet für mich einerseits viel Arbeit, aber es ist eine interessante Arbeit, die mir Spass bereitet.»

Was ist der Zweck der GUSO-Vereinigung?

«Die GUSO wurde im Jahre 1980 gegründet, zum Zweck, die Interessen der Guggen zu bewahren. Die Stimmen der Guggen spielen in der Solothurner Fasnacht eine wichtige Rolle, so muss also gut auf die Interessen und Ansprüche der einzelnen Vereine gehört werden. So können beispielsweise auch neue Anlässe oder Ideen, betreffend der Solothurner Fasnacht, aus den Sitzungen herauswachsen und in den Fasnachtsablauf integriert werden. Der «12i-Chlapf», der in der Nacht vom Fasnachtsdienstag auf den Aschermittwoch stattfindet, ist beispielsweise einer dieser Anlässe.»

Wie hoch schätzt du die Wichtigkeit der GUSO für die Solothurner Fasnacht?

«Auch gegenüber den Narren und Närrinnen von Solothurn ist diese Vereinigung ein wichtiger Zweig. Die GUSO befindet sich durch den Ober der Guggen in der UNO, in welcher auch die Stammzünfte ihren Platz finden. Die GUSO ist das oberste Organ, welches die Guggen vertritt und hat somit auch einen Sitz im UNO Vorstand. Die UNO verbindet so die Guggen mit den anderen Vereinen und Zünften.

Die Aufgaben der UNO wiederum, welche für die Fasnacht in Solothurn ebenfalls sehr wichtig sind, beziehen sich auf das ganzheitliche, organisatorische. Wie beispielsweise die Umzüge am Sonntag und Dienstag, die Planung und Koordination des Plakettenverkaufes, die medizinische Versorgung, die Planung der Sicherheit, die Sicherstellung von Notfallplänen, sollte etwas schiefgehen, der Aufstellung von Ständen mit Verhandlungen der Firmen, bei denen sich die Narren Närrinnen verpflegen können und noch vielem mehr.»

Wie hoch schätzt du die Wichtigkeit der GUSO in Zusammenarbeit mit der Stadt Solothurn ein?

«Das ist eine gute Frage», antwortet Thomas lachend und nippt kurz an seinem frischeingeschenkten Becher Cola. «Die GUSO, wie aber auch die UNO, also die Guggen und die Zünfte in der Fasnacht vereint, spielen für die Stadt eine wichtige Rolle. Denn die Fasnacht gehört in Solothurn zum Kulturgut dazu. Dieses Kulturgut liegt im Interesse der Stadt, wie auch im Interesse des Kantons. Deshalb sind auswärtige Auftritte der Guggen ebenfalls sehr wichtig, um den Kanton zu vertreten und den Menschen in anderen Kantonen zu zeigen, dass in Solothurn viel läuft, was die Fasnacht anbelangt, auch wenn man das vielleicht beim Hörensagen nicht glauben mag, da Solothurn nicht unbedingt die grösste Stadt der Schweiz ist. Ein genaues Beispiel dafür wäre der Besuch der Weihere Schränzer und einer Fasnachtsdelegation von Chesslerinnen und Chesslern an der Olma in St.Gallen vor fünf Jahren oder die Teilnahme der Weihere Schränzer am Marché Conur in Saignelégier oder am Sächsilüte in Zürich.»

Wie kann man sich den Aufbau der GUSO vorstellen?

«Zurzeit finden bis zu 14 Guggen ihren Platz in der Vereinigung. Jede Gugge kann zwei Mitglieder ihres Vereins wählen, welche dann an den Delegiertenversammlungen zusammensitzen und die Guggen vertreten, ihre Anliegen, Vorschläge und Ideen präsentieren und sich so austauschen. Meine Aufgabe ist es dann wiederum, das Besprochene zusammenzufassen, nach Lösungen zu suchen und zu kooperieren. Diese Lösungsvorschläge präsentiere ich dann an der Hauptversammlung. So haben wir also eine Art «demokratisches Parlament» für die Fasnacht in Solothurn.»

Der Hauptsitz der beiden Fasnachtsvereinigungen befindet sich im Richteramt von Solothurn, wie mir Thomas erklärt. Gibt es also einen Rechtsstreit, finden sich der Kläger und die UNO, wie die GUSO in diesem Amt wieder. Daraus lässt sich schliessen, dass auch die Regionalpolitik von Solothurn stark mit der Fasnacht zusammenhängt. Auf die Frage hin, wo denn diese Sitzungen der Delegierten aus den verschiedenen Guggen stattfinden, wird mir von Thomas erläutert, dass dabei versucht wird, die verschiedenen Beizen und Restaurants ein wenig zu berücksichtigen. Sicherlich stellt das auch eine gewisse Herausforderung dar, die vielen Abgeordneten in eine Lokalität zu bringen. «Es ist tatsächlich eine Schwierigkeit, bei so vielen Mitgliedern», sagt er nachdenklich.

Die Umzüge am Fasnachtssontag und am Fasnachtsdienstag sind einer der «Hauptattraktionen» der Solothurner Fasnacht. Was muss alles im Vorfeld getan werden, um dem Publikum einen schönen Fasnachtsumzug bieten zu können?

«Die ganze Organisation ist für uns natürlich ein grosser Aufwand. Zuerst müssen die Zünfte angefragt werden, wie es mit den Sujets für die nächste Fasnacht aussieht. Dieser Prozess beginnt schon im August. Dann werden die Wagenbauchefs der Fasnachtszünfte eingeladen, um die Fahrzeuge zu überprüfen, mit denen sie die Fasnachtsumzüge bestreiten. Die MFK (Motorfahrzeugkontrolle) überprüft die Bremsen und kontrolliert, ob die Fahrzeuge sicher sind. Auch muss die Planung für die Sicherheit an den Umzügen gemacht werden, also Sicherheitsleute aufgestellt werden, die neben den grossen Wägen herlaufen und dazu schauen, dass keine Person in den toten Winkel gerät, welcher an den Umzügen wegen dem eingegrenzten Blickfeld grösser ist, als normalerweise auf der Strasse. Die Guggen werden auf ihre Spieltüchtigkeit geprüft, sowie ob Masken und Kostüme für die Fasnacht bereit sind.»

Gewissermassen profitiert ja die Gastronomie der Stadt vom grossen Andrang der Menschen zu dieser Zeit. Wie offen für die Solothurner Fasnacht sind die Gastronomiebetreiber?

«Es gibt die Gastronomiebetreiber, die sich innovativ zeigen und bei der ganzen Sache mitmachen, was uns natürlich sehr freut. Das merkt man auch daran, dass die Preise von diesen Restaurants nicht unendlich in die Höhe getrieben werden und auch ihre Fenster sinngemäss dekorieren. Das sind dann auch die Orte, an denen unter dieser Woche etwas läuft, etwas los ist. Die Restaurants, welche die Preise an der Fasnacht unnötig in die Höhe treiben und ihre Lokalitäten nicht fasnachtsgemäss dekorieren, schiessen sich damit selbst ins Knie, da die Fasnächtler gar nicht erst hineingehen.»

In der Fasnachtswoche wird in Solothurn am Abend viel «Gegässelt», auch da muss es eine gewisse Vorplanung geben. Wie sieht die in etwa aus?

«Kurz gesagt, gibt es für die einzelnen Abende keine Planung. Die Guggen besprechen meistens untereinander spontan, welcher Platz für wie lange und von wem besetzt ist. Die einzige Planung für die Abende, die wir in der GUSO haben, ist die des Fasnachtsfreitags. Für diesen für die Guggen etwas spezielleren Abend, gibt es ein Plakat mit festen Zeiten für die fünf grossen Guggen, die an diesem Freitagabend mitspielen. Dort wird festgelegt, wo und um welche Uhrzeit die Guggen spielen, um auch den Besuchern eine Übersicht zu bieten, wo gerade was stattfindet. Auch für die Abende vom Fasnachtssonntag und Fasnachtsdienstag gibt es einen kleinen Plan. Bei dem wird lange im Voraus abgesprochen, welche Guggen direkt nach dem Umzug weiterspielen. Da viele Guggen nach den Umzügen in die Restaurants verschieben, um zu Nacht zu essen, müssen wir gewährleisten, dass doch noch etwa fünf Guggen in den Gassen bleiben und weiterspielen, damit keine Pausen entstehen, in denen nichts läuft. Unter den Guggen wechseln wir immer ein wenig ab, um niemanden zu benachteiligen.»

Ein spezieller Abend findet auch am Fasnachtsmontag jeden Jahres statt, der «Drumgugulalapfiff». Dort treten alle Guggen, wie die Schnitzelbänke der Stadt auf und präsentieren ihre neuen Lieder, wie auch die Kostüme. Ein wichtiger Anlass, wie mir Thomas erklärt. «Wenn man es so betrachtet, organisiert die GUSO fast alle wichtigen Anlässe, wie eben der Freitagabend, das Stadttheaterprogramm am Sonntag und Dienstabend, die Monsterguggete, der «Drumguglalapfiff», der «Zapfenstreich» am Dienstag, sowie der «Zwöufichlapf». Also abegesehen von den grossen Fasnachtsumzügen, alles.»

Was findest du, ist das wichtigste der Solothurner Fasnacht?

«Ich finde, dass unsere Fasnacht sehr farbenfroh, innovativ und kreativ ist. Auch, dass wir unterschiedliche Gruppierungen innerhalb der Fasnachtsgesellschaft haben, deren Vereinsleben sich voneinander unglaublich unterscheidet. Dies macht, so glaube ich, unsere Fasnacht umso spannender und attraktiver. Wir haben kleinere Vereine, grössere Vereine, die unterschiedlichsten Musikstile der Guggen und all die Freiheiten. Auch die Fasnachtswagen der Zünfte sind Markenzeichen der Solothurner Fasnacht. Denn die gewaltigen Kunstgebilde, die die Zünftler kreieren, mit all den liebevollen Details, sind einfach von Jahr zu Jahr wieder faszinierend.»

Versuchend, nicht zu viel zu verraten, sagt Thomas, auf was sich die Besucher der Fasnacht dieses Jahr besonders freuen dürfen. Da Thomas auch an den Inspektionen bei den verschiedenen Vereinen teilnimmt, kann er sagen, dass die Wagenbauzünfte auch dieses Jahr wieder hammermässige Sujets vorbereiteten und tolle Wagen gebaut haben. Auch auf Guggenmusiken, die dieses Jahr ihr Jubiläum feiern, kann man sich freuen, wie beispielsweise die Weihere Schränzer.

Vielen Dank Thomas, für das interessante Interview.

Der 22-jährige Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaftenstudent Alexander Stingelin erzählt über seine Erfahrungen als aktiver Sänger und Vizepräsident bei den Solothurner Singknaben. Seit 2003 ist er im Konzertchor tätig. In diesem Interview spreche ich mit ihm über die Rolle der Singknaben in Solothurn, die Vielfältigkeit des Chors und weitere Themen.

«Seit März 2015 bin ich Vizepräsident bei den Singknaben», erzählt mir Alexander gut überlegend. Vorher war er bereits lange im Vorstand und für die Logistik zuständig. Als dann der damalige Vizepräsident beschloss, sein Amt abzugeben und die Diskussion aufkam, das Amt des Vizepräsidenten extern zu vergeben, wurde ihm klar, dass diese Aufgabe eigentlich jemandem aus dem Chor selber übertragen werden sollte. Nourdin Khamsi, ein guter Freund von Alexander, der ebenfalls schon bei den Singknaben dabei war, beschloss dann das Amt des Präsidenten zu übernehmen, wollte die Verantwortung aber nicht alleine tragen. «So kam alles zusammen und ich war Vizepräsident», sagt er kurz und knapp.

 

Eine grosse Menge von Aufgaben

«Es ist schwierig, für mich selber festzulegen, was meine liebste Aufgabe als Vizepräsident bei den Singknaben ist. Schlussendlich gibt es so viel zu tun, aber besonders designtechnisches, also beispielsweise das Erstellen der Programmhefter für das Weihnachtsoratorium oder auch spezielle Anfragen von Konzertorganisatoren zu beantworten, die gerade reinkommen, das finde ich sehr interessant. Reisen zu organisieren und die Kommunikation, wie schon erwähnt, bei Anfragen, gehören auch zu meinen Lieblingsaufgaben. Das Anstrengendste von allem aber, ist der Weg und das Pendeln. Seitdem ich im Studium bin, wohne ich in Luzern. So muss ich besonders in der strengen Adventszeit mit dem ÖV hin und her fahren und versuchen, irgendwie alles unter ein Dach zu bringen. Beispielsweise, wenn wieder eine Sitzung stattfindet. Auch wenn etwas nicht klappt, weil wir mal eine Arbeit unterschätzen, kann es manchmal auch anstrengend sein oder nerven, aber das ist ja normal und kommt halt in jedem Verein vor.»

 

Der starke, notwendige Zusammenhalt

«Das Schönste für mich im Verein ist neben dem Musikalischen, auch der starke Zusammenhalt, den wir untereinander haben, was ja auch bereits im vorherigen Artikel über uns Singknaben zu lesen war. Was die Männerstimmen, aber natürlich auch die Knabenstimmen, in letzter Zeit leisten, das ist wirklich der Wahnsinn. Meiner Meinung nach ist dieser starke Zusammenhalt auch absolut notwendig, da es besonders von den Älteren eine Menge Einsatz braucht, was die Organisation und die Planung betrifft. Das spricht sich selbstverständlich auch herum und dieser Kern des Zusammenhalts unter den Männerstimmen, wirkt sich auch bei den Knabenstimmen positiv aus und schwappt auch auf die Beziehung zwischen uns und den Eltern der einzelnen Mitglieder über. Alles in allem finde ich, wir haben momentan einen sehr guten Drive drin, besser könnte es fast nicht mehr sein.»

«Zusammen an Weihnachten ein Raclette essen, die Veranstaltung eines Chlausenhöcks, sowie unsere jährlichen Lager im Frühling und im Sommer, dieses ist dann eher für den Nachwuchs bestimmt, all das gehört bei uns Singknaben dazu. Auch Auswärtskonzerte, wie letzten Sonntag in Genf, die eher selten stattfinden aber uns trotzdem viel Spass machen, sowie Musikchorfestivals, wie das EJCF (Europäisches Jugendchorfestival) letztes Jahr in Basel, gehören dazu. Das Pflegen unserer internen Beziehungen ist uns auch fernab vom Singen wichtig, wie beispielsweise ab und zu miteinander mal etwas trinken zu gehen.»

 

Europaweite Zusammentreffen

Wie Alexander erklärt, besteht bei so einem EJCF oder anderen Anlässen, an denen die Singknaben bereits mit von der Partie waren, eine etwas andere Art von Zusammentreffen. «Grundsätzlich finde ich, gibt es grob gesagt kein Konkurrenzdenken bei solchen Festivals. Hin und wieder aber kommt es schon vor, dass von Mitgliedern aus anderen Chören merkwürdige Kommentare kommen. Das sind meist die, die sich an etwas hinaufziehen wollen und kommt nur ganz selten vor. Die meiste Zeit über haben wir es gut mit den anderen Chören und lernen neue Leute kennen, ältere, wie auch jüngere, was ja auch unser Schwerpunkt ist.»

Als anderes Beispiel zählt Alexander auch das Zusammentreffen eines schwedischen Chors aus Uppsala im letzten Sommer auf, was in seinen Augen auch eines der Highlights in diesem Jahr war, neben dem Mozartrequiem oder dem SKJF (Schweizer Kinder- und Jugendchor Festival). Im Gegenzug zum Besuch der Singknaben in Uppsala im Jahre 2013, besuchte der schwedische Chor die Knaben und Männer in ihrer Heimatstadt. «Das war einfach nur super. Wir haben sehr viele Leute über dieses Wochenende kennengelernt, sangen zusammen und zeigten ihnen die Stadt», erzählt Alexander, während er sich mit einem Lächeln zurückerinnert.

 

Die «spezielle» Stellung der Singknaben

Auf die Frage hin, wie die Beziehung der Singknaben zu den einzelnen Institutionen aussieht, antwortet mir Alexander: «Die Singknaben sind in Solothurn sehr verwurzelt. Aus diesem Grund haben wir Singknaben auch eine sehr spezielle und schon fast einzigartige Stellung zwischen der Kirche, der Stadt und ihrer Politik. Man kennt uns in allen gesellschaftlichen Bereichen, das ist auf der einen Seite eine extrem grosse Chance, kann aber auf der anderen Seite seine Tücken haben, dass wir uns nicht bei irgendetwas verrennen. Ich finde es deshalb sehr wichtig, dass man in diesem Punkt aktiv bleibt, sich immer wieder ein wenig neu definiert und mit der Zeit geht. Zu diesen Punkten will ich gerne etwas beitragen.»

 

«Wir haben einen sehr guten Draht zur Kirche»

Weiter frage ich ihn, wie es um den Ruf der Singknaben steht. Darauf antwortet Alexander: «Seitdem ich im Präsidium bin, haben wir einen wahnsinnig tollen Draht zur Kirche, zur Kirchgemeinde und zum neuen Pfarrer Thomas Ruckstuhl. In den letzten Jahren haben wirklich gewaltige Annährungen zwischen uns und der römisch-katholischen Kirche stattgefunden und die Leute sind auf uns zugekommen, um uns besser kennenzulernen. Wir spüren auch, dass die Leute aus der Kirchgemeinde Freude an uns haben, da es nicht selbstverständlich ist, einen solch guten Chor zu haben. Von der politischen Seite her, haben wir diesen Herbst den Preis für Musik des Regierungsrates gewonnen, was hierzulande ja die höchste Anerkennung ist, die man vom Kanton bekommen kann. Dies ist für mich auch ein Indiz dafür, dass wir einen guten Ruf haben.»

Vielen Dank Alexander, für das interessante Interview.

Vom Hissen der Schweizerfahne bis zum Mitsingen der Nationalhymne an Fussballspielen. Wann sind wir patriotisch, ohne es überhaupt richtig zu merken? Von welchem Zeitpunkt an verwandelt sich der Patriotismus in Nationalismus?

Besonders in der Schweiz ist der Patriotismus – auch Vaterlandsliebe genannt – immer mehr zum Tabuthema geworden. Der Patriotismus wird von vielen Menschen falsch verstanden. «Diese Leute sind doch alle rechts!», heisst es vielmals. Hingegen steht hinter dem Patriotismus kein rechtes Gedankengut und er hat auch gar nichts mit Rassismus oder Gewalt zu tun. Der Grat hinüber zum Nationalismus ist dennoch sehr schmal.

 

Was ist Patriotismus?

Laut der Erklärung auf politik-lexikon.at bedeutet Patriotismus/Vaterlandsliebe, die Liebe zum eigenen Land, zur Geschichte, zur Kultur, zum politischen System, zur Landschaft, usw. Ein Patriot steht also seinem Land bei und pflegt eine emotionale Bindung dazu. Im Prinzip, kann sich jeder Patriot nennen, der im Garten eine Schweizerfahne wehen hat oder an besonderen Anlässen ein rot, weisses T-Shirt mit einem Schweizerkreuz an der Brust trägt. Diese zwei Punkte beispielsweise, da gibt es daneben natürlich noch ganz viele mehr, drücken eine solche Liebe zum Vaterland aus, auch wenn wir das zunächst vielleicht nicht einmal bemerken. Das alles hört sich also überhaupt nicht tragisch an. Warum aber steht dann der Patriotismus in einem solch schlechten Licht?

 

Der schmale Grat

Der Grund, weshalb sich immer weniger Menschen offiziell zum Patriotismus bekennen, ist die Verwechslung mit dem Nationalismus. Der Nationalismus entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts während dem Ausbruch der französischen Revolution. Er breitete sich über ganz Europa aus und war Teilverantwortlicher für den Ausbruch des 1. Weltkrieges, mehr als 100 Jahre später. Anders als beim Patriotismus wird beim Nationalismus die eigene Nation über alle anderen Nationen gestellt. Somit gilt das eigene Volk für Nationalisten als das einzig Richtige, was zur Ausgrenzung und Verachtung gegenüber Minderheiten und anderen Nationen führt. Beim Patriotismus aber wird die Liebe zum Vaterland gezeigt, dabei werden aber keine anderen Völker verachtend dargestellt oder ausgegrenzt. Sobald also mit dem Patriotismus übertrieben wird und von einer Ausgrenzung von Minderheiten oder anderer politischer Unkorrektheit die Rede ist, überschwappt die Vaterlandsliebe in den Nationalismus.

 

Die «falschen» Patrioten

Im November letzten Jahres wurde Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Ein Mann, der sich in seiner ersten Rede als Präsident mit folgendem Satz als Patriot betitelte: «Wenn man sein Herz dem Patriotismus öffnet, dann gibt es keinen Platz für Vorurteile.» Ein eigentlich korrekter Satz. Nur leider vom falschen Mann ausgesprochen. Staatschefs, die ein Einreiseverbot für Muslime einführen wollen oder vorhaben, eine Mauer zu bauen, damit keine Mexikaner mehr in ihr Land einreisen können, sind keine Patrioten.

Genauso wenig wie Politiker aus der AfD, welche ihr Parteiprogramm als «gesunden Patriotismus» betiteln. Ihre Auffassungen, was Patriotismus ist, ist eine komplett falsche und rückt nur alle «richtigen» Patrioten in ein schlechtes Licht.

 

Warum uns Patriotismus gut tut

Patriotismus stärkt das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt eines Landes. Besteht Vaterlandsliebe, besteht auch ein Wille, das Land voranzutreiben und aufzubauen. Ausserdem gibt es der eigenen Identität halt. Durch Gemeinschaftsgefühl und dem Bewusstsein, einer Gemeinschaft anzugehören, entsteht ein sicherer Boden der Identität. Gleichzeitig kann dies auch bei der Integration von Migrantinnen und Migranten helfen. Und bestimmt gibt es Meilensteine in der Geschichte oder Dinge in der Kultur, die einem als Schweizer/Schweizerin einfach aufblühen lassen und das Gefühl geben, zu sagen: «Ach, ich bin einfach stolz darauf, Schweizer zu sein.»