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Das Schweizer Militär gerät des Öfteren in Kritik. Es koste zu viel, wäre unnötig und überhaupt: Die Schweiz wäre doch viel zu unwichtig, weshalb sollte ein so kleines Land angegriffen werden? All das sind Kritikpunkte, die in alltäglichen Diskussionen immer wieder auftauchen und auch während den diesjährigen Wahlen, gerieten die «grünen Ferien» desöfteren in Beschuss. Wie wichtig ist eine Armee für ein kleines Land wie die Schweiz und welchen Stellenwert hatte sie in der Vergangenheit?

Vom Kindergarten, hinein in die Primarschule. Anschliessend ein guter Sek Abschluss mit darauffolgender Berufslehre oder gar ein Abschluss am Gymnasium. Grundsätzlich gilt, wer besser in der Schule ist, hat die besseren Chancen auf einen Karriereaufstieg. Doch ist ein solches System noch mit unserer Zeit zu vereinbaren?

3.4% beträgt die Arbeitslosenquote in der Schweiz nach dem Stand der offiziellen Seite des Bundes. Im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn, wie beispielsweise Deutschland mit seinen 5.6%, nach der deutschen Nachrichtenagentur die Zeit, oder Italien mit seinen 11.4%, nach Statista, geniesst die Schweiz einer der höheren Ränge. Der Grund dafür liegt bestimmt nicht zuletzt in unserem Bildungssystem. Doch in den vergangenen Jahren wurden die kritischen Stimmen immer lauter.

 

Die Schule als Wegbereiter in die Zukunft

Bildung ist wichtig, das ist uns wohl allen klar. Ohne Bildung gäbe es kein Wissen über die wichtigsten Erkenntnisse der Natur, der Wissenschaft, der Kommunikation oder der Regeln und Gesetze unserer Gesellschaft. Durch das Erlangen von Wissen können wir Menschen urteilen, Dinge erschaffen und ein Staat, ein Kontinent oder gar die ganze Welt in Bewegung bringen, immer wieder Neues erfinden oder entdecken und schlussendlich, neue Bildung einbeziehen. Bildung ist eines der wichtigsten Elemente einer gut funktionierenden Demokratie. In der Schweiz bekommt jedes Kind die Gelegenheit in die Schule gehen zu können.

Natürlich könnte jetzt die Frage aufkommen, weshalb denn das schweizerische Bildungssystem überhaupt in Kritik gerät. Doch wie werden die Talente und die Fertigkeiten des Einzelnen gefördert? Kann schlussendlich jeder Mensch seine Träume erfüllen und das machen, was zu ihm passt, was sozusagen für ihn bestimmt ist?

 

Uneinigkeiten zwischen Schulen und Arbeitgeber

Die Bildung gilt in der Schweiz als allgemeines Grundrecht. Ausserdem ist in der Bundesverfassung unter dem Art. 3 der Bildung für einen ganzheitlichen Menschen, der Erwerb von grundlegendem Wissen und Kenntnissen verankert, nach der Delegiertenversammlung des EDK. Hingegen ist aber unter demselben Artikel festgehalten, dass die Schüler von der Schule dabei unterstützt werden, individuelle Fähigkeiten zu entwickeln. Unter anderem wird in einem Artikel des Freiburger Arbeitgeberverbandes das Bildungssystem kritisiert, es würde zu wenig auf die Bedürfnisse der Firmen und der einzelnen Personen eingegangen. Auch hätten die einzelnen Firmen immer mehr Mühe, passende Kandidaten für eine freie Stelle zu finden, erstens, weil oft die Voraussetzungen nicht mit den Leistungen der BewerberInnen übereinstimmen und zweitens, dass sich immer weniger Schulabgänger für eine Lehrstelle bewerben.

 

Der «Gymnasiums-Boom»

Die gymnasiale Maturitätsquote befindet sich nach der Aargauer Zeitung aus dem letzten Jahre bei rund 20.1%. Das ist knapp über einem Fünftel aller Bildungsabschlüsse der Schweiz. Einer der Hauptgründe, weshalb immer wie mehr Jugendliche diesen Weg einschlagen, ist die Unsicherheit der Berufswahl. Es gibt viele Jugendliche, die sagen «Ich mache erst mal das Gymnasium, mal sehen, was dann passiert.» Also sind sich manche gar nicht wirklich sicher, welchen Beruf sie später einmal erlernen wollen oder machen sich vielleicht nicht einmal richtig Gedanken und absolvieren einfach die obligatorischen Schnuppertage, weil sie dies halt tun müssen. Wichtig zu erwähnen ist, dass es selbstverständlich auch Gymnasiums Schüler gibt, die genau wissen, wohin ihr beruflicher Werdegang sie treiben soll und sich auch dessen bewusst sind, was sie machen. Nichtsdestotrotz: Sollte die Findung der eigenen Identität und eines geeigneten Berufes jedes einzelnen Kindes nicht die Aufgabe der Schule sein, wie es auch in der Bundesverfassung festgehalten ist?

 

Die Wichtigkeit des Individualismus

Alle Fächer in der Schule sind wichtig, von der Mathematik, über die Sprachen, bis hin zur Geschichte und der Biologie. Doch wie sieht es mit den Menschen aus, denen ein bestimmtes Fach einfach nicht liegt? Das kann es durchaus geben und kommt auch vor. Wir Menschen ticken nicht alle gleich. Jeder von uns hat andere Interessen, andere Fähigkeiten und ist in allen Bereichen unterschiedlich gut. Das ist auch gut so. Eine Welt, in der alle gleich sind, dieselben Interessen haben und in allem gleich gut sind wie alle anderen, kann man sich kaum vorstellen. Ein Beispiel dafür wäre die Mathematik.

Die Mathematik zählt als einziges Fach an den schweizerischen Schulen doppelt. Heisst also, wer gut in diesem Fach ist, kann sich umso mehr über eine noch bessere Note freuen und möglicherweise sogar eine ungenügende Note in einem Fach ausbessern. Währenddessen versucht ein anderer Schüler, welcher in der Mathematik schwächere Leistungen erbringt, verzweifelt seine Durchschnittsnote mit den anderen Fächern, die aber nur einmal zählen, hochzubringen. Dies kann je nach SchülerIn grossen Stress bereits in der Sekundarstufe hervorrufen. Ausserdem kann es sein, dass wegen dieser höheren Gewichtung, die Schüler den gewünschten Ausbildungsweg nicht durchführen können, weil sie schlicht und einfach zu schlecht in einem Fach sind, welches doppelt gewichtet wird aber je nach gewünschtem Werdegang eines Schülers, nur halb so ausschlaggebend ist. So steht es in einem Interview der Berner Zeitung mit dem Mathematikprofessor Norbert Hungerbühler.

Nach langer Recherche nach der Antwort auf die Frage, weshalb ein gewöhnliches Fach wie die Mathematik nicht genau gleich gewichtet werden sollte, wie die anderen Fächer, wurde keine plausible Antwort gefunden.

 

Das finnische Bildungssystem als Vorbild?

Wie aber kann es möglich sein, den Leistungsdruck, der bei Schwierigkeiten in Fächern entstehen, die einem schwerfallen, zu minimieren? In Finnland beispielsweise, wird die Leistung nicht zu sehr nach den Noten bewertet. Erst ab dem 16 Lebensjahr werden dort Schulnoten eingeführt, was durchaus zu einer Verringerung des Stresses bereits im frühen Alter beitragen kann. Ausserdem sind die Schultage kürzer. Die Kinder in Finnland gehen morgens später zur Schule und gehen auch abends früher nachhause. Hingegen erhalten die Kinder aber mehr Hausaufgaben, die so in ihrem eigenen Tempo und ohne zusätzlichen Stress bewältigt werden können. Auch wird im finnischen Schulsystem kein Fach über ein anderes Fach gestellt. Jedes Fach soll gleich gewichtet sein und gleich wichtig zu sein, zu erlernen, wie es in einem Artikel von this is finland steht.

Nach der Botschaft von Finnland, belegte das Land im Jahre 2006 einer der höchsten Ränge in der PISA-Studie. Ob sich aber ein solches Bildungssystem positiv auf die Entwicklung der Wirtschaft eines Landes auswirkt, ist fraglich.

Vom Hissen der Schweizerfahne bis zum Mitsingen der Nationalhymne an Fussballspielen. Wann sind wir patriotisch, ohne es überhaupt richtig zu merken? Von welchem Zeitpunkt an verwandelt sich der Patriotismus in Nationalismus?

Besonders in der Schweiz ist der Patriotismus – auch Vaterlandsliebe genannt – immer mehr zum Tabuthema geworden. Der Patriotismus wird von vielen Menschen falsch verstanden. «Diese Leute sind doch alle rechts!», heisst es vielmals. Hingegen steht hinter dem Patriotismus kein rechtes Gedankengut und er hat auch gar nichts mit Rassismus oder Gewalt zu tun. Der Grat hinüber zum Nationalismus ist dennoch sehr schmal.

 

Was ist Patriotismus?

Laut der Erklärung auf politik-lexikon.at bedeutet Patriotismus/Vaterlandsliebe, die Liebe zum eigenen Land, zur Geschichte, zur Kultur, zum politischen System, zur Landschaft, usw. Ein Patriot steht also seinem Land bei und pflegt eine emotionale Bindung dazu. Im Prinzip, kann sich jeder Patriot nennen, der im Garten eine Schweizerfahne wehen hat oder an besonderen Anlässen ein rot, weisses T-Shirt mit einem Schweizerkreuz an der Brust trägt. Diese zwei Punkte beispielsweise, da gibt es daneben natürlich noch ganz viele mehr, drücken eine solche Liebe zum Vaterland aus, auch wenn wir das zunächst vielleicht nicht einmal bemerken. Das alles hört sich also überhaupt nicht tragisch an. Warum aber steht dann der Patriotismus in einem solch schlechten Licht?

 

Der schmale Grat

Der Grund, weshalb sich immer weniger Menschen offiziell zum Patriotismus bekennen, ist die Verwechslung mit dem Nationalismus. Der Nationalismus entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts während dem Ausbruch der französischen Revolution. Er breitete sich über ganz Europa aus und war Teilverantwortlicher für den Ausbruch des 1. Weltkrieges, mehr als 100 Jahre später. Anders als beim Patriotismus wird beim Nationalismus die eigene Nation über alle anderen Nationen gestellt. Somit gilt das eigene Volk für Nationalisten als das einzig Richtige, was zur Ausgrenzung und Verachtung gegenüber Minderheiten und anderen Nationen führt. Beim Patriotismus aber wird die Liebe zum Vaterland gezeigt, dabei werden aber keine anderen Völker verachtend dargestellt oder ausgegrenzt. Sobald also mit dem Patriotismus übertrieben wird und von einer Ausgrenzung von Minderheiten oder anderer politischer Unkorrektheit die Rede ist, überschwappt die Vaterlandsliebe in den Nationalismus.

 

Die «falschen» Patrioten

Im November letzten Jahres wurde Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Ein Mann, der sich in seiner ersten Rede als Präsident mit folgendem Satz als Patriot betitelte: «Wenn man sein Herz dem Patriotismus öffnet, dann gibt es keinen Platz für Vorurteile.» Ein eigentlich korrekter Satz. Nur leider vom falschen Mann ausgesprochen. Staatschefs, die ein Einreiseverbot für Muslime einführen wollen oder vorhaben, eine Mauer zu bauen, damit keine Mexikaner mehr in ihr Land einreisen können, sind keine Patrioten.

Genauso wenig wie Politiker aus der AfD, welche ihr Parteiprogramm als «gesunden Patriotismus» betiteln. Ihre Auffassungen, was Patriotismus ist, ist eine komplett falsche und rückt nur alle «richtigen» Patrioten in ein schlechtes Licht.

 

Warum uns Patriotismus gut tut

Patriotismus stärkt das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt eines Landes. Besteht Vaterlandsliebe, besteht auch ein Wille, das Land voranzutreiben und aufzubauen. Ausserdem gibt es der eigenen Identität halt. Durch Gemeinschaftsgefühl und dem Bewusstsein, einer Gemeinschaft anzugehören, entsteht ein sicherer Boden der Identität. Gleichzeitig kann dies auch bei der Integration von Migrantinnen und Migranten helfen. Und bestimmt gibt es Meilensteine in der Geschichte oder Dinge in der Kultur, die einem als Schweizer/Schweizerin einfach aufblühen lassen und das Gefühl geben, zu sagen: «Ach, ich bin einfach stolz darauf, Schweizer zu sein.»