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Alle über 18-jährigen Bürger der Schweiz kennen die Situation aus eigener Erfahrung: Kaum hat man die neuerworbene Volljährigkeit gebührend gefeiert, flattert schon das Armeeaufgebot ins Haus. Nun gilt es sich zu entscheiden, ob man den Militärdienst tatsächlich leisten möchte oder doch den Zivildienst bevorzugt. Seit der Abschaffung der Gewissensprüfung im Jahr 2009 interessieren sich immer mehr junge Männer für den zivilen Dienst. Dies ist der Armee und dem Bundesrat schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Nun hat der Ständerat beschlossen, mit sieben Massnahmen die Attraktivität des Zivildienstes zu verringern.

Die neue Reihe auf Tize.ch «#porträtiert» geht heute in die erste Runde. Von heute an folgt jeden zweiten Montag ein neues Porträt über eine Person. Der Anfang macht der 19-jährige Valentin Sollberger, ein leidenschaftlicher und engagierter Musiker. Vom Knabenchor bis hin zu einer Pop-Rock Band, Valentin ist in den verschiedensten Bereichen der Musik tätig. Wie er zur Musik kam und was seine Pläne und Ziele sind – alles in der ersten Ausgabe von #porträtiert.

Ich treffe Valentin an einem seiner Lieblingsorte in der Stadt Solothurn – die Barock Bar am sogenannten «Mürli». Die Sonne verschwindet bereits hinter dem Horizont und die Stühle der Bars am Ufer der Aare füllen sich mit Leuten, die sich an diesem Donnerstagabend zu einem Feierabendbier treffen, wie auch wir zwei. Bei einem gemütlichen «Öufi-Bier», Valentins Lieblingsbier, erklärt er, dass er einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich habe. Nach den neun obligatorischen Schuljahren absolvierte Valentin die Fachmittelschule, anschliessend die Fachmatur und leistet seit dem Sommer diesen Jahres Zivildienst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn. «Es ist eine enorme Umstellung, plötzlich jeden Wochentag zu arbeiten. Dennoch bereitet mir die Arbeit grosse Freude und ich bin froh, mich für diesen Weg entschieden zu haben», bemerkt er.

 

In die Musik «hineingeboren worden»

Als jüngster Sohn einer Grossfamilie mit insgesamt acht Kindern, wurde Valentin bereits in eine musikalische Familie hineingeboren. Besonders seine Mutter prägt das Musikalische. «Sie spielt Gitarre und Klavier und ist Musiklehrerin», erklärt er. Bei den Solothurner Singknaben konnte Valentin das erste Mal so richtig in der Musik Fuss fassen. Bereits sein ältester Bruder war beim Chor dabei, darauf folgte ein weiterer Bruder, sowie der Zweitjüngste der Familie und schlussendlich Valentin selbst, der den Singknaben beitrat.

 

Musikalische Erfüllung bei den Singknaben

«Bei den Solothurner Singknaben mit dabei zu sein, ist für mich enorm erfüllend», beschreibt Valentin seine Mitgliedschaft beim ältesten Knabenchor der Schweiz. Nebst dem Singen treffen sich die Mitglieder regelmässig am Wochenende, gehen gemeinsam in Lager oder auf Reisen in Länder in ganz Europa. Die Proben finden zwei Mal pro Woche statt. «Es ist ein zeitintensives Hobby», gesteht er. Trotzdem bringe es Abwechslung in den Alltag. «Ich freue mich immer wieder, die Menschen zu sehen, mit denen ich seit meinem siebten Lebensjahr zusammen singe», beschreibt Valentin seine Gefühle zum Chor. Er betont, dass bei den Singknaben nicht nur das Musikalische einen grossen Stellenwert hat, sondern dabei auch wunderbare Freundschaften entstehen und er vom musikalischen, wie auch vom menschlichen, sehr viel mitnehmen kann. Seinen Platz im Chor findet Valentin in der Tenorstimme. Zudem ist er in der Lagerleitung bei den diversen Lagern tätig und vertritt somit eine Vorbildsfunktion für die jüngeren Mitglieder.

 

Sounden im «Chinderzimmer»

Neben all seinen Aufgaben bei den Singknaben betreibt Valentin einen YouTube-Kanal mit dem Namen «Chinderzimmersound», auf dem er eigene Lieder unter dem Künstlernamen «sAig» veröffentlicht. Dabei benutzt er vor allem sein Klavier zur Begleitung, welches er seit der zweiten Klasse spielt. Sein Studio ist sein altes Kinderzimmer, daher der Name «Chinderzimmersound». Er wollte seine beiden Leidenschaften, das Singen und das Klavierspielen, vereinen und dabei etwas Neues entstehen lassen. «Meine ersten Versuche waren ziemlicher Mist», gibt er lachend zu. Doch mittlerweile sieht er seine Produktionen als fortgeschritten und ist ziemlich zufrieden mit seinen Liedern. Das Einzige, was er selbst noch bemängelt, ist die Soundqualität. Diese spiele aber für Valentin keine allzu wichtige Rolle, da es ihm vor allen Dingen um den Spass an der Musik geht.

 

Valentin lässt sich in keine Schublade stecken

Die Bedeutung seiner Texte geht weit auseinander, wie Valentin sagt. «Ich versuche nichts Künstliches zu singen. Die meisten meiner Texte sind sehr persönlich und basieren auf Gedanken und Überlegungen, die ich habe. Somit verbinde ich mit der Musik auch sehr viele Emotionen, egal ob diese positiv oder negativ sind», erklärt Valentin. Nach ihm gibt es aber manchmal auch Lieder, die nicht wirklich einen Sinn ergeben. Er sei nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt und müsse daher nicht zwingend allen seiner Texte Bedeutung verleihen, anders als beispielsweise beim Rap. «Im Rap ist es essentiell, Texte mit Bedeutung zu haben. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste an dieser Musikrichtung und geht heute leider auch immer mehr verloren», so Valentin. Auch mit Rap hat sich Valentin versucht, schnell aber bemerkt, dass ihm dieses Genre nicht wirklich zusagt. Er mache im Grunde ein wenig von allem etwas und probiere gerne neue Arten und Genres der Musik aus. «Ich lasse mich nicht in irgendeine Schublade einer Musikkategorie stecken», sagt er.

 

«Wir machen das, worauf wir Lust haben»

Dieses Motto zieht Valentin auch in der neuen Band «Blindtext» durch, in welcher er als Backgroundsänger und Pianist tätig ist. Auch hier lässt sich Valentin von einem seiner älteren Brüder inspirieren, welcher das Projekt ursprünglich gegründet hatte. Das Genre der Band ist verschieden. «Wir behandeln nicht nur einen Stil, gehen aber etwa in die Richtung Pop-Rock, sind aber in mehreren Bereichen der Musik tätig. Das ist gerade das Spassige an der ganzen Sache, dass wir uns immer wieder mit neuen Kompositionen auseinandersetzen müssen und wir uns selbst nicht wirklich einordnen können. Schlussendlich kann man sagen, dass wir einfach das machen, worauf wir Lust haben», sagt Valentin lächelnd und trinkt den letzten Schluck seines Biers aus. Den ersten Auftritt darf die Band am neunten Oktober in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn bestreiten.

 

Musik versus Realität

Neben seinem Engagement im Chor, in einer Band und als Solomusiker, behandelt Valentin seine Leidenschaft auch in einem Roman. «Die Musiker und die Realität» handelt von einer Person, welche in einen neuen Ort zieht, sich dort Freundschaften aufbaut und mit denen dann eine Band gründet. Die Geschichte sei nicht nur auf die Musik fokussiert, sondern soll vor allem den Zwiespalt zwischen grossen Träumen und der manchmal hart zuschlagenden Realität darstellen. «Die Band wird in der Geschichte mit den verschiedensten Problemen und Herausforderungen konfrontiert, manchmal inspiriert durch eigene Erfahrungen, die ich im Leben so mache. Ich schreibe sehr gerne über solche Dinge und finde es auch wichtig, dass man seine Erfahrungen und Ansichten irgendwie mit der Gesellschaft teilen kann», ergänzt Valentin. Kennt man ihn etwas genauer, kann man die persönliche Note durchaus aus seinem Roman herauslesen.

 

Und so geht es weiter…

«Man kann sich sicher auf unsere Band «Blindtext» freuen. Wie schon gesagt, werden wir am neunten Oktober in der Kulturfabrik Kofmehl auftreten. Generell plane ich nicht wirklich viel vor. Ich mache Musik, wenn ich gerade Lust und Zeit dazu habe. Der Roman «Die Musiker und die Realität» ist bereits auf Wattpad lesbar, dort folgen die nächsten Kapitel wieder etwas regelmässiger», sagt Valentin. Mit den Singknaben darf er sich zudem auf das Bettagskonzert in der Jesuitenkirche in Solothurn am 14. September freuen. Abschliessend bemerkt er: «In nächster Zeit wird mir bestimmt nicht langweilig.»

 

Mehr Informationen:

Valentins YouTube Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCOgJU2uUqcQmyt2NqgNntYwValentins Roman auf Wattpad.com: https://www.wattpad.com/story/182699242-die-musiker-und-die-realit%C3%A4t

Acht Bands und ein Ziel: Sie alle stehen im Finale des diesjährigen „Band-it“ Bandcontests und führen einen musikalischen, leidenschaftlichen Kampf um den ersten Platz.
Am Samstag, 10. August war es soweit. Die Gewinner des „Band-it“ wurden gekürt. Zum 30. Mal fand das Zürcher Nachwuchsband-Festival statt, wie die letzten Jahre an den Winterthurer Musikfestwochen. Grund zum Feiern gab nicht nur dieses runde Jubiläum, sondern gaben auch die acht Bands, die mit ihrer Bühnenpräsenz das Publikum vom Boden rissen.

Seit dem Jahre 1906 machen junge Schweizerinnen und Schweizer in der Partei der JungsozialistInnen der Schweiz (JuSo) Politik und erfreuen sich an immer grösser werdendem Nachwuchs. Die JuSo Solothurn hat vor knapp zwei Monaten eine neue Präsidentin erhalten. Die 19 Jahre junge Aileen Jenni ist in ihrer noch frischer Amtszeit beim Parteigeschehen bereits «voll dabei» und steckt voller Ideen und Tatendrang.

Immer wieder hört man die Begriffe «bünzli» oder «Bünzlischwizer». Was bedeuten diese Wörter? Wie entwickeln wir uns und das Zusammenleben innerhalb der Schweizer Gesellschaft? Woher kommt dieses «bünzlihafte»? Eine Analyse über den «Bünzli» in uns.

Wir Schweizerinnen und Schweizer seien verknorzt, abgestumpft, zu ernst, sind sture Einzelkämpfer*innen oder haben unseren Kopf nur bei der Geldbörse. Heute gibt es für diese Klischees eine einfache Bezeichnung: «Bünzli», oder zu Deutsch «Spiessbürger». Tize.ch hat zu diesem Thema eine Gruppe von Jugendlichen aus dem Raum Solothurn befragt, wie unsere Gesellschaft in den Augen junger Menschen wahrgenommen wird.

 

Die Schweiz im Vergleich

Doch vorab die Frage: Wie steht die Gesellschaft der Schweiz im internationalen Vergleich da? Die Bertelsmann-Stiftung hat einen Gesamtindex mit über 30 Ländern erstellt, der im Zeitraum von 2009-2012 aufweist, wie sich die Gesellschaft in den Punkten «soziale Beziehungen», «Verbundenheit» und «Gemeinwohlorientierung» sieht. Besonders auffallend sind dabei die skandinavischen Staaten, die in allen Bereichen sehr gut abgeschnitten haben. Auch die Schweiz darf sich mit dem neunten Platz durchaus zufriedengeben. Einzig allein beim Punkt «Akzeptanz von Diversität» schneidet die Schweiz etwas «bünzlig» ab.

 

Die Sache mit der Offenheit

So ziemlich alle der befragten Personen finden, dass die Schweizer Bevölkerung noch ein wenig an ihrer Offenheit arbeiten könnte. Auch sie selbst bezeichnen sich in diesem Punkt als besonders «bünzlig». Dabei geht es nicht nur um die Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Religionen, etc., sondern auch um die Bereitschaft, im Alltag auf fremde Menschen zuzugehen und sich auch einmal mit Leuten zu unterhalten, die man nicht kennt. Hingegen zeigt sich in der Umfrage: Eher die älteren Menschen werden als weniger offen empfunden, was nach den Aussagen mit den Unterschieden in der Erziehung zwischen früher und heute erklärbar ist.

 

Liberalismus herrscht vor

Generell wird bei den jungen Leuten gemäss der Umfrage eine Generationslücke zwischen Konservatismus und Liberalismus festgestellt. Wie eine befragte Person die Situation einschätzt, denke die jüngere Bevölkerung der Schweiz im Grossen und Ganzen freier und liberaler als die älteren Generationen, welche eher auf Traditionen beharren. Trotzdem wird von den Befragten wahrgenommen, dass zwischen Jung und Alt eine grosse Toleranz herrscht und andere Meinungen durchaus respektiert werden.

 

Der urschweizerische Grundgedanke

Ein grosser Teil der Befragten nimmt also die Menschen in der Schweiz als eher verschlossen war. Woher könnte das kommen? Wie kann es sein, dass der Grossteil eines Landes so geprägt ist? Nach der Antwort eines Befragten ist dies einfach zu erklären. Die Schweiz habe sich seit ihrer Gründung im Jahre 1291 gegen die grossen Reiche behaupten, selbst organisieren und ernähren müssen. Durch die geographische Lage war die Schweiz im Laufe der Geschichte immer wieder abgeschottet und auf sich alleingestellt. Durchaus möglich also, dass dieser Charakter über die Jahre unsere Persönlichkeiten geprägt haben könnte. Trotzdem ist dies aber nur eine Theorie.

Die junge Bevölkerung sieht bestehende Generationslücken zwischen Jung und Alt und erkennt, dass wir Menschen in der Schweiz eher verschlossen agieren. Auf die Frage hin, wie man etwas daran ändern könnte, haben alle Befragten geantwortet: «Mehr mit offenen Augen durchs Leben gehen, mehr Rücksicht auf andere Menschen nehmen und alles ein wenig lockerer sehen.» Vorsätze, die sich bestimmt Jede und Jeder von uns vornehmen kann. Eine befragte Person findet, dass das Leben viel spannender sein kann, wenn man versucht, etwas mehr über den eigenen «Tellerrand», den eigenen Horizont zu blicken. Dennoch ist Jeder und Jedem selbst überlassen, wie der «Bünzli» in einem selbst ausgelebt wird. Schlussendlich ist es nicht immer negativ, etwas bünzlig zu sein.

Der typische Mitteleuropäer hat in der vergangenen Woche nicht nur am Limit gelebt, sondern auch am Limit geklebt. Zumindest, wer kurze Hosen trug, eine sitzende Tätigkeit verübte und dabei durchschnittlich viel schwitze, obwohl man sich praktisch gar nicht bewegte. Sie war unausweichlich und wahrscheinlich Thema Nummer eins: Die grosse Hitzewelle.