Mit einem Interview über den 26-jährigen Redaktor Nourdin Khamsi geht die Interviewreihe «SO geht Musik!» in die letzte Runde. Nourdin wirkt bereits von klein auf als aktives Mitglied bei den Solothurner Singknaben mit. Seit dem Jahre 2015 führt er den Verein erfolgreich als Präsident. Der «El Presidente» des ältesten Knabenchors der Schweiz über seine Erfahrungen und Ziele im Verein.

«Mir geht es blendend», antwortet Nourdin strahlend auf die Frage, wie es ihm in der näher rückenden, stressigen Weihnachtszeit erging. Den seit 742 n. Chr. existierenden Solothurner Singknaben steht eine kräftezehrende Zeit bevor. «In der Weihnachtszeit ist bei uns immer viel los. Dies erfordert von jedem einzelnen Mitglied höchste Hingabe», meint Nourdin.

Nourdin, welche Verbindung pflegst du zur Musik?

«Der Beginn meiner musikalischen Karriere ist bis zu meiner Kindheit zurückzuführen», erklärt Nourdin. Seine Eltern pflegten das Singen und das Spielen von einzelnen Instrumenten schon damals im Hause der Familie. «Ich war praktisch immer mit der Musik konfrontiert. Als ich dann mit sieben Jahren den Solothurner Singknaben beitrat, öffnete sich die Welt der Musik neu für mich. Vor allem, weil ich als kleiner Junge noch nicht so den Draht zu klassischem Gesang hatte. Es ist nicht zwingend, dass wir das Musikgenre unserer Lieder auch sonst hören. Es ist nur wichtig, dass wir Freude am Singen selbst haben, egal welches Genre es betrifft.»

Wie bist du zu den Solothurner Singknaben gekommen?

«Ein Teil der damaligen Männerstimmen besuchte in der ersten oder zweiten Primarschule unsere Klasse. Sie stellten uns den Verein näher vor und sangen uns ein paar Lieder. Am Schluss wurde in die Runde gefragt, wer Interesse hätte, bei den Singknaben mitzusingen. Da habe ich natürlich sofort die Hand gehoben.» Seinen Eltern habe Nourdin vorher nichts darüber berichtet. «Meine Mutter erhielt dann eines Tages einen Anruf der verantwortlichen Person, welche ihr mitteilte, dass ich herzlich dazu eingeladen wäre, an einem Informationsnachmittag des Chores teilzunehmen.

Diesen Informationstag besuchte Nourdin zusammen mit weiteren Interessenten. Selbstverständlich musste er dort auch Vorsingen. Am Schluss wurde dem einen Teil der Gruppe CD`s verteilt. «Wie sich herausstellte, bekamen diejenigen eine CD, welche für den Chor ausgewählt wurden», sagt Nourdin stolz.

Du bist nun seit knapp vier Jahren Präsident der Solothurner Singknaben. Wie hast du dich bis zu dieser Position hocharbeiten können?

«Wie man in den Wald ruft, so klingt es auch zurück», sagt Nourdin. Damit meint er, dass wenn man sich für den Verein hingibt und Arbeit leistet, auch vom Verein und den einzelnen Mitgliedern etwas zurückkommt. Sei es beim Singen oder beim Engagement neben dem Singen. «Ich bin eigentlich in diese Position hineingerutscht. Bereits bei meinem Einsatz in den Lagern als Hilfsleiter bekam ich grosse Freude am Leiten und Organisieren. So erhielt ich von Zeit zu Zeit immer mehr Verantwortung. Dann folgen viele weitere Aufgaben, wie beispielsweise die Gruppenleitung in Lagern, die Hauptlagerleitung der grossen Lager, die wir alljährlich haben, die Position als Vorstandsmitglied und auf einmal entstand die Diskussion, unsere ehemaligen Präsidenten abzulösen. Diese waren vor mir 14 Jahre im Amt tätig. Hauptsächlich kam das aber durch unseren Chorleiter Andreas Reize zu Stande, als er mich darauf ansprach und fand, das Amt wäre etwas für mich.» Wichtig war Nourdin auch, dass er den Rückhalt bei seinen Chorfreunden fand. «Schliesslich ist es schon etwas spezieller, wenn plötzlich ein guter Freund aus den Reihen Präsident wird», meint er.

Was zeichnet deiner Meinung nach den Verein am meisten aus?

«Unser Verein besitzt etwas, was meiner Meinung nach kein anderer Verein bieten kann. Wir haben innerhalb des breiten Altersspektrum eine sehr enge Zusammenarbeit. In anderen Vereinen gibt es verschiedene Kategorien, in welche die Altersstufen eingeteilt sind. Im Fussball hat man beispielsweise die F-Junioren, die C-Junioren, etc. In einem Chor hat man das nicht. Wir singen alle zusammen und ergänzen uns. Dies schweisst innerhalb des Vereins enorm zusammen.»

Welche Aufgaben hast du als Präsident zu bewältigen?

«Auf Papier, also offiziell, leite ich Vorstandssitzungen, Generalversammlungen und bin sozusagen Ansprechperson für verschiedene Bereiche. Das für mich am wichtigsten aber, steht nicht auf dem Papier. Ich muss eine Art Bindeglied sein. Wir haben die verschiedensten Gruppen von Menschen, die entweder innerhalb des Vereins tätig sind oder von aussen einwirken. Damit sind im Chor die Kinder und die Männerstimmen gemeint, daneben die Eltern der Sänger, die musikalische Leitung, der Nachwuchs, die Kirchgemeinde und deren Verwaltung, sowie auch die Stadt Solothurn und diverse Sponsoren. Meine Aufgabe ist es, die Verbindungen zu den einzelnen Organen beizubehalten und die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Dabei ist es wichtig, dass alles funktioniert. Denn wenn dem so ist, ist es auch besser möglich, sich weiter zu entwickeln und Fortschritte zu erzielen.»

Was würdest du sagen, ist bis jetzt die grösste Leistung, die der Chor erbracht hat?

«Eine schwierige Frage», sagt Nourdin und lacht. «Letztes Jahr erhielten wir vom Regierungsrat Solothurn den Preis für Musik, eine für uns sehr wichtige Auszeichnung. Im Schreiben des Regierungsrates stand «Eine Auszeichnung Ihres Schaffens». Mit «Ihres Schaffens» verbinde ich nicht nur die musikalische Leistung, die wir in den letzten Monaten und Jahren erbracht haben, sondern auch unsere Arbeit als Verein selbst. Dies war für uns alle ein Zeichen, dass unsere grossen Konzerte, die wir teils sogar mit einem spitzen Orchester abhalten, beim Publikum enorm Anklang finden.»

Bei einem solch erfolgreichen Verein ist es klar, dass es manchmal auch Misserfolge oder Rückschläge gibt. Wie verarbeitet ihr das?

«Von Grund auf bin ich ein positiv und optimistisch eingestellter Mensch. Das Amt, diesen Verein als Präsident zu leiten, bringt mich ab und zu auf verschiedenen Ebenen an meine Grenzen. Es ist eine Arbeit, die auf Ehrenamtlichkeit basiert. Dies funktioniert nur, wenn in einem auch ein unglaubliches Feuer brennt. Als Präsident muss ich zu 100% zu meinem Verein stehen können und mir auch die Zeit nehmen Arbeit zu leisten. Ich bin der Überzeugung, solange das Positive überhand hat und dieses Feuer brennt, kommt man mit jedem Misserfolg klar. Es gibt Misserfolge, beispielsweise wenn ein Konzert schlecht besucht ist. Dennoch gilt, immer das Beste aus der Situation zu machen. Negative Rückschläge gibt es in meiner Sicht nicht.»

Was erwartest du in Zukunft vom Verein?

«Ich erhoffe mir, wie vorher schon erwähnt, dass ich weiterhin ein Echo erhalte, wenn ich in den Wald rufe. Heisst, wenn man Engagement hineingibt, auch Engagement zurückerhält. Wir sind eine großartige Gruppe, mit Leuten, die interessiert, begabt und motiviert sind. Ich arbeite auf das Ziel hin, dass wenn ich einmal nicht mehr als Präsident tätig bin, das so weiterläuft. Es tut mir gut zu wissen, dass meine Chormänner gute Arbeit leisten, Freude haben und erfolgreiche Konzerte leisten.»

Wie lange denkst du, bleibst du den Sinknaben noch als Präsident erhalten?

«Ernsthaft?», fragt Nourdin und lacht. «Um ehrlich zu sein, weiss ich nicht, ob ich gleich 14 Jahre mache, wie meine Vorgänger. So genau kann ich diese Frage nicht beantworten. Was ich aber bereits sagen kann ist, dass mein letztes Konzert das Weihnachtsoratorium im Jahre 2019 sein wird, jedenfalls als aktiver Sänger. Als Präsident möchte ich hingegen schon noch einige Jahre wirken, gerade weil ich noch so grosses Potenzial und Steigerungsmöglichkeiten in unserem Chor sehe. Ich sehe das als eine Art «Lauf», dem wir uns in letzter Zeit erfreuen dürfen.»

Vor allem in der Weihnachtszeit hat euer Chor ein dichtes Programm. Auf was kann man sich in der nächsten Zeit freuen?

«Momentan proben wir gerade für das grosse Weihnachtsoratorium von Johannes Sebastian Bach, welches am 15. und 16. Dezember stattfindet. Speziell daran ist, dass wir am 15. Dezember am Tag ein Konzert präsentieren werden, welches extra für unseren Chor geschrieben wurde. Dabei handelt es sich um ein interaktives Weihnachtsoratorium für junge Ohren. Auch auf das alljährliche Weihnachtssingen am 23. Dezember kann man sich freuen. Dies findet in der St. Marienkirche der Weststadt statt und dient auch dazu, dass das Publikum aktiv mitsingen kann. Zudem kommt die Lancierung unserer neuen CD, welche auf den 1. Advent erscheint. Zu dieser CD kommt man entweder über den Onlineshop auf unserer Homepage, durch das Anschreiben über unsere E-Mail-Adresse oder man besucht das Konzert.»

Vielen Dank Nourdin, für das spannende Gespräch.

Mehr Informationen:

https://www.singknaben.ch/

 

SO geht Musik! – In dieser Kurzreihe auf Tize.ch werden innerhalb des Monats November 4 Musiker aus der Stadt Solothurn und ihrer Umgebung interviewt oder porträtiert. Jeden Montag im November erscheint ein neuer Beitrag der Reihe.

Teil 1 der Reihe „SO geht Musik“ vom 05.11.18: So geht Musik! – Gesang im besonderen Stil

Teil 2 der Reihe „SO geht Musik“ vom 12.11.18: So geht Musik! – Eine Mischung aus Leidenschaft und Tatendrang

Teil 3 der Reihe „SO geht Musik“ vom 19.11.18: So geht Musik! – „Hip-Hop ist wie eine Ekstase für mich“

Geschrieben von:

Fachmann I+D in Ausbildung, Schreiberling: Auf tize.ch in der Montagsausgabe zu finden, sowie auf www.wattpad.com unter dem Pseudonym "Cyrill.P.Kerry".

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