Direkt, unkompliziert und locker. Das ist Chelly, wenn sie auf ihrem Blog über Sex schreibt. Doch wer steckt wirklich hinter dem Blog chellyalicia.com und was denkt sie über Selbstbefriedigung?

Quelle: https://www.instagram.com/chellyalicia/

Stell dich doch mal vor. Wer bist du und was machst du beruflich?

Hey, ich bin Chelly, 28 Jahre alt und arbeite tagsüber in einem Büro. Wenns nach mir ginge, dann würde ich ausser Schreiben und Musik nichts anderes machen, aber bis das läuft muss man eben tun, was man tun muss. Mein Job und mein Chef sind allerdings super, deswegen ist das alles andere als schlimm.

Im Moment arbeite ich an meinem ersten Musikvideo. Nach 12 Jahren (ja so lange mache ich das schon) hab ich mich jetzt für einen Song entschieden, der mir sehr am Herzen liegt, den ich sehr fühle und der auch andere motivieren und ermutigen soll. Das Video kommt vermutlich Ende Januar und wird dann auch auf Spotify etc. Verfügbar sein.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen Blog zu starten?

Für mich hat sich mit Ende 27 plötzlich meine ganze Einstellung zu Sex verändert.
Als ich meine ersten Erfahrungen gesammelt hab, wurde man direkt immer als Schlampe abgestempelt und das ist bei mir leider einfach so hängengeblieben.
Plötzlich kam ich an einen Punkt, an dem ich verstanden habe, dass niemand mich verurteilt, ausser mir selbst. Und selbst wenn… wieso sollte ich dem dann irgendwie Bedeutung geben?

Sex ist etwas Schönes und zudem die natürlichste Sache der Welt.

Naja und mit dieser neuen Einstellung, kam die Neugier und so ging die Recherche los.
Dabei ist mir leider recht schnell aufgefallen, dass es zum Thema Sex oft dieselbe Art von Artikel gibt: entweder wird mit Begriffen aus dem Sexualkunde Unterricht um sich geschmissen, die Sex so dermaßen langweilig erscheinen lassen, dass das Interesse quasi ganz von alleine verschwindet oder es sind Artikel, die schon mehr in die Softporno Richtung gehen.
Das Ding war einfach – ich hab mich von nichts davon so richtig angesprochen gefühlt. Also blieb statt rumnörgeln eigentlich nur ‚selbst schreiben‘ als Alternative und hier sind wir.

Was bedeutet SEX für dich?

Seit ich Sex so richtig geniessen kann, bedeutet Sex vor allem Spass. Früher ging’s mir oft nur darum den anderen zufriedenzustellen, heute hol ich mir genauso was ich will und dadurch hab ich mich auch selbst viel besser kennengelernt.
Sex ist aufregend und kann dich die Zeit komplett vergessen lassen und wenn es wirklich richtig läuft kann Sex ziemlich magisch sein.

Beschreibe Sex in drei Worten: „Spass. Leidenschaft. Energie.“

Quelle: unsplah.com

Inwiefern könnten deine Texte bei der Aufklärung von jungen Erwachsenen helfen?

Ich versuche mit dem Thema einfach anders umzugehen. Sex wird so oft als etwas Verwerfliches, Schmutziges dargestellt über das man nicht reden darf, dabei hat so gut wie jeder Sex. Dieser veraltete Schreibstil, der teilweise in Artikeln benutzt wird ist einfach nicht mehr zeitgemäss und unsexy Wörter wie „Skrotum“ oder „Klitoris“ machen dieses Thema nicht unbedingt attraktiver. Dem will ich entgegenwirken.
Gerade bei jungen Erwachsenen finde ich es wichtig dass man aufklärt, sodass sie wissen was sie da tun, was sie tun sollten und was sie tun könnten anstatt ihnen nur immer weiter das Gefühl zu geben sie sollten sich für ihre Neugier und den natürlichen Drive schämen.
Weniger Verurteilen, mehr Klarheit und Akzeptanz schaffen und das nicht durch erhobenen Zeigefinger sondern auf Augenhöhe.

Ich wäre gerne mit 18 schon so cool mit mir selbst gewesen wie jetzt, aber das hat eben gedauert. Immer wieder weitermachen!

Selbstbefriedigung bei Frauen. Ein Tabu oder nicht. Wie siehst du das?

Das grösste Problem sitzt bei den Menschen im Kopf, die Einstellung zu diesem Thema. Oft ist das ja nicht mal die Eigene, sondern die, die man von aussen übernommen hat. Ich kenne nicht viele Leute, die von ihren Eltern zur Selbstbefriedigung ermutigt wurden, eher andersrum. „Das macht man nicht“ hat man glaube ich öfter gehört und wenn man sich das immer wieder selbst einredet, dann ist eine gewisse Scham logisch. Aber wenn man sich mal vor Augen hält, dass die Pornoindustrie mehr Umsatz macht als Hollywood, dann wird schnell klar, dass es sich wohl doch mehr Leute selbst machen als gedacht.
Und diese Angst von Männern vor weiblicher Befriedigung, ist einfach nur so ein Ego- Unsicherheits-Ding. Als Mann wird man oft nur nach Leistung beurteilt und natürlich will man dann auch seine Lady befriedigen können. Wenn sie selbst das hinkriegt, aber man(n) nicht, dann ist das ein beschissenes Gefühl und dann werden manche Jungs eben
seltsam.
Da hilft nur klare Kommunikation – sich gegenseitig sagen was man will.

Ausserdem sind Sex Toys  klasse. Ganz egal ob man sie für sich alleine oder zu Zweit benutzt, kann man dadurch immer wieder Abwechslung ins Schlafzimmer bringen. Und man bekommt seltener Krämpfe in den Handgelenken, also tut man ja quasi auch was für seine Gesundheit (hahaha)

Da ist es eben wichtig, dass wir auch mal an uns selbst rumspielen um rauszufinden was es ist dass wir mögen und wollen.

Du hast gerade die Pornoindustrie erwähnt.  Gibt es etwas, dass dich in unserer Gesellschaft stört, was Pornografie anbelangt?

Pornografie macht jeden Tag, alleine in Deutschland, Umsätze im zweistelligen Millionenbereich… aber keiner schaut Pornos. Irgendwie geht die Rechnung ja nicht auf. Ich selbst schau ständig Pornos, zum einen aus Recherche-Gründen, zum anderen weil ich eben auch eine Frau bin die sich selbstbefriedigt (aber ich bin sicher nicht die
Einzige die den Umsatz nach oben treibt). Ich finde man kann von Pornos lernen, allerdings auch viel blöden Scheiss.
Pornos verbreiten viel Irrglaube darüber dass jede Frau bzw. jeder Kerl gleich funktioniert und das ist eben einfach nicht so.

Quelle: unsplash.com

Früher hat man das nicht gemacht!“ „Früher wäre das eine Schande gewesen“
Früher, früher… Welche Gedanken kommen dir zu diesen Aussagen in den Sinn?

Früher gab’s auch keine Toiletten und trotzdem findet’s jeder toll dass nicht alle auf die Strasse machen.
Wir leben nicht mehr im Früher sind sondern im Jetzt. Früher hatte man in erster Linie Sex um sich fortzupflanzen aber so ist das heute nicht mehr. Die Welt und wir Menschen verändern uns doch ständig, also schon klar, dass manche Denkweisen nicht mehr zu uns passen. Jeder darf denken was er möchte und ich zwinge niemanden so mit Themen umzugehen wie ich, es wäre aber trotzdem schön wenn wir anfangen würden unsere eigene Meinung
nicht immer als die einzig wahre und unseren eigenen Weg als den einzig richtigen zu sehn und alles andere zu verurteilen.

Nur weil etwas für jemand anderen normal ist, bedeutet das nicht, dass das für uns selbst auch normal sein muss. Das gilt für Sex aber auch für alles andere.

Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt – lass es bleiben und wenn doch – mach mehr davon!

Wo stimmst du Chelly zu, wo nicht? Lass es uns in den Kommentaren wissen. Möchtest du auch in Zukunft Artikel rund ums Thema Sex lesen?

Geschrieben von:

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