Ich bin wütend.

Ich bin wütend, dass ihr über meinen und den Körper von Milliarden anderen Frauen verfügen wollt. Ich bin wütend, weil ihr mir verbieten möchtet, für mich selber zu entscheiden. Ich bin wütend, da ihr wichtige Entscheidungen über meinen Körper treffen möchtet, ohne mich bei diesen miteinbeziehen zu wollen. Und ich bin wütend, dass ihr zum Teil erfolgreich seid. Dass mir das Recht auf eine Abtreibung, eine Entscheidung über meinen Körper, in gewissen Ländern weggenommen wird. Weil ihr denkt, ihr wüsstet es besser. Aber das tut ihr nicht.

Obwohl Alabama kilometerweit von mir entfernt ist, bin ich wütend. Ich denke an all diese Frauen, für die eine Entscheidung getroffen wurde. Von 25 Männern. 25 Männern, die nie schwanger sein werden. 25 Männern, die nie in der Situation sein werden, ein Kind in sich zu haben, welches sie nicht möchten. 25 Männer, die sich niemals die Frage stellen müssen, ob sie eine Abtreibung in Erwägung ziehen wollen. 25 Männer, die von ungewollten Schwangerschaften keine Ahnung haben und trotzdem meinen, darüber entscheiden zu können.

Niemand treibt einfach so ab. Keine Frau, die sich zu diesem Schritt entschliesst, tut dies, ohne sich vorher darüber ausreichend Gedanken zu machen. Wer abtreibt, hat einen Grund. Vielleicht wurde diese Frau missbraucht und möchte nicht das Kind ihres Vergewaltigern zur Welt bringen. Vielleicht würde eine Geburt ein zu grosses gesundheitliches Risiko für sie darstellen. Vielleicht ist sie zu jung oder finanziell nicht in der Lage, ein Kind grosszuziehen. Oder sie ist einfach grundsätzlich nicht bereit für eine Schwangerschaft. Es gibt sehr viele Gründe, weshalb sich eine Frau für eine Abtreibung entscheidet und keiner dieser Gründe sollte mehr oder weniger gewichtet werden. Denn der Grund war gross genug, um sich trotz euren ständigen Vorwürfen dafür zu entscheiden.

Ihr versteht einfach nicht, dass eine Illegalisierung Abtreibungen nicht verhindern wird. Abtreibungen werden trotzdem durchgeführt- nur auf unsichere Art und Weise. Es gibt Frauen, die beispielsweise Kleiderbügel in sich einführen oder ein Bad mit Rattengift nehmen, damit sie ihre Schwangerschaft irgendwie abbrechen können. Oder sie müssen Ärzte besuchen, welche ohne professionelle Mittel eine Abtreibung durchführen. Solche unsichere Abtreibungen können schlimme Nebenwirkungen mit sich ziehen: Heftige Blutungen, Infektionen und Verstümmelung der Geschlechtsorgane sind nur ein Bruchteil von all den Risiken, die es bei einer unsicheren Abtreibung gibt. Die meisten Nebenwirkungen können lebenslange Schmerzen, Behinderungen oder sogar den Tod bedeuten. Es gibt auf dieser Welt jährlich ungefähr 25.5 Millionen solcher unsicheren Schwangerschaftsabbrüche. In Afrika und Südamerika sind laut der WHO drei von vier Abtreibungen unsicher.  So gut wie jede dieser unsicheren Abtreibungen hätte man durch Aufklärung, effektive Verhütung und Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung verhindern können.

Abtreibung ist nicht gleich Mord. Ein Fetus kann bis zur 24. Schwangerschaftswoche keinen Schmerz fühlen, da ihm dafür die nötigen Nerven fehlen. Bis zur 21. Schwangerschaftswoche ist ein Fetus nicht einmal in der Lage, ausserhalb eines Körpers zu überleben. Und das Gerücht, dass eine Abtreibung der Frau immensen psychologischen Schaden zufügt? Stimmt definitiv, wenn man zur Abtreibung, wie unter der 1-Kind-Politik in China, gezwungen wurde. Geschieht ein Schwangerschaftsabbruch jedoch freiwillig, so ist das Leiden bei einer verweigerten Abtreibung sehr wahrscheinlich grösser als bei einer gewollten. Auch das Argument, dass man aus Respekt vor all den infertilen Frauen auf dieser Welt nicht abtreiben sollte, macht sehr wenig bis gar keinen Sinn. Ihr hungert ja auch nicht aus Respekt vor all den Menschen, die kein Essen haben, oder?

Und wenn wir schon dabei sind: Ihr seid doch auch nur Pro-Life, wenn es um ungeborene Föten geht. Bei all den Flüchtlingen, die ihr nicht ins Land lassen wollt, seid ihr ja auch nicht wirklich Pro-Life. Und die Kinder, die zur Adoption stehen, unterstützt ihr auch nicht. Die Frauen, die dank eurem Abtreibungsverbot das Kind behalten mussten, werden nach der Geburt von euch im sticht gelassen. Und all die Toten wegen den unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen sind euch ja auch egal. Sind ja dann alle schon auf der Welt, die dürfen sterben, oder wie geht das bei euch?

Geschrieben von:

Everyone you meet is fighting a battle you know nothing about. Be kind. Always.

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