«Ah Mist», fluche ich und ziehe meinen Fuss in die Luft. Ein wenig wie ein Kasper muss ich wahrscheinlich ausgesehen haben. Ein natürliches Problem, wenn man grosse Füsse hat, man stösst sie sich dauernd. Super so kann ein Morgen beginnen, sagte ich mir. Wobei mir mein Interviewpartner für die nächste Woche einfiel. Ob man das auch schon «schön» findet als Masochist? Ich tippte es schnell ins Handy ein und weiter ging der Tag. Wenn du dich jetzt fragst; Maso was? Gibt’s hier die Antwort darauf.

Harder Daddy! What? What?

(Wer das Meme zum Titel nicht kennt: hier) Denn Fuss anstossen oder mehr gewürgt zu werden. Man merkt, Masochismus führt in Richtung Gewalt. So ist Masochismus die Freude daran Schmerz zu empfinden oder sich selbst zuzufügen. Ob Schnittwunden, Schläge, Prellungen bis zu Quetschungen, der Lust ist dabei keine Grenze gesetzt.

Ebenso belieben beim Sex die guten alten Handschellen

Masochismus tritt bei vielen recht unterschiedlich auf. Für manche ist es eher ein Reiz beim Sex, sich sozusagen dominieren zulassen etwa mit Peitsche oder Strick. Für andere ist es nichts Sexuelles, sondern eher ein Wunsch nach Unterordnung oder sogar Selbstverstümmelung, wobei sich diese Art des Drangs dann in Stresssituationen zeigt.

Der Ursprung des Masochismus

Heute laut Wissenschaft: «Eine soziologisch andersartige, aber nicht seltene Ausprägung der individuellen Sexualität». Also einfacher gesagt ist Masochismus einfach eine normale Richtung der eigenen Sexualität. Das zum Anfang Masochismus noch als psychische Krankheit abgestempelt wurde, scheint nicht allzu überraschend. So wehrte sich sogar der Namensgeber des Masochismus gegen die sexuelle Richtung, wobei er später selbst dadurch in Vergessenheit geriet.

«Ohne jede Bedingung, ohne jede Beschränkung deiner Gewalt über mich, ich will mich auf Gnade und Ungnade deiner Willkür überliefern»

-Venus im Pelz

Man merkt an der Formulierung, der Autor von einem der Ur-Werke des Masochismus ist schon ein wenig länger verstorben. Leopold Ritter von Sacher-Masoch welcher zwischen 1836 bis 1895 lebte, gab dem Masochismus und dem Sadomasochismus seinen Namen, dass jedoch eher ungern.

Herr Professor?! Was tun Sie da?

Statue von Sacher-Masoch in seiner Heimat Lemberg

Sacher-Masoch war Abkömmling einer alten adligen slawischen und böhmischen Familie. Mit dem Reichtum denn seine Eltern besassen, bildete sich der vielfältig-interessierte Leopold weiter; studierte Mathematik, Rechtswissenschaften und Geschichte. Lehrte später sogar als Professor Neuere Geschichte an der Universität Graz und schrieb dort seine ersten Romane und Novellen. Schliesslich konzentrierte er sich nur noch auf das schreiben und so erschien im selben Jahr «Venus im Pelz». Darin unterwirft sich ein junger Adliger vollkommen einer reichen Witwe und wird eine Art Sklave. (Die Figuren basierten auf Sacher-Masoch selbst und seiner Ehefrau) Das Buch und seine späteren Werke erfreuten sich grosser Beliebtheit. So galten grosse Schriftsteller wie Victor Hugo, Emil Zola und sogar der bayrische König Ludwig II. als Fan von Sacher-Masoch Bücher.

Doch nicht nur Berühmtheiten wurden auf seine Bücher aufmerksam, sondern ebenso die damals recht junge Sexualpsychologie. Allen voran der Psychologe Richard von Krafft-Ebing definierte den sexuellen Drang, sich zu verletzen, sowie sich  verletzen zu lassen in seinem Buch «Psychopathia sexualis» – aufbauend auf «Venus im Pelz». Er nahm sich sogar das Recht und definierte beides unter Sacher-Masoch Namen und so entstand der Begriff Sadomasochismus. Sacher-Masoch und dessen Fans protestierten zwar. Doch das Buch wurde sehr beliebt und seine Bücher geritten erst in Verruf und schliesslich in Vergessenheit.

Sadomasochismus oder schwing die Peitsche Mr. Gray?

Vielen ist vielleicht durch die «Fifty Shades of Gray» Reihe der Begriff Sadomasochismus ein Begriff, es ist sozusagen die Gegenseite des Masochismus. So verspürt Christian Gray (namensgebende Hauptfigur der Filmreihe) Lust daran Menschen schmerzen zuzufügen. Da Herr Gray ein reicher Sadomasochist ist, konnte sich dieser sogar einen eigenen Raum für SM-Spielchen bauen lassen. Sadomasochismus oder kurz SM ist in gewisser Hinsicht die andere Seite von Masochismus, so nimmt ein Sadomasochist die Rolle des «Verletzers» ein.

Das „Spielzimmer“ des Christian Gray im Film

Wer mehr über das Thema Masochismus erfahren will, kann sich nächste Woche auf mein Interview mit Lars S. einem Masochisten freuen. Einen schönen Tag noch und hoffentlich ohne Fussanschlagen (oder doch mit?).

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1 Comment

  1. Cyrill Pürro Reply

    Sehr mutig, einen Bericht über dieses Thema zu schreiben, welches ja in den meisten unserer Gesellschaftskreisen als eines der „Tabuthemen“ gilt. Ich finde es sehr interessant, mal etwas mehr darüber zu erfahren, durch diesen Artikel sind mir jetzt einige Dinge klarer, wo ich mir vorher nur gedacht habe: So whaaaaat??

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