Ja, es geht wieder einmal um den Klimawandel. Mittlerweile sind sich die meisten News-Leser gewohnt, mindestens einen Artikel pro Tag zu dem aktuellen Thema in der Zeitung zu finden. Trotzdem sollte ein, letzte Woche erschienener Beitrag der Uni Bern, welcher neuste Erkenntnisse von Klimaforschenden zeigt, nicht ganz unbeachtet bleiben.

Die Erde erwärmt sich. Das ist vermutlich klar. Die beiden Studien aus Bern zeigen jedoch, dass die Erwärmung um einiges schnelle als je zuvor und sie zusätzlich auf der ganzen Welt gleichzeitig stattfindet.

„Es gab doch schon früher Hitzesommer.“

Denn, viele meinen genau zu wissen, wie das Klima während der «Kleinen Eiszeit» (ca. 1300 bis 1850) und der «Mittelalterlichen Warmzeit» (ca. 700 – 1400) war und dass es sich dabei um ein globales Phänomen gehandelt haben muss. Die Gegner der Klimaaktivisten greifen nicht selten auf die Temperaturschwankungen der vergangenen Jahrhunderte zurück. Mit den vorliegenden Resultaten der Berner Forschungsarbeit sollte Kritikern jedoch reichlich Konter geboten werden.

Der entscheidende Unterschied

Es wurde bereits in vergangenen Jahren mehrfach erwähnt, wie beachtlich hoch die heutigen Temperaturen im Vergleich mit frühereren sind. Das Oeschger Zentrum für Klimaforschung (OCCR) der Uni Bern fokussierte sich dieses Mal jedoch auf die räumliche Ausbreitung und die Geschwindigkeit der Erwärmung. Eine entscheidend neue Sicht auf die prekäre Klimasituation, die einige überraschende Erkenntnisse an den Tag brachte.

Das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) ist ein führendes Klimaforschungszentrum der Uni Bern und bringt Forscher*innen aus rund 14 Institutionen und vier Fakultäten zusammen. Das OCCR wurde 2007 gegründet und forscht seither in Sachen Klimaerwärmung an vorderster Front.

Die internationale Gruppe um Raphael Neukom vom OCCR erkannte, dass sich globale Wärme- und Kaltphasen nicht nachweisen lassen. Das Forschungsteam untersuchte anhand der Datenbank von PAGES, die umfangreiche vergangene Klimadaten bietet, wie die gegenwärtige Erderwärmung mit jener von vor 2000 Jahren zu vergleichen ist. Anschliessend bewertete das Team die Daten mit sechs statistischen Methoden und kam am Ende auf die bereits genannte Erkenntnis. In keiner Zeitepoche ergab sich ein weltweit kohärentes Bild. «Die Minimal- und Maximaltemperaturen waren räumlich sehr unterschiedlich verteilt», sagt Raphael Neukom. Es ist folglich also auszuschliessen, dass es sich jeweils um eine globale Erderwärmung gehandelt hat.

Natürlich war es durchschnittlich während der «Kleinen Eiszeit» auf der ganzen Welt kühler. Spitzenzahlen wurden aber zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten erreicht.

Ganz anders als heute. Des Weiteren ergab die Studie nämlich, dass die vermutlich wärmste Phase der letzten 2000 Jahre im 20. Jahrhundert liegt. Und das auf 98% der Erdoberfläche.

Das Resultat des Oeschger Forschungsteam zeigt folglich einmal mehr, dass die gegenwärtige Klimaerwärmung nicht durch zufällige externe Faktoren ausgelöst wird, sondern konkret auf die vom Menschen ausgestossene CO2-Emissionen und andere Treibhausgase zurückzuführen ist.

Die meisten Klimaforscher*innen sind sich einig, dass die gegenwärtige globale Erderwärmung durch die vom Mensch ausgestossenen Treibhausgase vorangetrieben wird.

Einfluss der Vulkane

Während es heute der Mensch ist, wird in den veröffentlichten Beiträgen von «Nature» und «Nature Geoscience» zu den beiden aktuellen Studien erläutert, dass Vulkanausbrüche einen mehrheitlichen Einfluss auf die Temperaturveränderung – insbesondere in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – hatten.

Der bekannte Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien sorgte 1815 für das berüchtigte «Jahr ohne Sommer». Aufgrund der ausgestossenen Partikel in der Luft, liess nicht nur tausende Europäer hungern, sondern hatte auch einen massiven Einfluss auf das damalige Klima. Die feinen ausgestossenen Aschepartikel bildeten eine feine Schicht, die einen Schatten auf die Erde warfen und dadurch die Luft abkühlten. Auch in den Jahren 1808, 1822, 1831 und 1835 gab es starke Vulkanausbrüche die das Klima spürbar veränderten.

Für den gegenwärtigen Vergleich wird trotz der neusten Erkenntnisse nach wie vor die «vorindustrielle Zeit» zwischen 1850 und 1900 verwendet. Obwohl damals die Industrialisierung bereits im vollen Gange war, ist das seither ansteigend Klima eigentlich Sonnenklar und hat mit 1°C bereits ein kritisches Level erreicht. Ein Anstieg auf 1.5°C wird vermutlich in den nächsten Jahren ebenfalls erreicht und wenn die 2°C überschritten werden, sprechen einige gar von der unaufhaltbaren Erderwärmung.

Ganz so altbekannt, scheint die Klimaerwärmung also nicht zu sein.

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