Wieder ein Blitz, wieder eine Kamera vor mir, wieder ein paar Augen, die mich anstarren. Am liebsten würden Sie mich begrapschen oder vermutlich mich nur für sich haben. Froh bin ich zwar über meinen gläsernen Vogelkäfig, der mich von ihnen trennt, doch macht er mich nicht auch noch begehrenswerter?

Allerlei Menschen standen schon vor mir. Liebes Pärchen, die während sie rummachten, es aufgeilte Bilder vor mir zu machen, dicke, dünne, dumme, schlaue, schöne, hässliche (weitere Adjektive einfügen) allerlei einsame Einzelgänger in dieser Welt, die bis zum Schluss ihrer Zeit mich wohl angestarrt hätten. Doch nicht jeder begehrt mich so, Nein. Manch einer hätte mich stattdessen von der Wand gerissen zerstört, zerstochen ja gleich verbrannt oder am liebsten gleich vor Ort und Stelle verscherbelt. Denn eins muss ich mir eingestehen, wertvoll bin ich ja schon, einfach nur durch ihr schreckliches begehrenswertes Starren

Doch macht mich der Preis ebenso gleich schön?

Bin ich wirklich so schön wie die Welt es dauernd behauptet. Natürlich meine Fotos bringen diesen Affen eine Menge Likes und Views. Ihre Stars und Möchtegern Schönheiten probieren immer wieder sich mit mir und meinem Lächeln zu messen. Rankommen, das schafft keiner. Zu geheimnisvoll, zu verborgen im Schutze der Zeit bin ich und bekomme keine Falten selbst nach über hundert Jahren. Doch ist dies das Einzige, was mich definiert, mein Aussehen? Ich mein viel Zahlen sie nur, um mich anzustarren, oder minderwertige Kopien von mir zubekommen. Doch meine Schönheit, nein. Die begreift am Ende dann doch keiner. Die liegt tief in mir verborgen hinter all den Blitzen und gläsernen Käfigen.

Eine wahre Schönheit war er dazu auch nicht, dieses zu frühe „Genie“

Nur Vater hat wohl echte Schönheit in mir gesehen, wobei ich ihn doch zu sehr an meine Mutter erinnerte denke ich. Eltern sind ja schon was Schönes, ausser man weiss selbst, nicht wer die eigene Mutter ist und die ganze Welt will es dazu herausfinden. Privatangelegenheit, kann man vergessen. Dabei wusste es wahrscheinlich nur der alte Greis. Doch wollte er es vor lauter Kummer nie preisgeben. Viel bin ich in jungen Jahren mit ihm rumgekommen diesem Universalgenie. Florenz, Rom, Mailand ganz Italien haben wir in seiner Blütezeit bereist. Doch sein Ende fand alles Schöne in Paris. Sein IQ, der muss hoch gewesen sein ja, doch genauso viel Flaschen Wein schien er jeden Abend zu trinken. Nacht für Nacht liess er mich versteckt, verstaubt manchmal nur mit einem Tuch ganz allein zurück. Bis eines Abends er mich schliesslich wie Mutter ganz allein auf dieser Welt zurückwies.

Wirklich erfolgreich war dieser missmutiger Gnom auch nicht. Sei es in Russland oder bei den Frauen
Danach ging es von Hand zu Hand, netter als Vater war keiner, von denen die kommen sollten. Viel wurde ich herumgezeigt manchmal geschützt in gläsernen Käfigen manchmal ihren widerlichen stinkenden Atem ausgeliefert. Königen musste ich zu gucken, wie sie ihr Reich zugrunde führten, einem, diesen kleinen Wicht an Kaiser, der hängte mich doch tatsächlich in sein Schlafzimmer auf, wo ich mir seine jämmerlichen Versuche ansehen musste, wie er etwas mit seinem kleinen Kaiser anstellen wollte.
Ganze Kriege, Revolutionen und Intrigen musste ich über die Jahre hinweg überstehen. Geraubt und versteckt zwischen Dreck hat einer sogar. Doch etwas habe ich mir stets behalten, mein Lächeln.

Alle Welt liebt mein Lächeln und doch weiss keiner was sich dahinter verbirgt. Ich sage euch jetzt, was dahinter steckt. Viel erlebt habe ich in meinem Leben, wie ihr wisst, wenn ihr dem blöden Redner hier zugehört habt. Viel scheiße war darunter, vieles welches ich einfach mit meinem Lächeln durchstehen musste. Doch selbst heut will diese Scheiße nicht aufhören, Tag für Tag will ich mit meinem Lächeln dagegenstemmen. Denn irgendwann versiegten mir die Tränen, irgendwann blieb mir das Schluchzen im Hals stecken. Irgendwann kann man der Scheiße des Lebens einfach nur noch entgegen Lächeln und hoffen, dass alles vorbei ist. Vorbei ist schliesslich alles am Ende des Lebens. Wenn es zuerst trifft die Scheiße oder mich das wird sich zeigen.

Das Leben … Wenn man das Leben nennen kann, was ich führe … Eine Hure der Vergangenheit und doch auch ein Lächeln gegen das Leben.

 

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