Jair Bolsonaro, der 63-jährige Rechtsextreme Präsidentschaftskandidat der Sozial-Liberalen Partei (PSL), ist mehr als nur umstritten. Mit unentschuldbaren Aussagen über Frauen, Afrobrasilianer, Homosexuellen und Indigene, ist er schon vor dem Wahlkampf aufgefallen. So äusserte er sich in einem Interview:  «Ich könnte einen schwulen Sohn nicht lieben. Ich ziehe es vor, er würde bei einem Unfall ums Leben kommen», oder meinte gegenüber Maria do Rosário, einer linken Abgeordneten, dass er sie nie vergewaltige würde, denn sie sei zu hässlich dafür und verdiene es nicht. Er hat klar gemacht, dass er die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht und möchte, dass jeder Bürger eine Waffe zuhause hat. Desweiteren lauten Seine Wahlversprechen, dass er der Polizei die Erlaubnis geben würde, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren.

Das fünftgrößte Land der Welt ist gespalten. Während sich Bolsonaro bei einem Teil der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut, wächst die Oppositionsbewegung gegen ihn täglich. Seine Gegner gingen mit dem Hashtag #EleNão (Er nicht) viral. Trotzdem hat er heute mit 46 Prozent das Top-Resultat geschafft, gefolgt von Fernando Haddad von der Arbeiterpartei PT, mit 29,3 Prozent. Da er das Absolute Mehr jedoch nicht erreichten konnte, kommt es in drei Wochen – am 28. Oktober – zur Stichwahl zwischen Bolsonaro und Haddad.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

„Der Brasilianer hat seine Trägheit von den Indianern geerbt und seine Gaunereien von den Afrikanern.“ Mit diesem Satz eröffnete General Antonio Hamilton Mourão, der Jairs Vize Präsident werden würde, im August seinen Wahlkampf. Was für ein Duo.

Für Haddad könnte es knapp werden, doch der Kampf ist noch nicht verloren. Er hat zwei Vorteile, die Ihm möglicherweise zum Sieg verhelfen könnten. Einer ist, dass Bolsonaro für viele, die ihre Stimme im ersten Wahlgang einem dritten Kandidaten gegeben haben, unwählbar ist. Die Möglich dass diese Stimmen im zweiten Wahlgang an Haddad gehen, besteht also. Der zweite Vorteil liegt darin, dass Bolsonaro bei einer Messerattacke Anfang September verletzt wurde. Er verzichtet seither auf öffentliche Auftritte und hat seinen Wahlkampf ins Internet verlegt.

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1 Comment

  1. Cyrill Pürro Reply

    Ein echt lesenswerter Bericht! In Brasilien sehen wir wieder einmal, wie sehr unsere Gesellschaft sich zu entzweien droht. Während rechte Populisten ihre Wählerschaft manipulieren und gegen alles hetzen, was nicht in ihre Gesellschaftsrolle passt, bekommt auch die linke, autonome Seite ihren Aufschwung. Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis es keine politische Mitte mehr gibt.

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