Frei von Steuern, strickten Regeln und Gesetzten und vor allem frei von einer einengenden Gesellschaft.
Klingt wie ein wahrgewordenes Märchen nicht wahr? Genauso klingt es in meinen Ohren, als mir eine dänische Freundin von dem Stadtteil Christiana in Kopenhagen erzählt.

Die sogenannte Freistadt ist grundsätzlich bloss ein Quartier in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Nichtsdestotrotz hebt sich das alternative Viertel vom Rest der bereits liberalen Stadt ab und hat sich einen eigenständigen Namen gemacht. Aus sich der Behörden wird der seit 1971 bestehende Ort als eigenständige Gemeinde angesehen.

Die Geschichte von Christiania

Christiania besteht aus einigen ehemaligen Kasernen und teilen der Stadtmauer. Während dem zweiten Weltkrieg wurden erstere vom königlichen Artillerieregiment, dem Materialkommando der Armee und als Munitionslabore sowie -lager genutzt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts sank die Nutzung der Gebäude jedoch stark.
Nachdem das Militär die Kasernen vollends verlassen hatte, wurden die leeren Häuser zeitweise von Obdachlosen bewohnt. Am 4. September 1971 übernahmen Einwohner Kopenhagens als Protest gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen das Viertel. Bereits Ende des Monats wurde Christiania offiziell als Wohnort für junge Menschen eröffnet.

Mit Meditation und Yoga zur Marke für einen progressiven Lebensstil

Im Kontrast zur vorherigen Militärnutzung entwickelte sich rasch eine starke Hippiebewegung, Anarchismus und Kollektivismus in Christiania. Das Lied I kan ikke slå os ihjel (dt. Ihr könnt uns nicht töten) von Tom Lunden ist die heutige Hymne der Gemeinde. Abgebildet im Video ist die Flagge Christianias. Die drei Kreise symbolisieren dabei die drei i-Punkte:

Der Journalist Jacob Ludvigsen – Mitgründer des Leitbilds Christianias – machte sich seit Beginn für die Akzeptanz Drogenabhängiger stark. Die Süchtigen werden in der Ethik der Freistadt genauso wesentlich angesehen, wie jene Bewohner, die mit einem starken Unternehmensgeist dorthin ziehen.
Aufgrund dessen wird Christiania von den meisten Dänen als erfolgreiches Experiment angesehen. Zahlreiche dänische Unternehmen verwenden das Viertel als Vorzeigeort für ausländische Kunden und werben mit dem progressiven und freien Lebensstil der Kommune.

Trotz diesem offenen und toleranten Lebensstil lebt die Gemeinschaft nach folgenden Regeln:

  • Kein Diebesgut
  • Keine harten Drogen
  • Keine Gewalt
  • Keine kugelsichere Kleidung
  • Keine Waffen
  • Keine Abzeichen von Motorrad-Banden

Zudem sind Autos und Motorräder verboten. Das diese Gesetzt nicht immer beachtetet werden, zeigen jedoch jüngste bewaffnete Übergriffe und Drogentote.

Marihuana wird in Christiania seit über 30 Jahren toleriert.

Ein Drogen-Hot-Spot

Die Posher Street ist eine bekannte Drogendealer-Strasse, auch Green Light District genannt. Obwohl das Konsumieren weicher Drogen seit über 30 Jahren in Christiania toleriert wird, ist der Besitzt von Hasch weiterhin illegal und wird von der Polizei kontrolliert. Cecilie, die das Quartiert während einem Schulausflug besucht hatte, erzählte mir, dass ein Mann ihre Lehrerin aufgefordert ein Klassenfoto zu löschen. Das Risiko als Dealer entlarvt zu werden ist schlicht und einfach zu gross. Zahlreiche Warnschilder erinnern Touristen daran, ihre Fotokameras wieder einzustecken. Zahlreiche Bewohner des Quartiers können sich mit dem extremen Hasch-Handel jedoch nicht mehr identifizieren. Er ist fern von Freiheit und Gemeinsamkeit und äusserte sich besonders in den letzten Jahren durch gewaltvolle Ekstase. Im Mai 2018 schrieb taz.de dass die Posher Street geschlossen wurde. Mit den Worten „Hilf Christiania: Kauf deinen Hasch woanders.“ machten die Bewohner bereits vor einigen Jahren auf die eskalierten Missstände aufmerksam. Bis Christiania aber frei von Bandenbewegungen ist, dauert es vermutlich noch einige Jahre.

Ist Christiania die Utopie der Zukunft?

Christiania grenzt sich von der gegenwärtigen Gesellschaft ab. Jeder hilft jedem und die Kommune legt viel Wert auf einen reinen – fast Hobbit-ähnlichen Lebensstil. Trotzdem besuchen die Kinder der Christianier die Schule in Kopenhagen und auch deren Eltern haben einen Job in der dänischen Hauptstadt. Die Autos parken sie vor dem Eingang. Christiania ist (abgesehen von einigen Drogen Geschehnissen in der Vergangenheit) mit Sicherheit ein Ort der Ruhe und Zurückhaltung. Aber Kopenhagen gilt ebenfalls als liberale und grüne Stadt und kann schon bald mit der Freistadt geboren in den 70er Jahren mithalten. 

«Die Atmosphäre gefiel mir! Obwohl mir manchmal etwas mulmig zumute war unter den Dealern.», sagt Cecilie, auf die Frage hin, was ihre Meinung zur Freistadt ist. Einen Besuch ist das Viertel auf jeden Fall wert. So äussern sich auch diverse Reiseblogs nach einigen Recherchen. Obwohl einige Besucher besonders die Gegend der Posher Street als rau empfanden, so laden doch zahlreiche Cafés, alternative Shops und Märkte zum verweilen ein.

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