„Treffpunkt von 20 000 Fitness-Begeisterten“, „Grösster Fitness Event der Schweiz“, „Alles, was dein Fitnessherz begehrt“ – So präsentierte sich die FitnessEXPO Basel 2019 auf ihrer Website. Durch all diese Superlative neugierig geworden, beschloss ich, dem Mega-Event einen Besuch abzustatten. Das Fazit: Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Shots bis zum Abwinken

Als ich die St. Jakobshalle betrete, bin ich mir noch nicht sicher, was mich genau erwartet. Das Programm verspricht nämlich unzählige Dinge; von Yoga bis zu Powerlifting ist alles dabei. Zuallererst sticht mir aber die Kleidung der Besucherinnen und Besucher ins Auge. Leggins bei den Frauen und Tanktops oder zumindest enge T-Shirts kombiniert mit Trainerhosen bei den Männern sind Standard. Mit meinen Jeans und dem gemütlichen Pulli komme ich mir ein wenig fehl am Platz vor. Trotzdem stürze ich mich ins Getümmel, schliesslich habe ich meinem Bruder versprochen, möglichst viele Werbegeschenke zu ergattern. Mein Rundgang beginnt vielversprechend, denn sofort bekomme ich ein kleines Shotgläschen voll mit irgendeinem, ein wenig toxisch aussehenden Getränk offeriert. In meiner Rolle als interessierter Kunde ignoriere ich dies natürlich, trinke den Shot und zeige mich begeistert. Sofort komme ich in den Genuss weiterer Zaubertränkchen, die mein Muskelwachstum laut Verkäuferin um ein Vielfaches beschleunigen werden. Wieso verstehe ich nur im Ansatz, schliesslich habe ich nicht Chemie studiert und Begriffe wie BCAA oder Biotin sagen mir nur bedingt etwas. Trotzdem bedanke ich mich herzlich für die detaillierten Ausführungen und ziehe weiter.

Bildquelle: Telebasel
Nichts, was es nicht gibt: Grosse Vielfalt an Produkten

Ich schlendere den Ständen entlang und studiere das vielfältige Angebot. Da gibt es beispielsweise deutsche Fitnessqueens, die nichts anderes machen als dastehen und sich mit Fans fotografieren zu lassen. Alle halbe Stunde wechseln sie dafür ihre Kleider. Sehr amüsant. Einen Schritt weiter präsentiert ein auf Gym Wear spezialisierter Laden seine Ware. Der Typ, der für den Kundenkontakt zuständig ist, hat einen Bizeps so dick wie mein Oberschenkel. Auf meine Frage, wie lange man denn für so einen Bizeps trainieren müsse, meint er, dass er seit ungefähr zwölf Jahren mindestens fünf Mal pro Woche in den Kraftraum gehe. Das sei mir nun doch ein bisschen viel, meine ich und verabschiede mich, bevor ich eine Lektion in Sachen Prioritäten und Disziplin bekomme.

Schwitzende Massen und geschlossene Türen

Nach kleineren Zwischenstopps, bei denen ich mich mit Mini-Proteinriegeln und Skyr-Proben stärke, betrete ich Halle 1. Musik donnert aus den Boxen und auf der Bühne macht ein Trio Übungen vor, die von mindestens 100 in der Halle verteilten Menschen nachgemacht werden. Es wird geschwitzt und geächzt, während die Anführerin des Trios noch genügend Luft hat, Anweisungen herumzubrüllen. Die Leute motivieren sich gegenseitig und pushen sich, um wie ihre Stars auf der Bühne möglichst keine Pause machen zu müssen. Trotz knallhartem Workout herrscht eine supercoole Stimmung. Schade, habe ich keine Sportkleider dabei¨!

Ich mache mich auf den Weg in die nächste Halle in der Erwartung von lauter Musik und keuchenden Menschen. Seltsamerweise ist aber hier die Türe geschlossen. Als ich sie schwungvoll aufziehe, werde ich vorwurfsvoll von einer Gruppe von schon ein wenig älteren Damen und Herren angesehen. Eine Entschuldigung murmelnd schliesse ich sie wieder und schaue auf dem Plan nach, wo ich denn gerade reingeplatzt bin. «Vinyasa Yoga» steht im Programm. In der Hoffnung, dass die Teilnehmer ihren Flow wiederfinden werden, suche ich mir meinen Weg in die nächste Halle.

Ein Affenhaus

In der nächsten Halle ist ein Spielplatz für Stangenkünstler aufgebaut. Mehr oder weniger schmächtige junge Männer zeigen die spektakulärsten Kombinationen von wahnwitzigen Sprüngen von Stange zu Stange, verbunden mit allerlei Saltos. Einen Augenblick muss ich ans Affenhaus im Basler Zoo denken. Unglaublich, dass sich hier niemand das Genick bricht.

Affenähnliche Sprünge

Langsam mache ich mich auf den Weg Richtung Ausgang. Mein Bruder kann sich freuen, denn mittlerweile trage ich einen ganzen Sack voller Werbegeschenke mit mir herum. Unterwegs treffe ich noch auf Cindy Landolt, ein bekanntes Schweizer Fitnessmodel und Personal Trainerin. Noch nie in meinem Leben habe ich eine derart muskulöse Frau gesehen. Den zwei Männern hinter mir geht es wohl ebenso: «Wenn de mol Stress hesch im Club, holsch eifach die!»

Mein Abstecher an die FitnessEXPO Basel war sicher ein Erlebnis der besonderen Art. Es ist mir bewusst geworden, dass ich mit meinen paar Kraftübungen wöchentlich in der Szene wohl zu den absoluten Laien gehöre. Sollte die Optimierung meiner Fitness mein absolutes Ziel sein, gäbe es in puncto Trainingsmodalitäten, entsprechender Location, Ausrüstung, Ernährung, Zusatznahrung und Outlook wohl noch so einiges hochzufahren. All diese Möglichkeiten werden an der FitnessEXPO präsentiert, ganz nach dem Motto: Es gibt nichts, was es nicht gibt.

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