Seit rund zwei Monaten lebe ich als Studentin in Grossbritanniens Hauptstadt und durfte so manche schöne Orte entdecken. Nebst typischen Sehenswürdigkeiten wie die Tower Bridge, London Eye und Big Ben, griff ich bei weiteren Recherchen gerne auf Instagram zurück. Was ist in? Wohin geht man, wenn man London erleben möchte?

Doch nicht nur ich, auch andere junge Erwachsene, diverser Herkunft erstellen ihre Bucketlist anhand «Instagram-Famous» Orten. Sei dies durch konkrete Suche auf der genannten Plattform oder anhand einer vorselektierten Liste von Plattformen wie Pinterest, die mit den Worten «The most instagramable Places to see in London» gepinnt werden.
Irgendwie verrückt. Umso schöner der Ort, umso öfters wird er gepostet und umso mehr Likes kassiert das Bild. Das scheint auf jeden Fall aus meiner Sicht, der Hintergedanke des Ganzen zu sein.

Sich anstellen für ein „Fancy Café“

Besondere Aufmerksamkeit erhalten diverse Cafés und Dessert Schmuckplätze, die mit ausserordentlichen Inneneinrichtungen, Dekorationen oder Mahlzeiten die Likes in die Höhe treiben. Ein gutes Beispiel hierzu ist das bekannte Café «Peggy Porschen», welches ich vor einigen Wochen mit Freunden besucht hatte.

Das pinke Paradies von Peggy Porschen lockt täglich hunderte von Besuchern an

Das Café ist bekannt durch seine knallrosa und sehr weiblich-leibliche Erscheinung. Blogs und Instagram Seiten werben eifrig für das Café und setzten es auf jede «Must-Do» Liste für Reisende. «Peggy Porschen» liegt nahe der Station Victoria, in einem ruhigen und reichen Viertel London. Die Strassen sind kaum befahren und wenn ein Auto herantuckert, handelt es sich meist um einen mattschwarzen Range Rover oder knallroten Ferrari. Doch die ruhige und zurückhaltende Stimmung im Quartier, wird nahe dem herausstechenden Café gebrochen. Zahlreiche Menschen tummeln sich um das berühmte Café. Einige fotografieren die rosa Fassade, die für das anstehende Halloween Spektakel passen geschmückt wurde. Stark geschminkte Frauen, ebenfalls pink oder anderweitig auffällig gekleidet sind, posieren im Eingang, um ihre (vermutlich) 500k Follower ein weiteres mal neidisch zu machen.

Süsser Kaffee, süsse Preise

Bald stellten wir fest, dass nicht alle Menschen vor dem Café sich zum fotografieren versammelt hatten, sondern eine Reihe bildeten, um als nächstes platziert zu werden. Wir stellten uns ordentlich hinten an. Dabei schweift mein Blick auf die gegenüberliegende Seite der Strasse, wo sich ein heimelig und niedlich eingerichtetes Café befindet. Einige Tische sind leer, die Tassen wirken gross in den Händen der Besucher; trotzdem widerstehe ich der Versuchung meine Freunde darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns das Anstehen sparen könnten. Als wir uns schliesslich setzen konnten, eingeengt zwischen Gehweg und anderen Tischen, drängt man uns beinahe sofort zu bestellen (schliesslich warten andere Kunden auf ihre Platzierung!)

Lange Geschichte, kurze Erklärung – ein Mini (aber sehr leckerer) Muffin kann vom Preis her mit dem Ferrari mithalten, und der kleine (wenig schmackhafte, eher wässerige) Cappuccino, hat meinen Kaffee Gaumen kaum erregt.

Wieso stellen wir uns für „Instagramable“ Attraktionen an?

„Ich verstehe nicht, warum ihr euch anstellt.“, meinte ein älterer Herr, der sich während unserer Warterei zu uns gesellte. Wir lächelten milde, mussten ihm aber insgeheim zustimmen. Doch „Peggy Porschen“ ist bei weitem nicht der einzige Ort, der sich auf der Liste der „Most instagramable Places“ einen Platz ergattert. Genauso beliebt sind verschiedene Esswaren, die möglichst Instagramable in die Höhe gehalten werden, und mit dem bunten Treiben im Hintergrund abgelichtet werden. Auf der Social Media Plattform heisst es dann noch „verlinken“ und „taggen“ und wer weiss; vielleicht wird dein Foto, zum Verwechseln ähnlich mit zig anderen, auserkoren und von Peggy Porschen höchstpersönlich „geteilt“.

Doch bleiben wir ehrlich; London ist eine grosse Stadt und bietet zahlreiche, beinahe zu viele Attraktionen und Essensmöglichkeiten. Kein Wunder greifen wir einstweilen auf die Erlebnisse anderer Reisenden zurück, um uns nicht stundenlang mit der Suche nach dem besten Café der Stadt zu beschäftigen. Obwohl durch den Hype solcher hippen Orte, andere Plätze etwas in Vergessenheit geraten, ist es doch eine hervorragende Möglichkeit sich für neue Abenteuer inspirieren zu lassen. Trotzdem werde ich mich beim nächsten Besuch in Peggy Porschens Quartier, für das Café nebenan entscheiden und mir einen Cappuccino mit Kuchen für den halben Preis gönnen.

Geschrieben von:

Was ist deine Meinung? Schreib einen Kommentar!