Das Bedürfnis nach Nähe und sozialem Austausch ist tief in uns Menschen verankert. Alle, die alleine sind, gelten irgendwie als Aussenseiter, da sie es nicht geschafft haben, sich in die Gesellschaft einzufügen. Gleichzeitig hat die Generation Y immer stärkere Probleme im Beziehungen knüpfen und ist deshalb auf Facebook immer öfters mit dem Beziehungsstatus: Single aufzufinden. Also trotz dem Klischee alleine, aber sind wir dann nicht alle ein bisschen alleine? Und ist es so schlimm alleine zu sein, oder am Ende sogar gut?

Wir sind immer öfters alleine

Einsamkeit wird heutzutage oftmals als Volkskrankheit betitelt. Dabei ist besonders die jüngere Generation betroffen, die sich in einer Welt mit schwindender Kontinuität immer öfters einsam fühlt. Der Bund hat im Jahr 2012 eine umfassende Statistik zum «Einsamkeitsgefühl» erhoben. Diese zeigt, dass sich 36.1 % aller Bürger über 15 Jahren einsam fühlten. Aus welchen Gründen wird leider nicht angegeben. Auch knapp sieben Jahre später könnte die Lage ähnlich sein, dass sich solche Zahlen im Ausmass der Anonymität im Internet und dem oberflächlichen Umgang mit Dating-Apps, kaum verändert haben.

Immer häufiger ist nicht nur die ältere, sondern auch die jüngste Generation von Einsamkeit betroffen.

Obwohl die Weltbevölkerung sich im letzten Jahrhundert vervielfacht hat, sind wir also einsamer denn je. Während es zu Beginn der Menschheit unumgänglich war alleine zu sein, da das Leben in einer Gruppe schlicht und einfach mehr Sicherheit bot, so sind wir heute fast immer auf uns selbst gestellt. Dass ältere Menschen der Einsamkeit zum Opfer fallen ist bereits bekannt, aber nun werden auch Wohnen und Karriere von jungen Menschen alleine bestritten und enden immer öfters in der Einsamkeit. Problem dafür ist unter anderem die Oberflächlichkeit gegenwärtiger Beziehungen. Gespräche und Freundschaften reichen kaum tiefer als auf dem Niveau gewöhnlichen Small-Talks. Dies hat zur Folge, dass viele junge Erwachsene keine Person ihres Vertrauens mehr haben.

Alleine, aber nicht einsam

Psychologen unterscheiden die beiden Begriffe folgendermassen. Alleine ist man, wenn man wortwörtlich physisch alleine ist. Einsam jedoch bezeichnet einen Status, wenn man spezifische Menschen um sich herum vermisst. Man kann sich auch in einer Masse einsam fühlen, wenn man beispielsweise keinen Bezug zu anderen aufbauen kann und sich so ausgegrenzt fühlt. Zahlreiche Studien ergeben dass zu viel Einsamkeit und soziale Isolation krank machen und unter anderem einen erhöhten Blutdruck verursachen und laut Mediziner sogar zu Übergewicht führen. Alleinsein, auf der anderen Seite, ist meiner Meinung nach eine Fähigkeit, die von einem starken Charakter geprägt ist. Wer alleine sein kann, ist mit sich selbst im reinen, geniesst nebst dem Trubel in Menschenmassen manchmal auch die Ruhe.

In gewissem Sinne ist es auch ein kleiner Akt der Selbstbestimmung.

Letztens habe ich den Tag genutzt, mich voll und ganz auf mich selbst zu konzentrieren. Ich war im Café, hab nebenbei jedoch einige Hausaufgaben erledigt, damit ich mich nicht ganz so unwohl fühlte. Anschliessend besuchte ich eine Kunstausstellung und am Abend ging ich (entgegen meines inneren Schweinehundes!) ins Kino. Anfangs fühlte ich mich unglaublich unwohl, aber als der Vorhang sich öffnete vergass ich meine Sorgen und genoss den Film ohnehin.

Alleine ins Café? Am besten einfach ausprobieren!

Alleinsein kann gelernt sein

Früher oder später ist jeder eine Zeit lang alleine im Leben. Sei es durch einen Umzug in eine neue Stadt oder weil der Lebenspartner bereits verstorben ist. Am Ende holt uns alle die Einsamkeit ein. Doch wie so vieles, kann auch das Alleine sein geübt und sollte sogar aktiv konfrontiert werden. Als Gegenbewegung zur gegenwärtigen ansteigenden «Single-Kurve» entscheiden sich immer mehr junge Menschen für Solo-Ferien. Durch das alleine Reisen lernt man nicht nur einfacher neue Menschen, sondern auch sich selbst viel besser kennen. Der sogenannte „Solo-Travel“ Trend wird durch Gründe der Unabhängigkeit und der Chance neue Menschen kennenzulernen hochgelobt.

Man muss natürlich nicht gleich in den Flieger steigen, nur um das Alleine sein zu lernen. Wie wär es mit einem Single-Kaffee? Oder einem Besuch im Kino? Wenn du ganz mutig bist, kannst du auch alleine in einen Club gehen oder ein Restaurant besuchen. Ganz einfach ausprobieren. Generell habe ich das Gefühl, dass sich introvertierte Menschen öfters nach Momenten des Alleine sein sehnen, um sich mit neuer Energie aufzutanken. Tize-Redakteurinnen Cynthia und Svenja haben sich übrigens auch schon mit dem Alleinsein befasst und sich aktiv mit sich selbst auseinandergesetzt.

Geschrieben von:

auf der Suche nach etwas Inspiration

2 Comments

  1. Deborah Amolini Reply

    Heyy. En tolle Artikel. Wenn ich ehrlich bin, dann geniesse ich es manchmal einfach mal alleine durch die Stadt zu schlendern, mich in ein Cafe zu setzen und dort zu lesen oder zu schreiben. Du kannst dich dann völlig von der Gegenwart abkapseln und Inspirationen sammeln
    grues
    Debi

Was ist deine Meinung? Schreib einen Kommentar!