Fast Fashion – Ein Begriff, der immer öfters Schlagzeilen macht, und das meist im negativen Sinne. Er spiegelt unser heutiges Konsumverhalten als Gesellschaft wider und steht dem Trend zu Fair Fashion gegenüber. Doch was verbirgt sich hinter diesen Ausdrücken und wie stellt man sich einen nachhaltigeren Konsum in der Textilindustrie vor?

Der Teufelskreis der Textilindustrie

Wir leben momentan im Fast-Fashion-Zeitalter: Jedes Wochenende strömen Menschen in die Städte, und flanieren meist mit gefüllten Einkaufstaschen durch die Stadt. Kleidershopping gehört zum Alltag, was auch nicht verwundert, denn seit dem Jahr 2000 hat sich aufgrund der Nachfrage die weltweite Textilproduktion verdoppelt. Jedoch nur ein Bruchteil davon wird regelmässig getragen, während der Rest wiederum durch neu gekaufte Kleidung ersetzt wird. Shoppen, um wegzuwerfen – Das ist Fast Fashion. Und Grosse Namen der Textilindustrie fördern dieses Konsumverhalten: Wenn sich wöchentlich das Sortiment im Schaufenster ändert und jährlich 10-20 Kollektionen herausgegeben werden, verstärkt man den Effekt und desensibilisiert die Kunden.

Ein tragischer Weckruf

Quelle: wikipedia.org
Der eingestürzte Gebäudekomplex

Etwas mehr als 5 Jahre ist es her: Am 24. April 2013 stürzte ein Fabrikgebäude namens Rana Plaza nahe der Hauptstadt Dhaka in Bangladesh ein, wobei 1135 Menschen verschüttet wurden und ihr Leben verloren, tausend weitere wurden verletzt. Das Gebäude war eine von vielen Produktionsstätten in Asien für weltweit grosse Kleidermarken. Die Arbeiter machten die Leitung des Gebäudes zahlreich auf bauliche Mängel aufmerksam und forderten verbesserte Schutzmassnahmen oder Renovationen, jedoch ohne Erfolg. Einige Etagen des Gebäudes wurden illegal erstellt, worauf das Management die Anliegen der Arbeiter ignorierte und sie dazu anwies, weiterzuarbeiten.

Nach dem Unglück litten zahlreiche Familie, nebst dem Verlust der Liebsten, auch noch unter finanziellen Problemen. Denn Entschädigungen von den Verantwortlichen erhielten die meisten nie. Aufgrund von Schwarzarbeit fehlten oft Dokumente, welche bewiesen, ob eine vermisste Person im Gebäude gearbeitet hat oder nicht. Als Folge wurden neue Kontrollen und Standards für Textilfabriken gefordert. Hunderte Einrichtungen stellten infolgedessen die Produktion ein.

Mensch und Umwelt leiden

Dieses Ereignis und die einzelnen Schicksale der Betroffenen liessen die Welt einmal mehr aufhorchen und erinnerten uns daran, wie unsere Kleider produziert werden – nämlich unter teils menschenunwürdigen Bedingungen.

Quelle: greenpeace.com
Dem Umweltschutz ein Dorn im Auge: Die Textilindustrie

Kinderarbeit, sexuelle Belästigungen, Unterbezahlung oder Überstünden gehören zur Tagesordnung. Gleichzeitig wird durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen oder Verantwortungslosigkeit der Produzenten die Umwelt belastet. Durch den Einsatz von giftigen Chemikalien oder billigen Farbstoffen werden unsere Gewässer verunreinigt, während eine beachtliche Menge an Wasser und Baumwolle unnötig verbraucht werden, um möglichst billig produzieren zu können. Denn wer billig produziert, kann auch mehr Profit machen.

„Brauche ich wirklich ein neues  Shirt?“

Die Empörung über diese Tatsachen verstärkte die Wut einiger Menschen gegen den Fast Fashion Trend in den vergangenen Jahren. Die Kritik gegen den eigenen Kleiderkonsum wurde lauter, der Minimalismus im Kleiderschrank wird vermehrt zum Trend. Eine Gegenbewegung wurde in den Gang gesetzt, die Bewegung zur sogenannten Fair Fashion. Second Hand oder Vintage Shops erleben hierbei ein grosses Revival: Es muss nicht immer alles neu sein, der Umwelt und vielleicht auch deinem Geldbeutel zuliebe.

Wer noch kreativ und handwerklich begabt ist, der könnte sich eher für das Upcycling interessieren: Wenn etwas Löcher hat oder nicht mehr allzu neu aussieht, bedeutet dies nicht, dass das Kleidungsstück zum Wegwerfen verdammt ist. Reparieren und Umfunktionieren ist hier das Motto. Nähkurse oder Workshops rund um Upcycling werden immer beliebter, während es ganze Youtube-Kanäle gibt, welche sich der Thematik des Upcycling widmen.

Fair und mit Stil

Transparente Produktion, fair für Mensch und Umwelt. Und gleichzeitig noch modern und geschmacksvoll.  Verschiedenste kleinere Labels rund um den Globus verfolgen dieses Ziel, und sorgen immer mehr für eine Veränderung des Textilmarktes. Sie wollen mit den grossen Namen mithalten und möchten eigene Modelinien und Kleidungsstücke produzieren.

Marken wie bleedarmedangels, Wunderwerk oder Freitag  zeigen, dass auch fair produzierte Kleidung geschmackvoll sein kann. Die Labels achten auf eine umweltschonende Produktion, ohne Verwendung von bedenklichen Pestiziden oder Chemikalien. Angemessene Löhne und einheitliche, durch externe Kommissionen geprüfte Standards in der Produktion, sorgen dabei für würdige Arbeitsbedingungen. Fair Fashion Labels versprechen dir eine transparente Herkunft deiner Kleidung und möchten den Konsumenten dazu animieren, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Doch Vorsicht: Durch den immer steigenden Trend für faire Produktion wächst auch die Gefahr von Greenwashing. Bei Greenwashing wird versucht, ein Produkt als ökologisch zu verkaufen, ohne das es dies überhaupt ist. Als „Natürlich“ und „umweltschonend“ wird die Kleidung deklariert, ohne entsprechende Kontrollen und Zertifikate. Also stets wachsam bleiben und auf entsprechende Gütesiegel achten!

Quelle: bleed.com
Das GOTS Siegel verspricht dir eine faire Produktion.

Bei Fair Fashion wirst du schnell merken, dass du nicht gerade wöchentlich etwas Neues einkaufen kannst. Die Preise bewegen sich auf einem hohen Niveau und sind für viele Leute schlicht und einfach zu teuer. Durch die Verwendung von Qualitätsmaterial wie Bio-Baumwolle, Hanffasern oder Leinen und einer fair bezahlten Produktion muss man als Konsument dementsprechend auch höhere Preise in Kauf nehmen. Wenn du also lieber neu und fair produzierte Kleidung haben willst, musst du dazu bereit sein, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Nur Nichts überstürzen

Bevor du jetzt aber deinen ganzen Kleiderschrank ausmistest und vor einem ZARA zur Spontandemo aufrufst: Dein Kleiderkonsum muss sich nicht von heute auf morgen um 180 Grad ändern. Lieber trägst du deine Kleidung bis die Fasern auseinanderfallen oder du wirklich die Nase von ihnen voll hast, bevor du etwas Einwandfreies wegwirfst. Falls sich in dir aber mal wieder Shoppinggelüste breit machen: Second Hand oder Fair Fashion Stores gibt es auch in der Schweiz zahlreich, vielleicht können in Zukunft solche Läden deine erste Anlaufstelle werden?

Quelle: glore.ch
Der glore-Store in Luzern bietet rein Fair Fashion Kleidung an!

-> Für Interessierte: Die Doku „The True Cost“ (2015) auf Netlfix informiert euch rund um das Thema Fast Fashion!

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