Nordafrika hat ein enormes Problem mit der Ausweitung der Sahara. Die Wüste nimmt in der afrikanischen Sahelregion immer mehr Platz ein und verdrängt die Bevölkerung. Um dieser Ausweitung entgegen zu wirken, werden seit 2007 Bäume quer durch Afrika gepflanzt. Eine 8’000 Kilometer lange Barriere aus Bäumen und Pflanzen soll sich von Senegal im Westen bis nach Dschibuti im Osten erstrecken. Insgesamt 21 afrikanische Staaten sind beteiligt und Nationen aus der ganzen Welt haben dem Projekt mehr als 3 Milliarden Dollar zugesagt.
Doch ist dieses Projekt wirklich die ersehnte Lösung?

Warum?

Die Länder in Afrika erleben seit den 1960ern einen extremen Bevölkerungszuwachs, welcher schwerwiegende Folgen mit sich bringt.
In Niger zum Beispiel lebten 1960 circa 3 Millionen Menschen. Heute lebt eine Population von 21 Millionen Menschen im Land.
Die Bevölkerungsanzahl ist somit um ein Siebenfaches angestiegen. Die Folgen sind ein überbeanspruchter Boden, Lebensmittelknappheit und etliche Konflikte um Ressourcen. Wenn es so weiter geht, werden in Afrika bis zu 50 Millionen Menschen im nächsten Jahrzehnt zu Klima-Flüchtlingen werden.
Mit diesem Projekt möchte man diesen gravierenden Folgen entgegen wirken.

Das Hauptziel ist die rasant wachsende Wüstenbildung zu stoppen. Denn sie ist der Auslöser vieler Probleme.
Doch ebenfalls wichtige Ambitionen des Projektes sind die Geschlechtergerechtigkeit, stabile und faire Löhne, sowie die regionale Wirtschaft anzukurbeln.
Es sollen 100 Millionen Hektar Land wieder fruchtbar gemacht werden, 20 Millionen Menschen Zugang zu regelmässiger Nahrung erhalten, 10 Millionen Jobs in ländlichen Gebieten geschaffen und 250 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert werden. Vor allem die kleinbäuerliche Landwirtschaft soll wieder attraktiv gemacht werden, denn grosse Monokulturen sind keine Lösung. Sie zerstören bloss die Umwelt, weil sie viel Wasser und Chemie benötigen. Darum ist wichtig, dass die grosse, grüne Mauer zu keiner grossen, grünen Plantage wird.

Fortschritte

Aktuell sind 15% des Projektziels erreicht und man konnte bereits erste kleine Erfolge feiern. Zum Beispiel in Senegal, wo jedes Jahr rund 50’000 Hektar Land an die Sahara verloren geht, konnten 12 Millionen Bäume gepflanzt werden, um den Dürreperioden standhalten können. Ebenfalls wurden in Niger 5 Millionen Hektar Land gesund gepflegt. Dadurch können jetzt 2,5 Millionen Menschen mit regelmässiger Nahrung versorgt werden. Doch damit der Projektplan aufgeht, müssten jedes Jahr 10 Millionen Hektar Land wieder fruchtbar gemacht werden. Das entspricht einer Fläche in der Grösse Islands. Von dieser Geschwindigkeit ist das Projekt heute leider noch weit entfernt.

Probleme

Als das Projekt 2007 gestartet wurde, war vorgesehen eine durchgehende Mauer aus Bäumen zu pflanzen. Doch man merkte schnell, dass die Wüste zu trocken und zu gross ist, um eine Bewässerung überall sicherzustellen. Die Bäume können die Sahara nur aufhalten, wenn man sich gut um sie kümmert.
Ebenfalls ist es fraglich, die Wüste als „Krankheit“ zu betrachten. Nicht der Sand ist Schuld an der voranschreitenden Wüstenbildung, sondern die starke Beanspruchung des Bodens durch die wachsende Bevölkerung und ihrer Nutztiere, kombiniert mit dem Klimawandel. Zudem werden die Bäume noch nicht als integraler Bestandteil eines Ökosystems wahrgenommen, welche die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Aktivitäten der Gemeinschaft unterstützen. In Nigeria zum Beispiel organisiert die Regierung seit Jahren diese Baum-Pflanz-Aktionen und die Bevölkerung wird nicht in den Prozess miteingebunden. So sehen sie es als Regierungsprojekt an und verstehen nicht, weshalb sie sich später um die Bäume kümmern sollten.
So hat sich mit der Zeit die ursprüngliche Idee gewandelt und man unterstützt mehr dezentrale Projekte mit der Bevölkerung vor Ort. Aus der Mauer wurde ein Mosaik aus Grün.

Optimale Lösung?

Experten sind überzeugt, dass der Ansatz definitiv der Richtige ist und die ersten Erfolge sich feiern lassen können. Doch es ist noch ein weiter Weg bis das Ziel erreicht wird. Letztlich kommt es darauf an, wie das gesamte Projekt umgesetzt wird. Ein grosses, grünes Mosaik aus exotischen oder gar genetisch veränderten Bäumen wäre wertlos. Aber wenn die äusserlichen Bedingungen beachtet und die Bevölkerung miteinbezogen wird, kann das grosse, grüne Mosaik ein Naturwunder werden. Ein Wunder, dass Millionen Menschen Jobs, Nahrung und eine Zukunft sichert.

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