„Lotte! Lotte, leb wohl! Leb wohl!“

Das sind die letzten Worte des jungen Werthers bevor er sich selbst mit Hilfe einer Pistole ins Jenseits befördert. Das im Jahr 1774 von Johann Wolfgang von Goethe geschriebene Buch „Die Leiden des Jungen Werthers“ gehört heute zu den Klassikern der Deutschen Literatur und hat schon so manchen Schüler fast verzweifeln lassen. Abseits der Schulbank ist Goethes Werk wohl hauptsächlich wegen dem nach der Hauptperson des Buches benannten „Werther-Effekt“ bekannt.

Ursprung des Begriffs

Als Goethe sein Buch im 18. Jahrhundert veröffentlichte, löste die Geschichte von einen jungen Mann, der sich aus Liebeskummer das Leben nimmt, zahlreiche Diskussionen aus und erregte die Gemüter wie kaum ein Buch vorher. Der Grund dafür war, dass das Thema „Selbstmord“ vorher noch nie so öffentlicht behandelt worden war, denn in der damals stark religiös geprägten Zeit galt Selbstmord fast schon als Todsünde und dementsprechend verachtet waren Selbstmörder in der Gesellschaft. Die Tabuisierung von Suizid ging soweit, dass Leute, die sich selbst töteten nicht einmal auf einem normalen Friedhof begraben wurden, was zur damaligen Zeit einem völligen Verstoss aus der Gesellschaft gleich kam.

Im 18. Jahrhundert wurde also ein grosser Bogen um das Thema „Selbstmord“ gemacht, zumindest bis Goethe seinen Roman über den jungen Werther veröffentlichte. In den Monaten nach dem das Buch in die Läden kam, fegte eine regelrechte Welle von Selbstmorden durch die Bevölkerung. Vor allem junge Leute setzten ihrem Leben nach Werthers Vorbild ein Ende, denn endlich fühlten sie sich verstanden, endlich beschrieb jemand die zermürbenden Gefühle, die eine nicht erwiederte Liebe in einem Menschen auslösen kann. Der Aufschrei war vor allem in kirchlichen Kreisen gross und in einigen Deutschen Bundesländern wurde das Buch sogar verboten. Dem Erfolg des Werkes tat das aber keinen Abbruch und so stürzten sich trotz dieser Massnahme und den Protesten gegen das Buch auch weiterhin viele junge Leser in den Tod.

Der Werther-Effekt im 21. Jahrhundert

Zu Zeiten von „Fifty Shades of Grey“ und „Feuchtgebiete“ schaft es kaum ein Buch noch die Gesellschaft so zu schockieren wie es „Die Leiden des jungen Werthers“ tat. Der Werther-Effekt ist aber nach wie vor ein Begriff und vor allem Ärzte und Gesundheitsorganisationen kritisieren z.B. die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ sehr stark, denn nach Ankündigung der Serie, die auf einem Roman von Jay Asher bassiert, kam die Angst auf, dass sich zahllose Jugendliche nach anschauen der Serie umbringen würden. Nach Veröffentlichung der Serie um die High-School Schülerin Hannah, die sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben nimmt, kam es zwar vereinzelt zu Nachamungen von Jugendlichen, aber die grosse Suiziedwelle, wie sie nach Werthers Veröffentlichung zu beobachten war, blieb aus.

Trotzdem ist die Veranschaulichung von Selbstmorden in den Medien immer wieder ein Thema über das heiss diskutiert wird, doch eine abschliessende Antwort auf die Frage ob man Suizide explizit in Filmen und Serien zeigen darf, scheint es nicht zu geben. Denn einerseits darf man das Thema natürlich nicht verschweigen oder gar tabuisieren, aber andererseits darf man es auch auf gar keinen Fall in irgendeiner Form verharmlosen.

Die Frage nach dem Ob und Wie wird also nicht so schnell beantwortet werden können, doch es bleibt zu hoffen, dass der Werther-Effekt irgendwann gar nicht mehr zu beobachten ist.

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