Spätestens seit der Fussball-WM und der ganzen Doppeladlerdiskussion ist die Doppelbürgerschaft wieder in aller Munde. Von dieser Diskussion ist etwa ein Viertel der Schweizer direkt betroffen, denn laut der NZZ hat fast jeder vierte Schweizer eine zweite Nationalität und besitzt somit die Doppelbürgerschaft. Und ich bin eine davon.

Ich bin Deutsch-Schweizerische Doppelbürgerin von Geburt an, denn mein Vater ist Deutscher und meine Mutter Schweizerin. Das ist auch der Grund, weshalb ich zwar Doppelbürgerin bin, per Definition aber keinen Migrationshintergrund habe. Ich würde mich selber auch niemals als Ausländerin bezeichnen, denn das bin ich nicht, weder auf dem Papier, noch im Kopf, doch genau bei diesem Punkt spalten sich die Geister.

Es gibt nicht DEN Doppelbürger

Es gibt Leute, denen man es nie anmerken würde, dass sie neben dem Schweizer Pass noch einen anderen besitzen. Sie haben einen Bünzli-Nachnamen, sprechen perfekt Schweizerdeutsch, gehen im Sommer wandern, im Winter Ski fahren und können im besten Fall auch noch die Nationalhymne auswendig. Bis auf den Nachnamen erfülle auch ich alle diese Kriterien und bis heute war noch jeder überrascht, dem ich erzählt habe, dass ich halbe Deutsche bin. Von selbst darauf gekommen ist sowieso noch keiner.

Es gibt aber auch Doppelbürger, denen man die ausländischen Wurzeln auf den ersten Blick ansieht. Sie heissen halt vielleicht nicht Müller oder Meier, sind vielleicht nicht bleich wie ein Emmentaler Käse und vielleicht ist ihr Schweizerdeutsch auch nicht gerade astrein. Es kann aber auch sein, dass so jemand einem auf eine Frage im breitesten Berndeutsch antwortet und vielleicht macht die Mutter deines ausländischen Freundes die beste Röschti, die du je gegessen hast. Ich kenne einen „ausländischen Doppelbürger“, dem der Eistee aus der Migros heilig ist.    So ein Doppelbürger kann sich genauso als Schweizer fühlen, wie ich als geborene Halbschweizerin das tue, vielleicht sogar noch mehr.

Doppelbürger sind auch Schweizer

Als Doppelbürger ist die Chance gross, dass man automatisch als Ausländer abgestempelt wird. Früher in der Primarschule wurde ziemlich oft über die Deutschen hergezogen, vor allem, wenn es um Fussball ging. Jedes Mal fiel dann mit ziemlich grosser Sicherheit irgendwann der Satz: „Die Deutschen sind echt scheisse. Also du natürlich nicht! Einfach alle anderen.“

Erst vor kurzem erwiderte ein Bekannter, als er erfuhr, dass ich halbe Deutsche bin, dass ihn das gar nicht störe. Er habe ja nichts gegen Ausländer. „Ich bin doch keine Ausländerin!“, war das erste, was mir durch den Kopf schoss, als ich das hörte.

Wir sind beides

Viele politische Gegner der Doppelbürgerschaft sind der Meinung, dass man doch nicht zwei Nationalitäten haben kann, man müsse sich für eine entscheiden. Ich finde, dass das ziemlicher Schwachsinn ist, denn Doppelbürger ist man nicht ohne Grunde. Es gibt solche, die wie ich mit zwei Kulturen (auch wenn die in meinem Fall jetzt nicht so verschieden sind) aufwachsen, mit zwei Nationalitäten, was sich, wie ich finde, in der Staatsangehörigkeit widerspiegeln darf und auch sollte. Es gibt solche, deren Eltern denn Schweizer Pass nicht haben, die aber in der Schweiz zur Welt kommen und aufwachsen. Durch ihre Eltern gehören sie zwar einer anderen Nationalität und Kultur an und leben die vielleicht auch, aber warum sollten solche Leute nicht Schweizer sein dürfen? Auch sie wachsen mit zwei Kulturen auf und zwar mit beiden gemeinsam. Dann gibt es auch noch solche Leute, die irgendwann, aus welchem Grund auch immer, in die Schweiz gekommen sind und geblieben sind. Sie haben zwar ihre alten „ausländischen“ Wurzeln, aber wenn man 20 Jahre lang in einem Land lebt, fühlt man sich hoffentlich auch dort zu Hause. Diese Leute haben eine neue Heimat gefunden, die alte aber nicht verloren. Sie haben zwei Nationalitäten und dass sollte auch auf dem Papier so sein dürfen.

Ich habe zwei Pässe

Und wie mir geht es noch vielen anderen Schweizern, die mehr als nur einen Pass besitzen. Deswegen sind wir aber noch lange keine schlechten Schweizer, sondern einfach nur Schweizer.


Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Best-Ofs 2018 noch einmal aufgeschaltet. Wir bedanken uns bei dir, liebe Katharina, herzlich für deinen Einsatz bei Tize!

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