Ein Roman über das Gewicht von Geheimnissen und dem verheerenden Glauben, das blosse Befolgen von Regeln könnte Katastrophen verhindern. Ein Buch für alle, die eigene Wege gehen und überall kleine Feuer legen.

Kurzer Steckbrief zum Buch

Titel: Kleine Feuer überall
Autorin: Celeste Ng
Verlag: dtv
Seitenanzahl: 384
Alter: ab 16

Über die Autorin

Celeste Ng (sprich: Ing) wurde 1980 in Pittsburgh, Pennsylvania geboren und studierte in Harvard. Mit „Was ich euch nicht erzählte“ hat Celeste Ng ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt. Die Familiengeschichte mit dem dramatischen Ende hat mich überzeugt. Jetzt ist mit „Kleine Feuer überall“ ihr zweiter Roman erschienen. Klar, dass ich den nicht verpassen wollte.

Bildquelle: stocksnap.io

Der Plot

Kleine Feuer überall ist ähnlich strukturiert wie das erste: Es beginnt ziemlich dramatisch mit dem Hausbrand der Familie Richardsons und geht dann in der Zeit zurück, um zu erklären, wie es dazu kommen konnte. Der Leser lernt die Richardsons und ihre vier Kinder kennen, ihre Vorlieben, ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch ihre Macken und Schwächen. Sie führen ein Leben, das man wohlsituiert nennen kann: angenehme Nachbarn, die besten Schulen, ein großes Haus und ein ansehnliches Einkommen. Das ist genau das Leben, das Frau Richardson immer für sich vorgestellt hat. Ein Leben mit einer grossen Familie in Shaker Heights, einem Retortenvorort von Cleveland, in dem man sich nicht mit den Problemen, wie sie in anderen Stadtteilen bestehen, rumärgern muss. Doch genau dieser Retortenvorort bietet auch eine wunderbare Vorlage für soziale Konflikte!

„Hier, stellte sie fest, war alles nuanciert; alles hatte eine verborgene Seite oder unerforschte Tiefen. Alles lohnte näher betrachtet zu werden.“

Elena Richardson gehört ein weiteres kleines Haus am Rand von Shaker Heights. Und weil sie sich selbst als guten Menschen sieht, vermietet sie es gerne an mehr oder weniger Bedürftige. Ihre neuesten Mieter sind Mia Warren und ihre 15 jährige Tochter Pearl. Seit Pearl auf der Welt ist, blieben die beiden nie länger als ein Jahr am selben Ort. Mia Warrens Moto: Lieber arm und frei als reich und gebunden. Doch diesmal soll es anderes sein. Mia hat Pearl versprochen, in Shaker Heights zu bleiben, damit Pearl hier die Schule beenden kann. Und so freundet sich die schüchterne Pearl mit dem gleichaltrigen Moodie von der Familie Richardson an. Damit beginnt eine Verbindung zwischen den beiden Familien, die mit der Zeit immer stärker wird und alle vier Kinder der Richardsons einbindet. Dabei prallen zwei Lebenskonzepte aufeinander: Elena Richardsons perfektes Vorortleben und Mia Warrens unstetes Nomadendasein. Als Elena Richardson den Grund für Mias fluchtartigen Lebensstil herausfinden will, setz sie dabei etwas in Gang, das bald ausser Kontrolle gerät. Als Elena dann auch fündig wird, erfährt sie ebenso viel über sich selbst wie Mia.

Erster Satz von Kleine Feuer überall

„In jenem Sommer redeten alle in Shaker Heights darüber, wie Isabelle, das jüngste Kind der Richardsons, endlich durchdrehte und das Haus abfackelte.“

Meine Meinung

Mir hat an diesem Buch gefallen, dass Celeste Ng auch bei ihrem zweiten Roman ihre Stärken unter Beweis stellt: die Charakterisierung ihrer Protagonisten. Sie beschreibt die Personen sehr lebensnah und die jeweiligen Entscheidungen sind absolut nachvollziehbar. Das bringt den Leser sehr nahe an die Charaktere heran und man ist neugierig, wie sich diese entwickeln.
In einer schönen Sprache merken wir, dass ganz vieles in diese Geschichte eingewoben ist wie soziale Differenzen, verschiedene Lebenskonzepte und Fragen nach Fehlern, Schuld und Vergebung.

Die Autorin beschreibt herausragend, wie eine heile Fassade erst kleine und dann massive Risse bekommt. Jedes scheinbar unbedeutende Ereignis greift ins andere und man sieht die Katastrophe kommen. Wirkliche Helden oder Sympathieträger gibt es in diesem Spiel nicht. Letztendlich kann jeder nur verlieren in dieser Mischung aus Geheimnissen und Misstrauen. Die scheinbar heile Vorstadtwelt ist auf dünnen Pfählen gebaut und droht jeden Moment einzustürzen.

Es ist ein starkes, eindrückliches Stück, das uns Celeste Ng vor Augen führt, ein Stück, wo es am Schluss nur Verlierer geben wird.

 

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