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Cyrill Pürro

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Mit seinem Künstlernamen «Dylan Brown» ist Fabien Frei als DJ in der elektronischen Musik tätig. Die Musik hat für ihn einen lebenswichtigen Stellenwert. Wie er darauf kam und was ihn dazu inspirierte – alles in der zweiten Ausgabe von SO tickt Musik!

«Mir geht es fantastisch», antwortet der 19-jährige Fabien Frei strahlend auf die Frage, wie es ihm ginge. Verständlich, denn erst kürzlich erreichte er durch seinen neusten Track «You don`t know» für zwei Tage den ersten Platz im Talentpool des elektronischen Plattenlabels Spinnin` Records. Er ist beruflich als Lehrling zum Fachmann für Bewegungs- und Gesundheitsförderung tätig. Schon seit seiner Kindheit träumt er davon, irgendwann durch seine Musik und seine einzigartige Kombination von einzelnen musikalischen Elementen bekannt zu werden. Ob durch Gesang, Klavier oder der elektronischen Musik, Fabiens Leidenschaft ist komplett auf die Musik ausgerichtet.

Fabien, welchen Stellenwert hat für dich die Musik?

«Ganz hoch oben», erklärt Fabien. In seinem Leben ist die Musik das Wichtigste. Er findet, dass es durch Musik möglich ist, in allen Menschen etwas auszulösen, sei es Pop, Rock, HipHop, Electro, etc. «Ich persönlich probiere mit jedem einzelnen Track eine Story zu erzählen und dadurch meine Mitmenschen zu inspirieren», erzählt er weiter.

Wie sahen deine Anfänge in der Musik aus?

«Alles begann damit, als ich als kleines Kind ein farbiges Keyboard von meiner Mutter geschenkt bekam. Dieses Keyboard besass sogar ein Mikrofon, mit dem man seine Stimme aufnehmen konnte. Mit etwa sechs Jahren begann ich dann Klavierstunden zu nehmen und probierte immer mehr Dinge aus.»

Wie kamst du gerade auf die Musik?

«Die Musik hilft mir in allen Lebenssituationen, meine Erlebnisse und Erfahrungen auf eine besondere Art und Weise zu verarbeiten. Ausserdem ist schon meine ganze Familie musikalisch tätig. Mein Grossvater war bereits ein sehr begeisterter Musiker, sowie auch mein Vater und meine Mutter. Das wurde dann mir weitergegeben.»

Wie würdest du die Musikrichtung definieren, in der du momentan tätig bist?

«Grundsätzlich findet sich das Genre, in dem ich meine Tracks produziere, im EDM (Electronic Dance Music) wieder. Viele Leute denken beim Begriff EDM direkt an Bigroom House, was aber nicht immer der Fall ist. Unter dieses Genre fallen alle Lieder, welche irgendwie elektronische Elemente beinhalten. Ich würde meine bisherigen Tracks in Future Bass, Future Pop, Future Bounce oder auch Tropical House einstufen.»

Was fasziniert dich an der elektronischen Musik?

«Gerade EDM bietet einem die Möglichkeit, immer wieder neues auszuprobieren. Man kann jederzeit neue Sounds entwickeln und sich stehts weiterbilden. Die Ideen sind bei ein wenig Kreativität nie ausgeschöpft.»

Welcher Künstler hat dich in dieser Musikszene am meisten inspiriert?

«Als ich zum ersten Mal an einem kleineren Festival gewesen bin, das war das «Rock Oz`arènes in Avenches, stach mir der niederländische DJ Hardwell (bei richtigem Namen Robbert van de Corput) ins Auge. Er war mir durch seine Lieder bereits bekannt und sein Stil hatte meiner Meinung nach etwas Besonderes. Als ich dann Hardwell live erleben durfte, war ich mir sicher: Ich wollte unbedingt DJ werden und mich in dieser Branche versuchen. Er brachte dann auch einen Film heraus, mit dem Titel «I am Hardwell», in dem es um die Musik und sein Leben geht. Dort konnte ich einiges an Ratschlägen, Tipps und Tricks herausfiltern. Dann begann ich mich immer mehr für das Genre zu interessieren und startete mit meinen ersten Versuchen, eigene Lieder zu komponieren.»

Wie sahen diese Anfänge aus? Wie hast du dich weiterentwickelt?

«Als erstes braucht man natürlich ein Programm, auf dem man seine Lieder produzieren kann. Ich habe mir das typische DJ-Programm Logic Pro X heruntergeladen, zu Beginn dann aber gar nichts von der ganzen Technik begriffen», gibt Fabien lachend zu. Das Wichtigste sei, dass man versucht, sich in das Programm hineinzuversetzen und immer mehr lernt und lernt. Die allerersten Tracks sind natürlich auch nicht die besten, diese dienen dem Ausprobieren und dem Kennenlernen des Programms. «First you learn, then you earn», fügt Fabien hinzu.

Vor einiger Zeit hast du es mit einem DJ Duo, namens Dynam!x versucht. Wie lief das und was konntest du daraus lernen?

«Es war sicherlich eine gute Erfahrung. Ich habe aus der Erfahrung heraus gelernt, dass ich lieber als Solokünstler meine Lieder produziere und mein eigenes Ding durchziehe. Klar, ich bin immer offen für jegliche Zusammenarbeit, wie mit Rappern, Sängern oder anderen DJs. Daraus können immer harmonierende Gespanne entstehen, was gerade in der Musik wichtig ist. Ich will im Grundsatz einfach nicht, dass andere Leute Einfluss auf meine Lieder haben.» Das DJ-Duo brachte im Jahre 2015 das Lied «Freedom» heraus.

Wie seid ihr denn darauf gekommen, zusammen Musik machen zu wollen?

«Wir hatten beide grosses Interesse an der elektronischen Musik. Er hat schon in einigen Clubs als DJ aufgelegt, während ich bereits Erfahrungen im eigenen Produzieren gemacht habe. Somit haben wir uns super ergänzt.»

Du bist nun hauptsächlich unter dem Künstlernamen «Dylan Brown», als Solokünstler tätig. Welche Bedeutung steckt hinter diesem Namen?

«Meine Eltern haben vor meiner Geburt eine Namensliste erstellt, um einen passenden Namen für mich finden zu können. Darunter befand sich auch «Dylan». Dieser Name gefällt mir einfach, er hat was Besonderes und kommt auch nicht so oft vor. Das «Brown» steht ganz einfach für meine braune Haar- und Augenfarbe. So habe ich beide Wörter kombiniert und gemerkt, dass dieser Name auch wirklich etwas mit mir zu tun hat. Ausserdem konnte ich mein DJ-Logo dadurch gut umsetzen.»

Du bist in letzter Zeit viel unterwegs. Du warst in Miami, am Amsterdam Dance Event (ADE) und in Ibiza. Welche Erfahrungen konntest du dort sammeln?

«Eine der wichtigsten, bisherigen Reisen war Ibiza. Dort besuchte ich die weltweit grösste Electronic Music School «Point Blank». Es war sehr spannend Leute von überall her zu treffen, welche gleiche oder ähnliche Ziele haben wie ich. Hauptsächlich lernten wir dort viel über die Musik und der Techniken im Allgemeinen. Wir bekamen aber auch die Möglichkeit, selbst aufzulegen und zu produzieren.

Das ADE besuchte ich vor allem deswegen, um neue Kontakte knüpfen zu können. Ich war erstaunt, wie sehr dort einem entgegen gekommen wird und versucht wird, uns neue Talente zu unterstützen.»

Erzähl mal etwas von deinen Liedern, die du bisher offiziell herausgebracht hast.

Zwei der ersten Tracks, die Fabien veröffentlicht hat, erschienen letzten Sommer unter den Namen «Wake up» und «When the Summer ends». Diese entsprechen dem Genre Tropical House. «Dann kam eine Phase, in der ich mich quasi in meinem Studio «eingeschlossen» habe. Ich war hartnäckig am Ausprobieren, Zusammensetzen und Neufinden meines Stils und meiner Richtung. Dieses Jahr brachte ich dann meinen neusten Track «You don`t know» heraus, welcher für zwei Tage im Talentpool des elektronischen Plattenlabels Spinnin` Records chartete. In «You don`t know geht es vor allem darum, dass es wichtig ist, sein Ding durchzuziehen und sich von allem entfernen, was einem auf seinem Lebensweg runterzieht, egal wie schwer dies scheinen mag.»

Wirst du da nicht wahnsinnig, wenn du über eine so lange Zeit in einem Raum sitzt und an deiner Musik arbeitest?

«Es kam auch schon vor, dass ich an einem freien Tag 13 Stunden am Stück in meinem Studio war und dabei vergessen habe, dass ich mal was essen oder trinken sollte. Klar, es ist sicherlich nicht immer gerade das Gesündeste, was ich dann an Auswirkungen des Schlafmangels oder des langen Sitzens spüre. Rein psychisch aber, kam ich bis jetzt recht gut draufklar. Ich weiss, wo meine Grenzen sind. Sollte ich mal bemerken, dass es fatale Auswirkungen auf meine Psyche hat, würde ich schon herunterfahren.» Das Business in der Musik, auch in der elektrischen Musik, sei hart. Man lebe mit einer gewissen Angst, dass sich die schnell wandelnde Gesellschaft plötzlich umorientiert und elektronische Tracks nicht mehr hört oder dass einem die Überforderung übermannt. «Trotzdem ist es schön, wenn man Dinge abschliessen kann und auf seine letzten Tracks zurückblickt. Es erfüllt mich immer wieder mit Stolz, wenn ich mir ansehe, was ich bis jetzt alles erreicht habe», beendet Fabien seinen Satz.

Vielen Dank Fabien, für das interessante Gespräch.

Mehr Informationen:

https://www.instagram.com/dylanbrownmusic/?hl=de

 

SO geht Musik! – In dieser Kurzreihe auf Tize.ch werden innerhalb des Monats November 4 Musiker aus der Stadt Solothurn und ihrer Umgebung interviewt oder porträtiert. Jeden Montag im November erscheint ein neuer Beitrag der Reihe.

Teil 1 der Reihe „SO geht Musik“ vom 05.11.18: So geht Musik! – Gesang im besonderen Stil

Der Sänger und Multiinstrumentalist Patrick Schwarz ist seit seiner Kindheit von Musik begeistert. Wie er dazu kam, seine eigenen Lieder zu produzieren, die Band «Aging Skies» zu gründen und wie seine Leidenschaft dazu entstand – all das in der ersten Ausgabe der Reihe «SO geht Musik!» auf Tize.ch.

«Mit fünf Jahren gaben mir meine Eltern mein erstes Schlagzeug, auf dem ich mich ordentlich austoben konnte. Ich hatte schon immer eine gewisse Energie in mir, die ich irgendwo rauslassen musste», erklärt Patrick Schwarz. Der 21-jährige Student begann in der 2. Klasse, Schlagzeugunterricht zu nehmen. «Dann fand ich dann den Weg zum Klavier, vom Klavier zum Singen und schlussendlich auch zur Gitarre», erklärt er abschliessend.

Patrick, was bedeutet Musik für dich?

«Musik ist und war für mich immer eine Art, mich auszudrücken. Ich habe das Schlagzeug, mein erstes Musikinstrument, auch so gelernt. Durch das Spielen konnte ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen. Ich bin eher der kreative Musiker, was bedeutet, dass ich nicht gerne mit Hilfe von Noten spiele, sondern lieber selbst meine Musik kreiere.» Patrick erzählt, dass er dies meistens mit Hilfe von Voice-Memos macht. Mit denen kann er einzelne Ideen aufnehmen und sie so festhalten. Zurzeit hat er ca. 256 Dateien abgespeichert.

Du bist vor allem im Bereich der Popmusik tätig. Warum gerade dieses Genre und nicht Rap oder etwas Elektronisches? Schliesslich erfreut sich in letzter Zeit gerade der Rap bei jungen Leuten als beliebte Musikrichtung.

«Ich kann es ganz einfach nicht», witzelt Patrick. Etwas ernster erklärt er dann, dass dies auf die Leidenschaft fürs Klavierspielen zurückzuführen sei. «Auch meine Mutter spielt Klavier. Eines Tages kam sie von der Arbeit nach Hause und zeigte mir vier Akkorde, mit denen es möglich ist, jeden Song, den es gibt, zu begleiten. So tastete ich mich vorsichtig an die Popmusik heran und begleitete zuerst bekannte Stücke mit diesen vier Akkorden. Später komponierte ich damit dann eigene Lieder.»

Patrick betont, dass er gerade in seiner Band «Aging Skies» aber nicht nur Popmusik spielt. Es sei eine Mischung aus Pop- und Rockmusik, welche von den Bandmitgliedern auch als Alternative betitelt wird. Die Definition für Popmusik zu finden sei zudem schwierig. «Jeder Musikstil, der gerade «in» ist, kann eigentlich als Pop bezeichnet werden», meint er.

Du hast im Jahre 2016 die Band Aging Skies gegründet. Da sind drei Schweizer sowie zwei afghanische Flüchtlinge mit dabei. Wie kam es zu dieser etwas aussergewöhnlichen Zusammensetzung?

«Die Band habe ich ja hauptsächlich deswegen gegründet, da es nahezu unmöglich ist, alle Instrumente gleichzeitig zu spielen. Die zwei Mitglieder aus Afghanistan haben in Kabul das National Institut of Music besucht. Dies ist ein amerikanisches Institut und bietet jungen Menschen im islamisch geprägten Land an, sich musikalisch entfalten zu können. Unser Schlagzeuger Reshad hat an diesem Institut klassisches Schlagzeug studiert und Hojat, unser Gitarrist, Geige. Hojat war in Afghanistan Geigenlehrer, lernte dann aber Reshad kennen und gründete mit ihm zusammen die Band «White Page». Da aber Rockmusik in einem islamischen Land wie Afghanistan nicht wirklich gerne gesehen wird, mussten sie sich entscheiden: Entweder die Heimat oder die Musik.»

Patrick lernte Reshad dann in der Kantonsschule Solothurn kennen und später durch ihn auch den Uhrenmacher-Lehrling Hojat. «So kam dann das ganze Projekt langsam ins Rollen und wir gründeten unsere Band», schliesst Patrick ab.

Die zwei kamen direkt aus einem anderen, fernen Land. Wie habt ihr miteinander kommuniziert? Wie kann man sich das vorstellen?

«Reshad und Hojat waren bei Gründung der Band bereits über ein Jahr in der Schweiz. Sie hatten das Glück, dass sie in ihrer Heimat gut ausgebildet wurden. Deswegen konnten sie gut Englisch und haben auch schnell Deutsch gelernt. Früher haben wir in den Bandproben immer Hochdeutsch miteinander gesprochen, doch jetzt mittlerweile reden sie schon Schweizerdeutsch wie jeder und jede andere hier. Dies nicht zuletzt dank ihrer Ausbildungsplätze als Kaufmann und Uhrenmacher.

«Ich war ehrlich gesagt sehr erstaunt über den schnellen Prozess der Eingliederung in die Schweizer Gesellschaft der beiden. Bei ihnen ist der Wille zur Integration sehr gross und auch spürbar. Da gibt es auch beispielsweise andere, die seit 20 Jahren in der Schweiz leben und immer noch kein Wort Deutsch sprechen können.»

Die besondere Zusammensetzung eurer Band hat sicherlich auch Einfluss auf die Songs. Welche Themen behandelt ihr in euren Songs, was ist eure Botschaft?

«Im Pop-Genre wird vor allen Dingen das Thema Liebe behandelt. Wir haben aber auch gesellschaftskritische Songs in unserem Repertoire. Am 1. Dezember erscheint der Song «Bridges», welchen ich unter meinem Namen veröffentlichen werde. Der Song wird in allen Onlinestores verfügbar sein. Dort geht es um die ganze Flüchtlingsthematik, um einen Mann, der durch einen Krieg alles verloren hat und den Zuhörer quasi mit auf eine Reise über seine «Brücke» nimmt, welche er aufgebaut hat, aber nun zerstört ist.»

Welche Bedeutung hat euer Bandname «Aging Skies»?

Patrick lacht und erklärt: «Da gebe ich immer allen eine andere Antwort. Zuerst wollten wir der Band aufgrund meines Nachnamens einen Namen mit dem Wort «Black» verpassen. Dies war uns aber auf eine Art «zu hart» und da unsere Musik nicht wirklich hart ist, haben wir diese Idee wieder verworfen. «Skies» ist ein offener Begriff, worunter man sich viel vorstellen kann. «Aging Skies» bedeutet schlichtweg, dass der Himmel zuschaut, was hier auf der Welt geschieht und deshalb ab und zu auch Runzeln bekommt.»

Was ist eine deiner schönsten Erfahrungen, die du in deiner Musikkarriere machen durftest?

«Von denen gibt es natürlich viele. Ein wirklich schöner Moment war, als wir in der Kulturfabrik Kofmehl in der Raumbar an einem Bandcontest auftraten. Es hatte so viele Leute, dass die Menschen fast in den Raum hineingepresst werden mussten. Die Stimmung war auf eine positive Art sehr speziell. Alle hatten Lust, die Bands zu hören.»

Wie sehen deine/eure musikalischen Zukunftspläne aus?

«Mit der Band suchen wir uns jetzt ein wenig neu. Ich war ja auch eine Zeit lang, fast ein Jahr, im Militär. Wir müssen uns neu finden, unseren Stil optimieren, uns ein wenig mehr auf Alternative und das Jammen konzentrieren. Auch wollen wir uns mehr von der Musik treiben lassen, um unseren Stil neu erfinden zu können. Mein persönliches Ziel ist es, mal an einem Festival spielen zu dürfen. Ich war noch nie an einem Festival, weder als Besucher, noch als Act. An meinem ersten Festival will ich persönlich spielen, das ist mein Ziel.»

Mehr Informationen unter:

http://www.agingskies.com/

SO geht Musik! – In dieser Kurzreihe werden auf Tize.ch  innerhalb des Monats November 4 Musiker aus der Stadt Solothurn und ihrer Umgebung interviewt oder porträtiert. Jeden Montag im November erscheint ein neuer Beitrag der Reihe.

Der Zugang zu Information wird immer leichter. Über das Internet haben wir heute innerhalb von wenigen Sekunden etwas nachgeschlagen, recherchiert oder gar bestellt. Doch wie können wir bei einer so grossen Datenmenge den Überblick behalten? Wie können wir uns im Netz besser schützen? Die seit 2016 existierende Anwendung «SnowHaze» macht es möglich.

Livio Mutti, auch genannt «Livio Cajugi», ist bereits in der Schweiz und sogar in Portugal im Rahmen elektronischer Musik als DJ aufgetreten. Im Frühling 2016 veröffentlichte er seine erste Single «I Belong to You». Sein Ziel war es nie, durch die Musik berühmt zu werden. Für ihn ist sein Hobby richtige Leidenschaft.

«Die Musik, die ich liebe, den Leuten vermitteln», antwortete Livio Mutti auf die Frage, was er von Beginn an mit seiner Musik erreichen wollte. Der 21-jährige Taggeldspezialist kam schon früh in die Berührung der Welt der Musik. Mittlerweile mixt und spielt er in seiner Freizeit seine eigene Musik, ganz im Stile der heutigen Zeit.

 

Livio, wie bist du darauf gekommen, Musik zu machen?

«Mich hat viel dazu bewegt, Musik machen zu wollen. Ein wichtiger Faktor ist mein Taktgefühl, welches mich beim Komponieren oder Mischen gut unterstützt. Begonnen habe ich mit dem Klavier. Später kamen dann auch das Keyboard und das Xylophon hinzu. Das Praktische an Tasteninstrumenten ist, dass man das Klavier quasi als Grundlage nehmen kann. Sobald man Klavier spielt, liegen einem  die anderen Instrumente viel besser.»

 

Welche waren deine ersten Schritte?

«Begonnen hat alles, als ich mir eine CD vom Künstler «Basshunter» gekauft habe. Von ihm war ich eine lange Zeit lang sehr begeistert. So kam ich also langsam mit der elektronischen Musik in Berührung, damals im speziellen mit der Untergenre «Hands up». Basshunter wurde zu meinem Vorbild. So begann ich dann auch selber, mich an Hands up zu versuchen.»

 

Wie ging es dann weiter?

«Es gab dann plötzlich eine Phase, in der ich in Richtung EDM, Bigroom-House gerutscht bin. In diesem Genre sind heute viele der berühmten DJ`s anzutreffen, wie beispielsweise Martin Garrix, Hardwell, Armin van Buuren, Calvin Harris, Tiësto, usw. In den fünf, sechs Jahren, in denen dieser Stil enorm beliebt war, hat sich das so entwickelt, dass plötzlich alle DJ`s solche Lieder spielten. Als DJ muss man sich auch ein wenig an die Zeit anpassen. So haben wir auch zu viert in den Räumen unseres Jugendtreffs begonnen, EDM und Bigroom-House zu mixen und stundenlang geübt. So kam dann später auch meine erste Single «I Belong to You» zu Stande, welche ich in Zusammenarbeit mit dem Musiklabel komponiert habe.»

 

Wie reagiert dein Umfeld auf deine Musik?

«Wenn mich jemand auf meine Musik anspricht, dann eher auf das Auflegen und nicht auf das eigene Produzieren von Musik. Die Leute kennen mich eher dadurch, da ich gerade in der Schweiz, beispielsweise an der Herbstmesse in Solothurn oder in diversen Bars und Clubs viel aufgelegt habe, sowie auch schon in Lausanne, Zürich und Luzern. In Lausanne, im MAD-Club, durfte ich unter den Top 83 aller DJ`s mitmischen. Das war für mich ein grosser und schöner Moment zugleich», erzählt Livio in Gedanken schwelgend.

«Früher habe ich sehr viel aufgelegt, noch bevor ich ein halbes Jahr nach Rom ging, um dort ein Sprachstudium zu machen. In Rom habe ich dann gemerkt, dass es für mich wichtigere Dinge neben dem Auflegen gibt, wie beispielsweise Familie, Freunde oder eigene Musik zu machen», fügt er hinzu.

 

Dann hast du also sozusagen vor, vom Auflegen zum Selberproduzieren zu wechseln?

«In der Tat ist das Thema sehr gross, vermehrt eigene Tracks zu kreieren. Auch mein DJ-Partner «Barrex», mit dem auch an der Herbstmesse Solothurn zusammen aufgelegt habe, spricht mich des Öfteren darauf an. Zurzeit sind wir zusammen am Ausprobieren von verschiedenen Beats und Genres. Neulich habe ich ein paar Afro-Trap Beats gemacht, ein anderes Genre, welches ich so ein wenig für mich entdeckt habe. An Techno und Techhouse-Beats habe ich mich auch ausprobiert. Bis jetzt ist leider noch kein neuer Track entstanden, den man der Menge präsentieren könnte.»

 

Wie sieht dein Plan für die Zukunft aus?

«Sicher nicht mehr viel aufzulegen. Klar, es macht sehr viel Spass, aber immer in der Disco oder in der Bar zu sein ist meines Erachtens nicht sehr erfüllend. Ich möchte mich auf meine eigene Musik konzentrieren und mich so irgendwie entwickeln.»

Vielen Dank Livio, für das spannende Interview.

 

 

«Bella ciao!», ein Lied, erstmals gesungen von italienischen Arbeiterinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Rund 73 Jahre später ist das Protestlied in Bars und Clubs an jeder Ecke zuhören. Was steckt hinter «Bella ciao»? Wie schaffte es ein altes Lied eine neue Generation in den Bann zu ziehen?

«Una mattina mi son alzato, o bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao!» Das ist die erste Strophe des Partisanenlieds «Bella ciao», wieder bekannt geworden durch die spanische Serie «Casa de Papel» (auf Deutsch «Haus des Geldes»), welche seit dem Jahre 2017 ausgestrahlt wird. Seit dem Erscheinen der Serie wurde das Lied von diversen DJ`s in Form von Remixen gecovert. Das Partisanenlied findet heute einen grossen Anklang und wurde zum Sommerhit.

 

Ein Lied prägt ein gesamtes Jahrhundert

Seinen Ursprung findet das Lied im frühen 20. Jahrhundert. Damals wurde das Lied von italienischen Reispflückerinnen gesungen, welche sich gegen die harten Arbeitsbedingungen auflehnten, so berichtet MDR Kultur. Später wurde das Lied von italienischen Partisanen im Widerstand gegen Benito Mussolini und Adolf Hitler im 2. Weltkrieg eingesetzt. Italien war unter Diktator Mussolini im 2. Weltkrieg mit Hitler und dem Dritten Reich verbündet und wurde somit faschistisch regiert. Schnell wurde das Lied bei Partisanen in ganz Europa, später in der ganzen Welt, als Widerstandslied gegen die faschistischen Regierungen in Gebrauch gesetzt.

Gerade in der UdSSR (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken), wurde das Lied populär. Nach der Russischen Revolution im Jahre 1917 wurde auch «Bella Ciao!» in das Repertoire des Chors der roten Armee, heute auch bekannt unter dem «Alexandrow-Ensemble», eingeführt. Der Chor sang das Lied in der Originalsprache, auf Italienisch, an vorderster Front.

 

Das Comeback der revolutionären Hymne

73 Jahre nach dem Sieg der Alliierten und der UdSSR über das Dritte Reich, feiert das Partisanenlied durch den Beginn der Ausstrahlung der Serie «Casa de Papel» regelrecht ein Comeback. Die momentan laufende Serie ist laut Netflix bereits die meistgesehene nicht-englischsprachige Serie auf ihrem Portal. Der erste Auftritt des Liedes findet in der 15. Episode der ersten Staffel statt. Die Episode wurde am 23. November ausgestrahlt. Es dauerte nicht lange, bis der erste DJ das Lied für einen Remix verwendete. Florent Hugel, auch bekannt unter «DJ Hugel», machte mit seinem Remix das alte Partisanenlied zum Sommerhit 2018. Auf seinen Remix folgten weitere von anderen DJ`s aus aller Welt. Der neuste Remix wurde vom niederländischen DJ Robert van den Corput, auch bekannt unter seinem DJ-Pseudonym «Hardwell», entwickelt. Dies in Zusammenarbeit mit einem anderen Elektrokomponisten namens «DJ Maddix».

Auch besonders bei jungen Leuten findet das Lied grossen Anklang. Gerade im Ausgang wird das Lied gerne mal gesungen. Der Grund ist wahrscheinlich vor allem die Melodie des Liedes, denn tatsächlich ist vielen gar nicht bewusst, woher das Lied stammt und was die Strophen genauer zu bedeuten haben.

 

Die wirkliche Bedeutung von «Bella ciao»

Das Lied ist, wie oben im Text bereits erwähnt, ein ehemaliges Arbeiter- und Partisanenlied. Es diente den Arbeiterinnen und später den Partisanen im 2. Weltkrieg als «gemeinsames etwas», als gemeinsames Lied, welches die Aufständischen miteinander verbunden hat. Der Kontext bezieht sich nach ze.tt auf die Menschen, die im Widerstandskampf ihr Leben gelassen haben und werden somit als Helden und Heldinnen gefeiert. Bei der Auffassung und Bedeutung des Liedes kommt es darauf an, welchen Ort und welche Zeit man als Ausgangspunkt nimmt. Die Originalversion aus Italien wirkt wie eine Klage, eine Klage nach Freiheit und der Vereinigung zwischen den Menschen, um etwas verändern zu können. In der früheren UdSSR wurde die Version der roten Armee von «Bella ciao» besonders durch Instrumente des Orchesters unterstrichen. Dies verleiht einem beim Zuhören etwas Heroisches, Verehrendes. Gleichzeitig wurde versucht, durch die starken, männlichen Stimmen, Macht und Furcht wiederzugeben. «Bella ciao» wurde also in der UdSSR auch als Militärmarsch und zu Propagandazwecken verwendet.

 

Casa de Papel und «Bella ciao»

Doch wie steht das Lied mit seiner Geschichte und der Serie in Zusammenhang? Das Lied wurde von den Machern der Serie nicht per Zufall gewählt. In der Serie findet ein gut ausgedachter und geplanter Überfall statt, dessen Drahtzieher der sogenannte «El Profesor» (gespielt von Álvaro Morte) ist. In seiner Vergangenheit spielte «El Professor» das Lied gerne, da sein Grossvater in Italien als Partisan gegen die faschistische Regierung gekämpft hat. Deshalb wurde das Lied dann auch zur Hymne innerhalb der Serie.

 

«Bella ciao!», ein Lied, welches über Generationen weitergetragen wurde, durch schwere und leichte Zeiten hindurch Menschen inspiriert und Mut gespendet hat, egal ob zur Freude oder zur Trauer. Ein Lied, welches uns wohl noch lange erhalten bleibt.

  1. Elf Museen, elf Brunnen, elf Kirchen und elf Kapellen. Die Zahl Elf ist in der Stadt Solothurn des Öfteren vertreten und wurde zum Wahrzeichen. Doch wie kam es dazu, dass sich bis heute Solothurner und Solothurnerinnen mit dieser Zahl identifizieren? Der zweite Teil der Reihe «So tickt SO!», über den Mythos der Zahl 11.

«Es lit es Stedtli wunderhübsch am blaue Aarestrand. S`isch immer eso gsih, s`isch immer eso gsih!» Das sind die ersten Strophen des sogenannten «Solothurner Liedchen», dessen Melodie täglich jeweils um 11:00, 12:00, 17:00 und 18:00 Uhr erklingt, ausgelöst von der stadtbekannten Solothurner Uhr. Und wie viele Ziffern besitzt sie? Natürlich, elf! Nicht nur in der Solothurner Uhr ist diese Zahl auf eine spezielle Art und Weise vertreten. Woher kommt dieser Mythos, um den sich zahlreiche Gerüchte und Vermutungen kreisen?

Mythische Sagen

Um die Entstehung dieses Mythos ranken sich die verschiedensten und skurrilsten Sagen. Eine Beliebte stammt aus dem Buch «Leben am Jurasüdfuss». Nach einem Dokument der Solothurner Stadtrundgänge handelt die Sage von einem Dörfchen, welches Solothurn hiess. Die Einwohner waren alle bereits des älteren Alters und es gab keine Kinder im Dorf. Auch gab es kein Licht und es war stets dunkel auf den Strassen des Dörfchens. Die Sage besagt, dass die Bewohner des Dorfes keinerlei Freude empfanden oder wussten, was es hiess, zu lachen. Eines Tages erkannte die Elfenwelt, in welcher Situation sich die Solothurner und Solothurnerinnen befanden und ihr Meister beschloss, genau elf Elfen loszuschicken, die als Kinder verkleidet waren, um den Bewohnern zu zeigen, was es hiess, Freude und Glück zu empfinden. Von da an erfreute man sich wieder über das Leben in Solothurn. Die Frauen brachten Kinder zur Welt und das Dorf wuchs an, bis es eine Stadt wurde.

Der Sage nach, wurden als Dank die 11 Brunnen, 11 Kirchen, 11 Kapellen, etc. erbaut und den Elfen gewidmet.

Verewigung der Zahl 11

Diese «heilige Zahl», wie sie im Solothurner Munde gerne genannt wird, ist in allem möglichen vertreten. Der Architekt der St. Ursenkathedrale Gaetano Matteo Pisoni war von diesem Mythos, welcher bereits zu seiner Zeit in vollem Gange war, so begeistert, dass er sie auch in seinem Bauwerk verewigen wollte. Die St. Ursenkathedrale besitzt bis hin zur Pforte 33 Stufen, verteilt auf 3 Ebenen, also jeweils 11. Laut solothurn-city.ch, misst der Glockenturm 6 x 11 Meter und beinhaltet 11 Glocken. Innerhalb der Kathedrale wurden 11 Altäre eingebaut, die Anzahl der Pfeifen der Orgel ist durch 11 teilbar und viele weitere Elemente, die auf die Wichtigkeit dieser Zahl hinweisen, sind in der Kathedrale anzufinden. Interessanterweise betrug auch die Bauzeit der Kathedrale 11 Jahre, von 1762 bis 1773.

Die 11 Brunnen sind eine weitere Form der Verewigung der Zahl 11. Aufgrund des Reichtums des Ambassadors zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, wurden diese reichlich beschmückt. Im Vergleich mit den Flächen anderer Städte der Schweiz, wurde Solothurn die «Brunnenreichste», da sich die Menge der 11 Brunnen nicht so gut auf die nicht allzu grosse Fläche Solothurns verteilt.

Prägung bis in die heutige Zeit

Nicht nur in den Bauwerken der Stadt ist die Zahl 11 anzutreffen. Beispielsweise im Namen der Kinderguggenmusik «Öufischränzer», dem Club «eleven» oder einer Firma namens «IMMO-11». Aber auch im Kulinarischen macht diese «heilige Zahl» nicht halt. So ist das sogenannte «Öufi-Bier» schweizweit bekannt. Das Solothurner Bier wird in der eigenen «Öufi-Brauerei» in der Stadt hergestellt. Die Brauerei besitzt ebenfalls eine Beiz, in der es möglich ist, das «Öufi-Bier» in all seinen Variationen zu probieren. Auch ein spezieller «Öufi-Whiskey», darf da natürlich nicht fehlen. Auch in der «11i-Schockolade» ist die Ziffer verewigt. Ausserdem muss die Zahl 11 nicht unbedingt gross auffallen. Manchmal ist sie auch versteckt, wie zum Beispiel in Speisekarten der Restaurants als kleinen «Gag» oder als Anspielung an den Mythos. Ebenfalls wird auch das Infanterie-Bataillon 11 der Schweizer Armee als «Solothurner-Bataillon» bezeichnet.

Solothurn und die 11, eine ewige Liebe?

Bis heute konnte nicht erklärt werden, weshalb die Solothurner Bevölkerung eine so grosse Liebe zur Zahl 11 pflegt. Klar ist, dass die Erklärung dafür bis ins Mittelalter zurückreicht. Des Weiteren konnten nur Vermutungen angestellt werden, was die Herkunft der Zahl 11 betrifft. Die Bürgerschaft der Stadt zu Gründungszeiten Solothurn, war in 11 Zünfte gegliedert. Der erste Rat, welcher die Stadt in der Eidgenossenschaft stellen durfte, beinhaltete ebenfalls 11 Mitglieder. Möglicherweise begann die Bevölkerung aufgrund dieser beiden und zahlreichen weiteren «11er-Beziehungen», bewusst, wie auch unbewusst, diese «Liebe» zur Zahl 11 zu pflegen und immer mehr in die Kultur zu übernehmen. Eine Liebe, die vermutlich noch lange halten wird.

«Wir wollen das Nachtleben in Solothurn zurück» Mit diesem Motto wurde im Mai 2017 die Facebook-Gruppe «Pro nightlife Solothurn» gegründet. Aufgrund von nicht vorhandenen Bewilligungen, war es für die Solothurner nicht mehr möglich, Partys der bekanntesten Partyveranstalter der Stadt zu besuchen. Wie kam es dazu und wie sieht die Situation heute aus?

«Sorry Partypeople», diese Nachricht erreichte im Frühjahr letzten Jahres die Solothurner. Laut einer Ausgabe der Solothurner Zeitung letzten Jahres sind Partyveranstalter und Barbetreiber eingeschränkt, seitdem die Stadt Solothurn für die Regelung von nächtlichen Anlässen innerhalb der Stadt zuständig ist und nicht mehr der Kanton. Nun ist es notwendig für Partys und Öffnungszeiten, die am Wochenende über die Limite von 02:00 Uhr gehen, eine Bewilligung einzureichen. Doch warum ist es für die «Partypeople» von Solothurn nicht mehr möglich, länger feiern zu gehen?

Abschaffung von Freinachtkontingenten

Ein Grund dafür ist, dass früher bei Baubewilligungen innerhalb der Stadt der zeitliche Rahmen der Öffnungszeit bis auf 02:00 Uhr festgelegt worden war. Mit dem neuen Gesetz, welches bereits letztes Jahr in Kraft trat, ist es also für Veranstalter, welche in solchen Gebäuden ihre Lokalitäten besitzen, nicht mehr möglich, über diese Grenze hinaus geöffnet zu haben. Freinachtkontingente, welche jedem Nachtgastronomiebetreiber für eine bestimmte Zahl an späteren Schliessungszeiten zustehen, werden in der Stadt Solothurn nun abgeschafft, so wurde sogar im Tagesanzeiger darüber berichtet. Ebenfalls wird die Schliessungszeit unter der Woche verkürzt, sowie auch die an den Wochenenden. Barbetriebe dürfen in ihren Lokalen nicht mehr bis um 04:00 Gäste empfangen. Nur noch mit einer Bewilligung, welche vorerst von mehreren Gremien abgesegnet werden muss, ist dies möglich.

Laut Philipp Eng, dem Präsident der Jungfreisinnigen Solothurn, war es vor der Abschaffung des Gesetzes für die Bar- und Restaurantbetreiber möglich, telefonisch mit der Stadtpolizei Kontakt aufzunehmen und die Bitte anzubringen, ihre Lokalitäten länger geöffnet zu haben. Die schlussendliche Entscheidung lag dann bei der Polizei, die die Situation für die einzelnen Abende besser einschätzen konnte.

Die Gastronomie ist besonders betroffen

Gemäss dem Jungpolitiker, habe jeder Betreiber um die 20 Kontingente besessen, die er nach seinem Belieben über das Jahr verteilt einsetzen konnte. Dies sei vor allem in warmen Sommernächten praktisch gewesen, an denen am meisten Menschen den Quai nahe der Aare, genannt «das Mürli», aufsuchen. So konnte spontan entschieden werden, die Lokalität länger geöffnet zu haben und somit den Kunden und Kundinnen einen Ort zu bieten, an dem sie sich länger treffen konnten. Unter den Partyveranstaltern ist unter anderem auch die Bar «Solheure» besonders betroffen. Noch bis zum April letzten Jahres war für die Veranstalter möglich, ihre Lokalität bis um 04:00 Uhr geöffnet zu haben. Doch plötzlich war dies nicht mehr möglich und eine bevorstehende Party musste sogar kurzfristig abgesagt werden. «Das Solheure war bisher fälschlicherweise der Meinung, dass diese Regelung erst ab 2018 nach Ablauf der zweijährigen Übergangsfrist für das neue Gesetz gültig sei», wird in einem Beitrag auf der Facebookseite des Solheures erklärt.

«Gemeinsam gegen Partysterben!»

Nun schaltet sich auch Stück für Stück die Bevölkerung Solothurns ein und wehrt sich mit der Gründung einer Facebook-Gruppe gegen das «Partysterben». Die Facebook-Gruppe «Pro nightlife Solothurn» fasst heute bis zu 1500 Likes. Die Befürworter des Solothurner Nachtlebens haben es satt, dass immer weniger Bewilligungen der Behörde für das Nachtleben ausgesprochen werden. So wird der Beweggrund für die Gründung einer solchen Gruppe in der Info auf ihrer Facebookseite dargelegt. «Gemeinsam gegen Partysterben!», so lautet ihr Slogan.

Nicht nur die Bevölkerung, auch die verschiedensten Jungparteien von rechts bis links, beispielsweise die Jungfreisinnigen, die Junge CVP, die Junge Grüne oder die SVP, haben sich zusammengetan und einen sogenannten «Volksauftrag» erarbeitet. In diesem Volksauftrag wird der Regierungsrat dazu beauftragt, Anpassungen im Wirtschafts- und Arbeitsgesetz vorzunehmen, die den Städten und Gemeinden des Kantons Solothurn mehr Spielraum in Sachen des Nachtlebens bieten. Die Parteien begründeten dies mit der Entmachtung des freien Umgangs mit Öffnungszeiten der einzelnen Städte und Gemeinden. Laut den Initianten habe die Möglichkeit der Kontingente eine Kompromisslösung für Bewohner von jung bis alt gebildet. Auf der einen Seite, würde den kulturell interessierten und partyfreudigen Leuten Lokalitäten geboten und auf der anderen Seite, würden auch diejenigen geschützt, die in der Nacht ihre Ruhe haben wollen, da dank der begrenzten Anzahl der Kontingente nicht jede Nacht länger gefeiert werden würde. Ausserdem biete das Nachtleben eine Attraktivität für die Stadt Solothurn und wäre ein wesentlicher Bestandteil im Konkurrenzkampf mit anderen Gemeinden und Städten. Die Jungparteien, die diesen Volksauftrag erarbeiteten, erachten wegen den momentan geltenden Gesetzgebungen das Solothurner Nachtleben als nicht attraktiv.

Wie geht es weiter für die «Partypeople» von Solothurn?

«Klar ist, dass es immer Leitragende gibt, die durch eine neue Gesetzgebung eingeschränkt werden. Die Frage ist halt, welcher Seite mehr Gewichtung zu geben ist. Beispielsweise muss mit gewissen Lärmbelästigungen gerechnet werden, wenn man mitten in einer Stadt lebt. Sei es eine kleinere Stadt, wie Solothurn oder eine grössere, wie Zürich, Basel, etc. Eine Stadt ist nun mal eine Stadt und demnach auch lauter, als ein Dorf irgendwo auf dem Land», findet Philipp Eng. «Gewissermassen hat man bei jedem Volksauftrag Interessensverschiedenheiten, die es abzuwägen gilt. Wir hätten auch eine Verlängerung der Öffnungszeiten anfordern können, aber wir wollten den Kompromiss und haben uns so für die Freinachtkontingente entschieden, um nicht nur für eine Seite eine Lösung zu finden», erklärt Philipp zudem.

Der Volksauftrag muss vorerst vom Kantonsrat abgesegnet werden. Von da an ist es für die Anwohner, die sich aufgrund des Lärms gestört fühlen, möglich, ein Referendum zu ergreifen und zu versuchen, die neue Gesetzgebung zu unterbinden. An der Gemeindeversammlung werden über solche Volksaufträge abgestimmt, dort ist es auch für die Gegnerseite möglich, dagegen zu stimmen und den Volksauftrag zu unterbinden. Die Hoffnung geben aber die Jungparteien, sowie die Bar- und Restaurantbetreiber, nicht auf.

Man hört in der Politik immer wieder von «Rechts» oder «Links». Doch welche Parteien sind eher rechts oder eher links? Was bedeutet es überhaupt, sich als rechts oder links zu bezeichnen? Tize.ch versucht dir deine Antwort auf die Frage «Bist du rechts- oder linksorientiert?» bei Alltagsgesprächen zu erleichtern.