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Cyrill Pürro

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Das Schweizer Militär gerät des Öfteren in Kritik. Es koste zu viel, wäre unnötig und überhaupt: Die Schweiz wäre doch viel zu unwichtig, weshalb sollte ein so kleines Land angegriffen werden? All das sind Kritikpunkte, die in alltäglichen Diskussionen immer wieder auftauchen und auch während den diesjährigen Wahlen, gerieten die «grünen Ferien» desöfteren in Beschuss. Wie wichtig ist eine Armee für ein kleines Land wie die Schweiz und welchen Stellenwert hatte sie in der Vergangenheit?

Der Bobsport ist ihre Leidenschaft: Die aus dem Solothurnischen Bettlach stammende Paulina Götschi ist seit fünf Jahren begeisterte Hobby-Bobfahrerin. Seitdem sie 2014 am sogenannten «Schweiz bewegt» einen Anschiebebob zum Ausprobieren anstossen durfte, hat sie einiges erlebt und war unter anderem bereits an den olympischen Jugendwinterspielen vertreten. Angefangen habe alles «sanft», doch mittlerweile brettert die 19-jährige mit 120 Stundenkilometer den Eiskanal hinab.

Der Ehrgeiz steht Paulina ins Gesicht geschrieben. Einen anstrengenden Tag habe sie hinter sich, denn neben dem Bobsport besucht sie die Fachmatur in der Kantonsschule Solothurn. «Diesen Freitag ist der Abgabetermin für meine Arbeit, deswegen bin ich ein wenig gestresst», erklärt sie bestimmt aber mit einem Lächeln auf den Lippen. Und dennoch hat sie die Zeit gefunden, mir am «Aaremürli» in Solothurn mehr über ihr Leben und ihre Leidenschaft zu erzählen. Im Februar schliesst Paulina die Fachmatur ab und will danach eine Lehrerinnenausbildung in Richtung Sekundarstufe absolvieren. Das Ziel, einmal als Lehrerinn unterrichten zu können, stehe in ihrem Leben im Vordergrund. Nichtsdestotrotz nimmt der Sport in ihrem Zeitplan viel Platz ein.

 

«Mir hat es sofort den Ärmel reingenommen»

Zum ersten Mal mit dem Bob in Kontakt kam sie am Gemeindeduell von «Schweiz bewegt» im Jahre 2014. Damals duellierten sich die beiden Dörfer Bettlach und Selzach. Dabei ging es lediglich darum, welche der Gemeinden in der Freizeit am meisten Sport trieb. «An einem Posten bestand die Möglichkeit den Prototypen eines Bobs anzuschieben. Wer die kurze Strecke am schnellsten bewältigt hatte, wurde für ein Probetraining in Innsbruck eingeladen», erklärt Paulina den Anfang ihrer Bobkarriere. Das Glück und ihr athletisches Können, welches sie vorher schon in der Leichtathletik erlernt hatte, standen auf ihrer Seite. So gewann sie den Wettkampf und erhielt die Chance, das Probetraining wahrzunehmen. «In Innsbruck hat es mir dann sofort den Ärmel reingenommen», ergänzt sie ihre Aussage.

 

Auf Tuchfühlung mit dem Eiskanal

Das erste Mal, als Paulina am obersten Ende der Abfahrt stand, war ihr mulmig. Marcel Rohner, der damalige Nationaltrainer vom gesamten Schweizerischen Dachverband des Bobsports, habe sie einfach ins kalte Wasser geworfen und sie dem Schicksal überlassen. Natürlich hat sich Paulina die Kurven und schwierigen Stellen der Strecke im Voraus angeschaut. Trotzdem hatte sie zu diesem Zeitpunkt von Tuten und Blasen noch keine Ahnung. «Ich war aufgeregt und der Puls war hoch. Schlussendlich bin ich aber gut unten angekommen, ohne mit dem Bob umzufallen», schildert Paulina ihre Gefühlslage bei der ersten Abfahrt. Die extreme Geschwindigkeit und die Tatsache, dass Paulina im Eiskanal auf sich allein gestellt war, gab ihr sofort den Kick und bewegte sie dazu, das neue Hobby weiter zu verfolgen. Bei den Abfahrten im Monobob wurde Paulina erst richtig bewusst, wie sehr das Lenken des Bobs auf ihre Entscheidungen ankam. Das Ausmass der Kräfte, die in einem Eiskanal herrschen, bekam sie schnell zu spüren. Gleich nach der ersten, erfolgreichen Abfahrt stürzte sie beim zweiten, dritten und vierten Versuch.

 

«Meine Angehörigen hatten natürlich Angst um mich. Schliesslich kann das Hinunterdüsen durch einen Eiskanal in derartiger Geschwindigkeit gefährlich werden.»

 

«Der Wille war immer grösser»

Von Innsbruck zurückgekehrt blieb Paulina genügend Zeit sich zu überlegen, ob der Bobsport in ihrem Leben wirklich Zukunft haben soll. Nicht nur sie, sondern auch die Eltern und Freunde hatten Zweifel an Paulinas Hobby. «Meine Angehörigen hatten natürlich Angst um mich. Schliesslich kann das Hinunterdüsen durch einen Eiskanal in derartiger Geschwindigkeit gefährlich werden», sagt sie. Von den schlechten Erlebnissen liess sich die ehrgeizige Bettlacherin nicht unterkriegen. «Der Wille war immer grösser», erklärt Paulina stolz. Zudem darf sie sich über einen grossen Rückhalt in der Familie, sowie im Freundeskreis erfreuen. Ausschlaggebend für den Entscheid zum Verbleib beim Bobsport war die Möglichkeit, die Jugendwinterspiele 2016 im norwegischen Lillehammer besuchen zu können.

 

Langsam, aber stetig

Der Entscheid, an den Spielen in Lillehammer teilzunehmen, zahlte sich aus. Ihr erstes Turnier durfte Paulina mit dem achten Platz abschliessen. Dies gab ihr den Ansporn, weiter zu machen und ein Jahr darauf den Weltcup im gleichen Ort zu bestreiten, wo sie Siebte wurde. Dies, obwohl sie nach den Winterspielen in Norwegen noch nicht richtig wusste, wie es weitergeht. «Es ging um die Frage, ob ich vom Monobon auf den Zweierbob umsteigen sollte. Von vielen wurde mir gesagt, ich sei zu jung für einen Wechsel, so habe ich den Anschluss ein wenig verpasst. Dennoch fuhr ich von den Weltmeisterschaften 2017 an im Zweierbob mit.» Und das mit Erfolg. Im letzten Jahr durfte Paulina einen weiteren grossen Erfolg feiern: Ihr Team belegte an den Schweizer Meisterschaften den dritten Platz. «Ich bin sehr zufrieden mit unserem konstanten Aufstieg. Es braucht Zeit, um an die Spitze zu kommen. Im Bobsport zählt man bis zum 26. Lebensjahr zu den Juniorinnen und zudem bin ich jung und habe noch viel Zeit», wertet Paulina ihren langsamen, aber stetigen Aufstieg in der Welt der Bobfahrt.

Hauptsächlich sieht Paulina aber die kleineren Dinge als wichtige Erfolge, wie beispielsweise neue Strecken kennenzulernen und erfolgreich abzufahren oder generell an grossen Turnieren teilzunehmen. Auf die neuen Bekanntschaften, die Paulina an solchen Ereignissen machen darf, gibt sie ebenfalls grossen Wert.

Paulina Götschi (links im Bild) mit ihrer Teamkollegin an der WM in St. Moritz.

Der Sport als Antrieb für Paulinas inneren Motor

«Zurzeit kommt alles ein wenig kurz», gibt Paulina auf die Frage zu, wie ihr Terminkalender aussieht. Das regelmässige Trainieren in der Leichtathletik und der Kraft, sowie die zeitintensive Fachmatur, nehmen viel Platz in ihrem Leben ein. Gerade dieses Halbjahr muss Paulina viel Schulstoff für die Abschlussprüfungen lernen und hat gleichzeitig ein dickes Programm mit dem Turnverein, in dem sie eine Leiterfunktion innehat. «Zugleich will ich meine Freunde nicht vernachlässigen und auch mit ihnen Zeit verbringen. Es ist alles knapp, aber mit guter Organisation machbar», findet Paulina zuversichtlich. Ihre Freunde haben vollstes Verständnis dafür und reisen des Öfteren nach St. Moritz zu Trainingstagen oder Wettkämpfen mit. Mit dem Stress, der von diesem engen Zeitplan ausgelöst wird, kann sie gut umgehen. «Ich erlaube mir nur wenig Fehler, was daran liegt, dass ich manchmal etwas zu hohe Ansprüche an mich selbst habe. Das löst zwar weiteren Stress aus, motiviert mich aber immer wieder dran zu bleiben und besser zu werden», erläutert Paulina offen und ehrlich. Der Sport sei verantwortlich dafür, wie sie ihr anderes Leben lebe und hält ihren inneren Motor stetig am laufen, wie sie sagt.

Stolz darf sich Paulina mit anderen Athletinnen aus aller Welt auf dem Podium präsentieren. (Dritte von links in der unteren Reihe)

Paulina ist sich nicht sicher, ob sie in fünf bis zehn Jahren noch in den Bob steigen wird. Die berufliche Laufbahn mit einer guten Ausbildung habe in ihrem Leben Vorrang. Vor ein paar Jahren hatte sie noch das Ziel, 2022 an den Winterspielen in Peking teilzunehmen. Doch dieser Traum sei nun in weite Ferne gerückt. Aber die Chance, irgendwann mal an einem solch grossen Event mit dabei zu sein, existiert noch. «Vier Jahre später sind die nächsten Spiele. Vielleicht sieht man unser Team dann dort den Eiskanal runtersausen», sagt sie schmunzelnd.

Wir wünschen Paulina und ihrem Team weiterhin viel Erfolg.

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zur Reihe.

An den diesjährigen Nationalratswahlen sind nicht nur Politiker*innen der bekannten Parteien vertreten. Die erst im Jahre 2018 gegründete Schweizerische Hanfpartei mischt mit dem 38-jährigen Dario Tobler um die Sitze im Parlament mit. Seine Hauptanliegen: Die Legalisierung von Cannabis und das Image der Hanfpflanze in der Schweiz aufzubessern. Welchen Stellenwert der Hanf in Darios Leben hat und wie seine politischen Ziele aussehen – alles in der vierten Ausgabe von #porträtiert.

Mit etwas zerzausten, blonden Haaren und vom Tag gezeichnetem Gesicht, sitzt Dario Tobler vor mir und gestikuliert wild, wenn er begeistert mit Fachwissen um sich schlägt. Dabei überrascht mich, wie offen er über die Debatte um die «Hanffrage» zu erzählen vermag – und das in einer öffentlichen Bar an der Solothurner Aare. Als Präsident der neuen Schweizerischen Hanfpartei (SHP) tritt er für die Nationalratswahlen am 20. Oktober an. Aufgrund der zu früh eingetretenen Ernte, habe Dario einen anstrengenden Tag hinter sich. Doch er nimmt solche Situationen mit Humor. «Heute war ein bisschen alles drunter und drüber», sagt er lachend, während er sich eine Zigarette dreht. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Jan Hug, vertreibt Dario legale CBD-Hanfprodukte über ihre Firma «Zitronic Systems». Cannabidiol (CBD) wirkt sich laut Watson.ch nur auf den Körper aus und ruft keine Rauschwirkung hervor, anders als das Tetrahydrocannabinol (THC). In der Schweiz ist CBD seit dem Jahre 2016 legal, da es nur zwischen 0.3 und 0.7 Prozent restliches THC aufweist.

Bildquelle: Dario Tobler
Dario Tobler mit einer CBD-Hanfpflanze

«Cannabis war für mich das normalste der Welt»

Ursprünglich erlernte Dario eine Lebensmittelausbildung als Bäcker und Konditor, liess sich dann zum Confiseur und später zum Lebensmitteltechnologen in der Schokoladenindustrie weiterbilden. Schon immer habe er sich für die Produktion von Lebensmitteln und den Vertrieb der Ware interessiert. «Neben meinem Berufsleben habe ich mich im Militär bis zum Grad des Oberleutnants durchgeschlagen, dies nicht immer freiwillig», erklärt Dario. Schon von klein auf Kontakt mit der Hanfpflanze. «In unserer Familie gehörte der Hanf praktisch zum Alltag», erläutert er. Er sei mit der Pflanze aufgewachsen, da Leute aus seiner Familie in der Hanfproduktion tätig waren. Darios Onkel habe sich intensiv mit dem Anbau, der Zusammensetzung und dem Vertrieb von Hanfprodukten auseinandergesetzt und den damals Lernenden nach Feierabend in die Gärtnerei mitgenommen, um ihm schon früh Wissen über den Hanf beizubringen. Als Dario zum ersten Mal Hanf in seinen Händen hielt, habe er noch nicht gewusst, dass die Blüten der Pflanze als auch Droge verwendet werden konnten. Umso schockierter war Dario, als er später in der Schule mehr über das Rauschgift THC aufgeklärt wurde. «Beinahe alle in meiner Familie haben bis dahin Cannabis konsumiert, das war für mich das normalste der Welt.»

 

Eine Berg und Talfahrt

Im Zeitraum von 2007 und 2008 hat Dario begonnen, parallel zu seinem Berufsleben eine eigene Hanfproduktion aufzubauen, damals alles auf illegaler Basis, da der Verkauf von THC-haltigem Hanf, sowie auch von CBD, in der Schweiz verboten war. Der Weg zum eigenen Geschäft war im Untergrund alles andere als einfach. «Wir hatten zwei grosse Razzien. Nach der zweiten wurde ich vor ein Ultimatum gestellt. Der Anwalt hatte mir im Wiederholungsfall mit einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Jahren auf Bewährung gedroht. Dabei hat mir natürlich geholfen, dass ich die Offiziersschule besucht habe, mehrere Berufsausbildungen erfolgreich bestanden hatte und auch nicht der klischeehaften, «verhängten» Kiffersorte angehörte», schildert Dario. Da er zu dieser Zeit bereits verheiratet war und sein zweites Kind bald zur Welt kam, entschied er sich vorübergehend aus der Szene zurückzuziehen und wieder in sein altes Berufsfeld, der Schokoladenindustrie, einzusteigen.

 

Vom illegalen zum legalen Markt

Da sich aber Dario als Anbauer und Vermarkter in der Szene bereits einen Namen gemacht hatte, kam er schnell wieder mit dem Hanf in Kontakt. «Ein bekannter nahm mit uns Kontakt auf und sagte, er habe etwas Neues, genetisches und bräuchte jemanden, der die Pflanze anbaue, um später Öl daraus zu gewinnen. Dabei handelte es sich um die ersten CBD-Versuche. Vorerst hielten wir nichts von diesem «Blüemli-Hanf» ohne THC-Wirkstoff.» Dennoch hat Dario mit seinem damaligen Partner das Projekt angenommen und sich intensiv mit dem CBD-Hanf auseinandergesetzt. Schnell war Dario von der neuen Idee überzeugt, schmiss seinen Job hin und begann mit seinen Partnern ein Jahr lang durch zu produzieren – doch dann kam der Rückschlag.

 

«So sassen wir auf 600kg Heu und konnten nichts damit anfangen.»

 

«Insgesamt haben wir ungefähr 600kg CBD-Hanf produziert. Dann hat sich herausgestellt, dass unser Abnehmer nicht zahlungsfähig war. So sassen wir auf 600kg Heu und konnten nichts damit anfangen», sagt er über seine damalige überehrgeizige Naivität lachend. Daraufhin musste die Newcomer-Firma den Betrieb herunterfahren und Angestellte entlassen. «Doch nach dem wir die Zusicherung bekommen haben, dass wir die Ware auf dem legalen Markt vertreiben dürfen, hat das Ganze eingeschlagen wie eine Bombe», erinnert sich Dario zurück. Die 600kg CBD habe die Firma innerhalb von vier Monaten verkauft. Der Boom des neuen Geschäfts ist nicht zuletzt auch den Medien zu verdanken. Der «Blick» habe in einem Artikel auf ihren Webshop verwiesen, daraufhin befanden sich bis zu ca. zwei Millionen Kunden auf der Website der Firma.

 

Schwarzmarkt ist nicht gleich Schwarzmarkt

Dass in der Zeit, in der Dario und sein Team noch im Untergrund und auf dem Schwarzmarkt gearbeitet haben, nicht immer alles mit rechten Dingen zu und her ging, verheimlicht er nicht. Dennoch versuchte er immer auf der seriösen Schiene zu bleiben. Begonnen habe er mit der Aufzucht von Stecklingen, was einen grossen Unterschied zu den Leuten darstelle, welche auf der offenen Strasse ihre Ware verkaufen. «Ich habe schon zu Beeginn mit seriösen Leuten zusammengearbeitet, 300 Pflanzen pro Lieferung waren dabei die untere Grenze.» Dazu betont Dario, dass er ein Überzeugungstäter sei. «Für mich gehörte der Hanf seit meiner Kindheit zu meinem Leben, so fühlte ich mich nie wirklich wie ein Krimineller.»

 

Vom illegalen Anbau in die Politik

Für Dario ist die Rechtslage das Problem. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht und sei deswegen am Anfang der ersten Firmenversuche in die Illegalität gedrängt worden. Die Hanfpflanze sieht er als Lösung für viele gesundheitliche Probleme der Menschen. «Im Kampf gegen den Krebs würde der Hanf den Patienten zumindest das Leben erträglicher machen und die Schmerzen lindern», findet Dario. Er sieht das Verbot von Cannabis besonders in der Medizin als «staatlich organisiertes Unterlassen von Hilfeleistungen». Dadurch entschied er sich, die SHP zu gründen und in die Politik zu gehen.

 

«Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich auch bereit 24 Stunden dafür Gas zu geben.»

 

«Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bin ich auch bereit 24 Stunden dafür Gas zu geben», sagt er selbstbewusst. Die Politik interessiere ihn schon seit seiner Schulzeit, so konnte er zwei Leidenschaften miteinander verbinden. Er betont, dass er den Konsum von Cannabis durch minderjährige als problematisch betrachtet. «Ich selbst war 16 als ich den ersten Joint in den Händen hielt. Trotzdem hatte ich nie grosse Probleme mit meinem Konsum, auch nicht in meiner Lehre, als ich als Bäcker um drei Uhr morgens aufstehen musste. Wichtig ist zu sagen, dass das nicht auf alle Menschen zutrifft. Ich war mir über die Risiken bewusst und hatte schon früh ein breites Knowhow über die Pflanze», rechtfertigt Dario seine Aussage. Suchtschweiz.ch berichtet, dass früher Konsum von Cannabis die persönliche Entwicklung eines Menschen stark beeinträchtigen kann. Dario will den Konsum von Cannabis nicht verharmlosen. «Es ist nun mal ein Rauschmittel, welches in höheren Dosierungen die Wahrnehmung stark verändern kann», ergänzt er seine Aussage.

 

Die Pharmaindustrie als Hauptproblem?

Die Erklärung zum schlechten Ruf des Hanfs sieht Dario in der Pharmaindustrie. «Wenn man sich das BIP der Schweiz der letzten 20 Jahre anschaut und sieht, welche Summen die Pharmaindustrie dazu beisteuert, wird einem klar, wie viel Geld wirklich dahintersteckt.» Nach der offiziellen Seite des Bundes sind Pharmaprodukte die wichtigste Einnahmequelle im Export der Schweiz. Jährlich werden Produkte im Wert von 85 Milliarden Franken ins Ausland verkauft. «Es gibt auch Nationalräte und übrige Politiker*innen, die lukrative Verwaltungsratsmandate bei beispielsweise der Novartis haben und versuchen, das Teufelsbild des Hanfs dauerhaft zu fördern.» In erster Linie soll Hanf besonders für diejenigen Menschen freigegeben werden, die an schweren Krankheiten wie Krebs, ALS oder Tourette leiden, so Dario.

Bildquelle: Dario Tobler
Gärtnerei der Firma Zitronics Systems

«Wenn ihr nicht über den Hanf reden wollt, dann machen wir es eben.»

Dario wünscht sich in Zukunft eine sachbezogene Diskussion in der Politik, wenn es um den Hanf geht. Seine politischen Ziele sind klar: «Es wäre schön zusehen, wenn therapeutische Patienten in den nächsten zehn, zwanzig Jahren einen weniger bürokratisch aufwendigen Zugang zu Cannabis hätten und dass es vielleicht eines Tages auch auf offener Strasse möglich ist, einen Joint zu rauchen, ohne Angst vor der Polizei haben zu müssen. Der ausschlaggebende Grund für die Gründung der Partei war, dass die angedachte Initiative auch von Cannabisbefürwortern aufgrund des Wahljahres abgelehnt wurde. Die meisten haben uns gesagt, dass sie im Wahljahr nicht über den Hanf diskutieren wollten. So dachten wir uns also: Wenn ihr nicht über den Hanf reden wollt, dann machen wir es eben.»

Natürlich hofft Dario, dass er die Wahl am 20. Oktober gewinnen wird. Doch hauptsächlich geht es ihm darum, das Thema um den Hanf in der Politik aktiv zu halten und den Leuten zu zeigen, dass die Debatte weitergeführt wird. Als weiteres Projekt sieht Dario die Gründung von weiteren Fraktionen in allen Kantonen der Schweiz vor. Wir bleiben gespannt, wie sich die SHP und die Diskussion um den Hanf in Zukunft entwickeln wird.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Dario.

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zur Reihe.

Am 20. Oktober kommt es zu den allvierjährlichen, eidgenössischen Wahlen. Mitten im Trubel des Wahlkampfes: Der 22-jährige Joël Müller. Die Gesellschaft sieht er zurzeit in einem polarisierenden Wandel, deshalb kandidiert er für die Wahl zum Nationalrat in der Jungen CVP. Wie er dazu kam und was ihn in der Politik bewegt, alles in der dritten Ausgabe von #porträtiert.

 «Es ist eine Frage, die ich mir sehr oft stelle», antwortet Luca Lang auf die Frage, was Rap für ihn bedeute. Vor zwei Jahren veröffentlichte er unter dem Künstlernamen «Pato» sein erstes Mixtape mit dem Namen «Es Stück vom Chueche». Darin zu finden der Song «Rap für mi», in dem er seine Gefühle für die Musikrichtung zum Ausdruck bringt. Doch das Lied sei nun überholt, denn es drücke längst nicht mehr das aus, was ihn jetzt mit Rap verbindet. Ein Porträt über den Solothurner Newcomer-Rapper.

In der zweiten Ausgabe der Reihe «#porträtiert» stellt sich der Rap-Musiker Luca Lang (unter dem Künstlernamen: Pato) den Fragen von Tize.ch. Der mittlerweile 20-jähirge Absolvent des Gymnasiums wuchs gemeinsam mit seiner Schwester in der Stadt Solothurn auf. Abgesehen von Rap, habe er zurzeit keine anderen Freizeitbeschäftigungen. «Es ist das Einzige, was ich seit meinem Schulabschluss diesen Sommer mache», erklärt Luca strahlend. Der Ehrgeiz, der ihn seither begleitet, ist in seiner Gegenwart deutlich zu spüren. Er spricht ruhig und selbstbewusst, dennoch lodert in seinen Augen das Feuer seines inneren Antriebs. Vorher habe er noch Fussball beim FC Riedholz gespielt, bis er sich stark am Bein verletzte. «Ob ich aufgrund meiner Verletzung je wieder mit dem Fussballspielen weitermachen kann, bezweifle ich. Momentan hätte ich so oder so keine Zeit», gesteht er. Denn Luca ist mit seiner Musik viel beschäftigt.

 

Eine schnelle Entwicklung

Vor vier Jahren hat Luca damit begonnen, erste Raptexte zu schreiben. Wie er erklärt, spielte am Anfang auch ein kleiner Hauch von Arroganz in seiner Idee mit. «Ich hörte die etablierten Rapper aus Deutschland und den USA und dachte mir: Ich bin doch mindestens so gut wie die!», sagt er über sich selbst lachend. Doch wenn Luca jetzt zurückblickt und sich ansieht, mit welchen Liedern er damals gedacht hatte, besser zu sein, muss er sich selbst an den Kopf fassen. «Damals hatte ich noch keine Ahnung von der Materie, doch heute weiss ich, dass es auf andere Dinge ankommt», legt Luca seine frühere Haltung aus.

Dann traf er auf «Bensch», ein in der Solothurner Musikszene bekannter Name und begann damit, in dessen Studio sein erstes Mixtape aufzunehmen. «Ich betitle diese Projekte bewusst nicht mehr mit «Album», da ich jetzt besser weiss, dass für ein solches die Lieder komplett ausproduziert werden, also auch die Beats müssen aus eigener Hand stammen. Ich habe in meinen Liedern aber auf schon existierende Beats gerappt», erklärt er. Schon bald darauf folgte ein weiteres Mixtape namens «Mise en place». Durch die Veröffentlichung dieser Tapes wurden ihm Türen zu vielen Auftritten geöffnet. Zusammen mit seinem Team und dem DJ Fabian, welche Luca immer in seinen Auftritten begleiten, konnte er im Jahre 2018 sogar auf dem Gurtenfestival spielen und an einem Bandcontest teilnehmen. Luca betont, dass vor allem im letzten Jahr sehr viel passiert sei. «Wir hätten beinahe Fuss in der grossen, Schweizer Musikszene fassen können», ergänzt er. Doch dieses Projekt hat Luca wieder gecancelt, als er merkte, dass es musikalisch in eine komplett andere Richtung ging, als vorher von ihm gedacht. Mittlerweile sieht sich Luca immer noch auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, weshalb er sich denn wirklich dazu entschlossen hatte, Rap machen zu wollen. Dazu sagt er: «Ich fühle mich so lebendig dabei und habe einfach den Drang, diese Passion weiter zu verfolgen.»

 

Ob Gurtenfestival oder Solothurn – Pato ist nie allein

In seinen Antworten erwähnt Luca immer wieder sein Team. Dieses setzt sich aus den unterschiedlichsten Leuten zusammen, wie er erläutert. «Da wäre beispielsweise Luca, der lustigerweise gleich heisst wie ich», beginnt er aufzuzählen. Luca nehme die Funktion eines Managers ein und habe ihn schon früher bei Filmarbeiten und bei der Suche nach Proberäumen unterstützt. Er beschreibt ihn als versierten, kreativen Macher. Dazu sagt er: «Ohne ihn, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.»

Wichtige Bausteine seien auch der DJ Fabian Affolter, der seit zwei Jahren mit ihm zusammen Musik macht, die Sängerin Lisa Brudermann, sowie die kreativen Köpfe Alban, Nicola, Aron und Juicy. Letztere seien für das äussere Bild zuständig, beispielsweise was die Kleidung bei Lucas Auftritten betrifft oder schiessen die Fotos, die später auf der Website landen. «Jede und Jeder von uns ist ein wichtiges Rädchen innerhalb des gesamten, grossen Zahnrades», beschreibt Luca die Zusammenarbeit und Harmonie innerhalb des Teams.

 

Rappen auf dem «Rum-Bänkli»

Den grossen Rückhalt findet er nicht nur bei seinen Teamkameraden, die er mittlerweile schon als «zweite Familie» sieht. Auch sein enger Freundeskreis unterstützt Luca bei seinen Auftritten und teilt mit ihm die Leidenschaft zum Rap. Bereits vor Lucas Einstieg in die Musikwelt, trafen sich er und seine Freunde am «Rum-Bänkli», sowie sie die gewöhnliche Parkbank betiteln, in der Stadt Solothurn am Ufer der Aare. «Das «Rum-Bänkli» wurde zu einer Tradition für uns. Damals wie heute, sitzen wir da, hören die neusten Hits der Rapszene, trinken etwas Rum (daher der Eigenname des Ortes) und rappen. Manchmal ist es auch kompletter Unsinn, den wir von uns geben. Aber die Hauptsache ist, dass wir Spass daran haben», erzählt Chris in Erinnerungen schwelgend, ein guter Freund von Luca, der zufällig zum Gespräch hinzugestossen ist. «Den Rum geniessen wir natürlich in Massen», fügt Luca augenzwinkernd hinzu.

 

Der Schnellzug in eine Richtung

Seitdem Luca diesen Sommer die Kantonsschule abgeschlossen hatte, habe sich in seinem Leben einiges verändert. Noch im letzten Schuljahr musste er jeden Tag zur Schule gehen und Rap betrieb er als Hobby neben seinen anderen Pflichten. «Zu dieser Zeit habe ich mir noch keine Sorgen darüber gemacht, was passieren würde, wenn es einmal mit der Musik nicht mehr läuft.» Gerade in den ersten vier Wochen nach der Matur habe er gemerkt, dass er sich langsam aber sicher der Frage stellen musste: «Wie wichtig ist es, dass das ganze Projekt erfolgreich wird? Wie kann ich mich sonst finanziell über Wasser halten?» Luca habe sich auch darüber Gedanken gemacht, mit der Musik drei, vier Gänge herunterzufahren, einen Job zu suchen und Rap nur noch nebenbei zu machen. Doch dieses Noema tat er schnell wieder ab. «Das ist für mich keine Option mehr, dieser Zug ist längstens abgefahren. Für mein Team und mich existiert mittlerweile die Frage, ob wir das alles nun wirklich durchziehen oder nicht, überhaupt nicht mehr. Wir haben einfach Lust darauf und sind motiviert, unser Bestes zu geben. Es ist ein Schnellzug in eine Richtung», sagt Luca selbstbewusst und zielgerichtet.

Auf Social Media gibt Luca immer wieder bekannt, dass das alles nur der Anfang sei. «Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt», schliesst er unser Gespräch ab. Tize.ch wünscht ihm auf seinem Weg alles Gute.

 

Mehr Informationen:

Luca`s Mixtape «Es Stück vom Chueche» auf Spotify

Luca`s Mixtape «Mise en place» auf Spotify

Instagram: https://www.instagram.com/pato.music/

Luca`s Website: https://www.pato-music.com/

 

#porträtiert: In der Reihe «#porträtiert» auf Tize.ch, wird jeden 2. Montag eine neue Person vorgestellt. Hier geht’s zum letzten Porträt über den musikalisch engagierten Valentin Sollberger:

#porträtiert – Valentin sieht sich zwischen Musik und Realität

Die neue Reihe auf Tize.ch «#porträtiert» geht heute in die erste Runde. Von heute an folgt jeden zweiten Montag ein neues Porträt über eine Person. Der Anfang macht der 19-jährige Valentin Sollberger, ein leidenschaftlicher und engagierter Musiker. Vom Knabenchor bis hin zu einer Pop-Rock Band, Valentin ist in den verschiedensten Bereichen der Musik tätig. Wie er zur Musik kam und was seine Pläne und Ziele sind – alles in der ersten Ausgabe von #porträtiert.

Ich treffe Valentin an einem seiner Lieblingsorte in der Stadt Solothurn – die Barock Bar am sogenannten «Mürli». Die Sonne verschwindet bereits hinter dem Horizont und die Stühle der Bars am Ufer der Aare füllen sich mit Leuten, die sich an diesem Donnerstagabend zu einem Feierabendbier treffen, wie auch wir zwei. Bei einem gemütlichen «Öufi-Bier», Valentins Lieblingsbier, erklärt er, dass er einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich habe. Nach den neun obligatorischen Schuljahren absolvierte Valentin die Fachmittelschule, anschliessend die Fachmatur und leistet seit dem Sommer diesen Jahres Zivildienst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Solothurn. «Es ist eine enorme Umstellung, plötzlich jeden Wochentag zu arbeiten. Dennoch bereitet mir die Arbeit grosse Freude und ich bin froh, mich für diesen Weg entschieden zu haben», bemerkt er.

 

In die Musik «hineingeboren worden»

Als jüngster Sohn einer Grossfamilie mit insgesamt acht Kindern, wurde Valentin bereits in eine musikalische Familie hineingeboren. Besonders seine Mutter prägt das Musikalische. «Sie spielt Gitarre und Klavier und ist Musiklehrerin», erklärt er. Bei den Solothurner Singknaben konnte Valentin das erste Mal so richtig in der Musik Fuss fassen. Bereits sein ältester Bruder war beim Chor dabei, darauf folgte ein weiterer Bruder, sowie der Zweitjüngste der Familie und schlussendlich Valentin selbst, der den Singknaben beitrat.

 

Musikalische Erfüllung bei den Singknaben

«Bei den Solothurner Singknaben mit dabei zu sein, ist für mich enorm erfüllend», beschreibt Valentin seine Mitgliedschaft beim ältesten Knabenchor der Schweiz. Nebst dem Singen treffen sich die Mitglieder regelmässig am Wochenende, gehen gemeinsam in Lager oder auf Reisen in Länder in ganz Europa. Die Proben finden zwei Mal pro Woche statt. «Es ist ein zeitintensives Hobby», gesteht er. Trotzdem bringe es Abwechslung in den Alltag. «Ich freue mich immer wieder, die Menschen zu sehen, mit denen ich seit meinem siebten Lebensjahr zusammen singe», beschreibt Valentin seine Gefühle zum Chor. Er betont, dass bei den Singknaben nicht nur das Musikalische einen grossen Stellenwert hat, sondern dabei auch wunderbare Freundschaften entstehen und er vom musikalischen, wie auch vom menschlichen, sehr viel mitnehmen kann. Seinen Platz im Chor findet Valentin in der Tenorstimme. Zudem ist er in der Lagerleitung bei den diversen Lagern tätig und vertritt somit eine Vorbildsfunktion für die jüngeren Mitglieder.

 

Sounden im «Chinderzimmer»

Neben all seinen Aufgaben bei den Singknaben betreibt Valentin einen YouTube-Kanal mit dem Namen «Chinderzimmersound», auf dem er eigene Lieder unter dem Künstlernamen «sAig» veröffentlicht. Dabei benutzt er vor allem sein Klavier zur Begleitung, welches er seit der zweiten Klasse spielt. Sein Studio ist sein altes Kinderzimmer, daher der Name «Chinderzimmersound». Er wollte seine beiden Leidenschaften, das Singen und das Klavierspielen, vereinen und dabei etwas Neues entstehen lassen. «Meine ersten Versuche waren ziemlicher Mist», gibt er lachend zu. Doch mittlerweile sieht er seine Produktionen als fortgeschritten und ist ziemlich zufrieden mit seinen Liedern. Das Einzige, was er selbst noch bemängelt, ist die Soundqualität. Diese spiele aber für Valentin keine allzu wichtige Rolle, da es ihm vor allen Dingen um den Spass an der Musik geht.

 

Valentin lässt sich in keine Schublade stecken

Die Bedeutung seiner Texte geht weit auseinander, wie Valentin sagt. «Ich versuche nichts Künstliches zu singen. Die meisten meiner Texte sind sehr persönlich und basieren auf Gedanken und Überlegungen, die ich habe. Somit verbinde ich mit der Musik auch sehr viele Emotionen, egal ob diese positiv oder negativ sind», erklärt Valentin. Nach ihm gibt es aber manchmal auch Lieder, die nicht wirklich einen Sinn ergeben. Er sei nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt und müsse daher nicht zwingend allen seiner Texte Bedeutung verleihen, anders als beispielsweise beim Rap. «Im Rap ist es essentiell, Texte mit Bedeutung zu haben. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste an dieser Musikrichtung und geht heute leider auch immer mehr verloren», so Valentin. Auch mit Rap hat sich Valentin versucht, schnell aber bemerkt, dass ihm dieses Genre nicht wirklich zusagt. Er mache im Grunde ein wenig von allem etwas und probiere gerne neue Arten und Genres der Musik aus. «Ich lasse mich nicht in irgendeine Schublade einer Musikkategorie stecken», sagt er.

 

«Wir machen das, worauf wir Lust haben»

Dieses Motto zieht Valentin auch in der neuen Band «Blindtext» durch, in welcher er als Backgroundsänger und Pianist tätig ist. Auch hier lässt sich Valentin von einem seiner älteren Brüder inspirieren, welcher das Projekt ursprünglich gegründet hatte. Das Genre der Band ist verschieden. «Wir behandeln nicht nur einen Stil, gehen aber etwa in die Richtung Pop-Rock, sind aber in mehreren Bereichen der Musik tätig. Das ist gerade das Spassige an der ganzen Sache, dass wir uns immer wieder mit neuen Kompositionen auseinandersetzen müssen und wir uns selbst nicht wirklich einordnen können. Schlussendlich kann man sagen, dass wir einfach das machen, worauf wir Lust haben», sagt Valentin lächelnd und trinkt den letzten Schluck seines Biers aus. Den ersten Auftritt darf die Band am neunten Oktober in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn bestreiten.

 

Musik versus Realität

Neben seinem Engagement im Chor, in einer Band und als Solomusiker, behandelt Valentin seine Leidenschaft auch in einem Roman. «Die Musiker und die Realität» handelt von einer Person, welche in einen neuen Ort zieht, sich dort Freundschaften aufbaut und mit denen dann eine Band gründet. Die Geschichte sei nicht nur auf die Musik fokussiert, sondern soll vor allem den Zwiespalt zwischen grossen Träumen und der manchmal hart zuschlagenden Realität darstellen. «Die Band wird in der Geschichte mit den verschiedensten Problemen und Herausforderungen konfrontiert, manchmal inspiriert durch eigene Erfahrungen, die ich im Leben so mache. Ich schreibe sehr gerne über solche Dinge und finde es auch wichtig, dass man seine Erfahrungen und Ansichten irgendwie mit der Gesellschaft teilen kann», ergänzt Valentin. Kennt man ihn etwas genauer, kann man die persönliche Note durchaus aus seinem Roman herauslesen.

 

Und so geht es weiter…

«Man kann sich sicher auf unsere Band «Blindtext» freuen. Wie schon gesagt, werden wir am neunten Oktober in der Kulturfabrik Kofmehl auftreten. Generell plane ich nicht wirklich viel vor. Ich mache Musik, wenn ich gerade Lust und Zeit dazu habe. Der Roman «Die Musiker und die Realität» ist bereits auf Wattpad lesbar, dort folgen die nächsten Kapitel wieder etwas regelmässiger», sagt Valentin. Mit den Singknaben darf er sich zudem auf das Bettagskonzert in der Jesuitenkirche in Solothurn am 14. September freuen. Abschliessend bemerkt er: «In nächster Zeit wird mir bestimmt nicht langweilig.»

 

Mehr Informationen:

Valentins YouTube Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCOgJU2uUqcQmyt2NqgNntYwValentins Roman auf Wattpad.com: https://www.wattpad.com/story/182699242-die-musiker-und-die-realit%C3%A4t

Irland – Ein Land, welches lange von einem schleichenden Konflikt geprägt war, früher in tiefer Armut lebte, sich nun aber an einer rasant wachsenden Wirtschaft erfreut. Die Bevölkerung steht nach jahrelangen Auseinandersetzungen noch immer zwischen einer irisch-keltischen, sowie einer britischen Kultur – und scheint weiterhin nicht zu wissen, wie sie die blutige Vergangenheit hinter sich lassen soll. Tize-Redakteur Cyrill Pürro befand sich eine Woche lang auf der grünen Insel und nahm Erstaunliches mit.

«Éire», so wird der Name Irlands auf Gälisch geschrieben, der Ursprache der Iren, die bereits lange vor der Zeit der heutigen Republik auf der grünen Insel Fuss gefasst hatte. Den Ursprung dieses Namens findet sich bei der Göttin «Eir» wieder, welche in der nordischen Mythologie der Heilkunde zugeschrieben wird. Im Urglauben der Iren galt sie nach Wikipedia als die beste Heilerin und wurde auch mit Hilfe und Gnade verbunden. Der Name ist nicht das einzige, ursprünglich keltische Kulturerbgut des Landes. Sehr berühmt ist auch die keltische Harfe, welche besonders auf Guinness-Gläsern wiederzufinden ist. Die Harfe steht für den Widerstand und die irische Identität, nicht zuletzt, da in der Zeit der britischen Invasion im 15. Jahrhundert das Harfenspielen von irischen Harfenisten mit dem Tode bestraft wurde, so berichtet die Seite Grüne-Insel.de. Durch die britische Herrschaft auf der Insel wurde nicht nur das Harfenspielen untersagt, sondern auch andere Traditionen der keltischen Kultur verdrängt, wie zum Beispiel die Sprache.

 

Eine Sprache, viele Möglichkeiten

Nach Statista.com ist Englisch die drittmeist gesprochene Sprache der Welt. Doch Englisch ist nicht gleich Englisch. Laut Youthreporter.eu beherrschen 40.8 der irischen Bevölkerung die gälische Sprache. Doch so ziemlich alle der über vier Millionen Einwohner sprechen Englisch. So ist es auch kein Wunder, dass sich in das Englisch der Iren ein spezieller Dialekt hineinentwickelt hat. Auch ich konnte mir ein «Sorry what?» nicht verkneifen, als ich aus dem Flughafen in Dublin kam, in die erstaunlich warme Luft trat und dem Busfahrer sagte, wo ich hinmusste. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits fünf Stunden Flug hinter mir und war nicht mehr wirklich auffassungsfähig, schon gar nicht darauf eingestellt, mir mit meinem Schulenglisch einen neuen Dialekt anzugewöhnen. Mit dem irischen Stolz wurde ich früh konfrontiert, als ich an diesem Samstagabend mit dem Bus durch die Strassen Dublins fuhr, um zu meinem Hotel zu gelangen. Durch das Fenster beobachtend erkannte ich, dass praktisch alle Strassenschilder unter der englischen Beschriftung, auch mit einer gälischen Übersetzung versehen sind.

In meinen ersten Stunden in der irischen Hauptstadt habe ich meine Zeit hauptsächlich damit verbracht, die Strassen zu erkunden – und mich zu verirren. Auch bei einem westlichen Land wie Irland, oder zumindest in Dublin, kann es sein, dass der öffentliche Verkehr eher weniger gut erschlossen ist, wie man das von der Schweiz kennt. Doch ich liess mich von den für Touristen unklaren Busabfahrtsplänen nicht beirren und dank der freundlichen einheimischen Bevölkerung, fand ich meinen Weg immer wieder zurück, auch wenn ich bei jedem dritten Satz ein «Sorry, what?» von mir gab, was die Irinnen und Iren glücklicherweise mit Humor nahmen.

 

Dublin – eine Stadt der Geschichte

In der Hauptverkehrsstrasse von Dublin, der O`Connell Street, wurde ich bereits mit der irischen Geschichte konfrontiert. Alle 200 Meter trifft man auf Monumente, welche für die irischen Revolutionären erbaut worden waren und in der Mitte der Strasse natürlich auf die Statue, die zu Ehren von Daniel O`Connell entstand, einem irischen Politiker, der sich vor allem für die Gleichberechtigung der katholischen Iren einsetzte. Um mehr über die Geschichte Irlands zu erfahren, begab ich mich dann in das Museum des «General Post Office».

Das Museum befasst sich mit den Wirren der irischen Unabhängigkeit, dem Drang der Bevölkerung nach mehr Selbstbestimmung und Freiheit und wie sich das die Terrororganisation IRA (Irish Republican Army) zu Nutzen machte. Die Ausstellung zeigt, welches Leid die irische Bevölkerung damals erlebte, gerade mit dem Aufschwung des Nationalismus. Die meisten Menschen forderten damals eine «Homerule» für die irische Insel. Die «Homerule» war ein Sonderstatus für Irland, in dem das Land zwar noch zu Grossbritannien gehörte, sich aber dennoch selbst verwalten konnte. Das war aber für nationalistische Politiker nicht ausreichend. Diese forderten die komplette Unabhängigkeit Irlands, auch wenn dabei Menschenleben geopfert werden mussten. Dieses Ziel wurde erreicht. Im Jahre 1916 wurde Irland unabhängig, worauf von 1922-1923 ein blutiger Bürgerkrieg folgte, in dem vor allem Zivilisten ihr Leben liessen. Mit den «Troubles», zu Deutsch bekannt unter dem «Nordirlandkonflikt», in den 1960er bis zu den 1990er Jahren, flammte die Krise neu auf, in dem sich vor allem die Terrororganisationen auf Seiten der Iren «IRA» und auf Seiten der pro-britischen Nordiren «UVF (Ulster Volunteer Force)» bekriegten und das Land in Angst und Schrecken versetzten. Mehr Informationen zum Nordirlandkonflikt sind in diesem Beitrag zu finden.

 

Die Narben der Vergangenheit

Trotz der relativ guten Aufarbeitung der Konflikte, scheinen viele Irinnen und Iren nicht zu wissen, wie sie ihre blutige Vergangenheit verarbeiten sollen. Einzelne Eindrücke sammelte ich in der berüchtigten Temple-Bar. Bei einem gemütlichen Guinness kann man den typischen, irischen Pubsongs lauschen. Wenn es aber dann später wird, der Alkoholgehalt im Blut der einheimischen Pubbesuchern Wirkung zeigt, kochen die patriotischen Gefühle schnell mal auf. So wird bei Songs, wie beispielsweise «I wish I was back home in Derry» lautstark mitgesungen, in dem es um die irische Rebellion von 1803 geht und um die Sehnsucht von Seeleuten nach der nordirischen Stadt Derry, welche unter anderem Hauptschauplatz der Rebellion war und auch jetzt noch starke Narben der Konflikte in den 1900er Jahren aufweist. Noch heute gibt es den kleinen District «Free Derry» innerhalb der Stadt, in dem es auch nach den Konflikten immer noch zu Gewaltakten von IRA-Mitgliedern kam. Der letzte bekannte Vorfall fand am 18. April in diesem Jahr statt, als es zu Auseinandersetzungen zwischen der örtlichen Polizei und Mitgliedern der «neuen IRA» kam. Dabei wurde die nordirische Journalistin Lyra McKee erschossen.

Politische Gefühle werden in Irland lieber von der Seele gesungen, statt über sie zu reden. In Gesprächen mit einheimischen wird oft sehr schnell das Thema gewechselt, sobald man auf die «Troubles» oder den Konflikt im Allgemeinen zu sprechen kommt. Dennoch scheint die Bevölkerung mit der heutigen Situation zufrieden zu sein. Zwischen Irland und dem britischen Nordirland existiert keine Grenze mehr, um Konflikte zu vermeiden, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind stabil und auch die Menschen scheinen sich zu verstehen. Von etlichen Irinnen und Iren bekam ich Reisetipps und Empfehlungen für die Stadt Belfast in Nordirland. «Die Nordiren sind ein sehr freundliches Volk, ich habe viele Freunde dort. Manchmal sind sie aber ein wenig spiessig», erklärte mir eine Irin während eines Pubbesuches lachend. Für mich klar, welches mein letztes Ziel auf meiner Reise sein sollte: Belfast.

 

Die irischen und britischen Gegensätze

Dass sich Dublin und Belfast so gross voneinander unterscheiden, hatte ich anfangs meiner Reise nicht erwartet. Die Gebäude sind höher und mächtiger gebaut, die Strassen sind sauberer und die Atmosphäre ist kurz gesagt einfach «britischer». Ebenso sind die Strassen von Belfast in einem klareren System aufgebaut. Während in Dublin eine Strasse mal nach rechts, die andere mal nach links führt, existiert in Belfast ein «Vierecksprinzip», in dem die Wege aufgebaut sind. Fazit: In Dublin verlief ich mich bis zu ca. fünf Mal, in Belfast nie. Auch andere Unterschiede vielen mir auf. Das Leben findet in Belfast strukturierter statt. Die Busse nach Dublin und anderen Städten waren mehr oder weniger pünktlich und zentral an einem Ort abfahrbereit. Auch die Tickets konnte man bereits vor der Fahrt an einem Schalter abholen. Anders in Dublin, wo die Tickets beim Busfahrer selbst bezogen werden müssen, da nie Gewissheit herrscht, ob man aufgrund von bestehenden Platzreservationen wirklich mitfahren kann oder nicht. Dennoch bin ich nicht schlüssig, ob ich lieber das irische «Take it easy» oder die britische Genauigkeit bevorzuge. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Auf dem Rückweg nach Dublin fuhr der Bus, in dem ich sass, an einem kleinen Vorort von Belfast vorbei. Wie so viele Male während meiner Reise staunte ich. In diesem Vorort hingen nebst britischen Flaggen auch Banner der UVF, auf denen teilweise gar der Slogan «For God and Ulster» stand. So ganz verarbeitet, schien man den Konflikt auch im Norden der Insel noch nicht zu haben.

 

Irland im Brexit-Chaos

Die neuen Diskussionen über den Brexit werfen in der Debatte um Irland neue Fragen auf. Sollte Grossbritannien die EU verlassen, würde zwischen Irland und Nordirland eine EU-Aussengrenze entstehen, was Konfliktpotenzial bietet. Nach Boris Johnson, dem neuen britischen Premierminister, soll der Brexit ohne weiteres durchgeführt werden, obwohl sich die irische, sowie die nordirische Bevölkerung dagegen aussprechen. Ob bereits Pläne für eine Lösung der Irland-Frage existieren, die allen Seiten entsprechen, bleibt unklar. In Dublin und in Belfast ist die «Brexit-Stimmung» zu spüren. Trotz der Gelassenheit der Iren: Niemand weiss, wohin die Zukunft beider Staaten führt.

Seit einem Monat patrouillieren Securitas der Firma Pantex in der Stadt Solothurn. Mit der Aufschrift «Ruhe und Ordnung» zirkulieren sie an den Wochenenden besonders am sogenannten «Mürli», dem Ort, an dem sich die Ausgänger*innen der Stadt am häufigsten befinden. Doch gleich bei ihrem ersten Auftritt stossen die Sicherheitskräfte nicht nur auf Zuspruch bei der einheimischen Bevölkerung. Die Stadtregierung zieht aber nach einem Monat des Politprojektes eine positive Resonanz.

Es war eine warme, sommerliche Nacht in der Stadt Solothurn am Freitag, dem 05. Juli dieses Jahres. Die Aare floss ruhig an den barocken Bauten entlang, ab und zu liessen sich Grillen hören. Es schien wie eine gewohnt friedliche Nacht in der kleinen Stadt. Doch der Schein trug. Auf einmal war ein Knall zu hören, ausgelöst durch eine Serie von Böllern auf der solothurnischen Wengibrücke. Nach dieser Aktion schien die sonst idyllische Barockstadt in Tumult zu verfallen. Bierflaschen zerborsten auf der Strasse am «Mürli», mit weisser Kreide wurde auf den Beton geschrieben: «Gegen Sicherheit durch Machtdemonstration!» und eine Gruppe von etwa zehn Personen lehnten sich gegen die Sicherheitskräfte auf. Noch Stunden nach diesem eigentlich kurzen Vorfall, befanden sich Securitas der Pantex AG in Diskussionen mit Solothurner Ausgängern und der örtlichen Polizei. Doch was war der Auslöser dieser Unruhen in dieser Nacht und wie sieht die Situation heute, nach einem Monat, aus?

 

Die Kampagne für ein ruhiges, tolerantes Nachtleben

Begonnen hat alles mit der Kampagne «I ha Sorg zu üsere Stadt. Und du?», welche von Einwohnern und Gastrobetreibern in Gang gesetzt worden war. Um die Solothurner*innen vor Lärmbelästigungen zu schützen und Gewaltakte zu unterbinden, wurde beschlossen, Security-Patrouillen der Pantex AG einzusetzen. Angenommen wurde die Petition in einer Volksabstimmung der Gemeinde Solothurn. Die Stadtregierung und die Gastrobetreiber wollen damit erreichen, dass das Solothurner Nachtleben sicherer, ohne Zwischenfälle ausgelassen gefeiert wird und die Mitarbeiter in den Betrieben ihrer Arbeit in Ruhe nachgehen können. Gegenüber der Solothurner Zeitung sagt Lea Jaussi, Betreiberin des Gastrobetriebs «Salzhaus»: «Ich bin überzeugt von diesem Projekt, es soll den Jungen helfen, den rechten Weg einzuschlagen» Als Solothurner*in kann man sich an dieser Stelle trotzdem die Frage stellen: Inwiefern ist das in unserer eigentlich ruhigen und sicheren Stadt nötig?

 

Reklamationen haben sich gehäuft

Laut der Solothurner Zeitung, haben sich bereits vor zwei Jahren Ausgänger*innen über die neuen Gesetze empört. Bewilligungen für Gastrobetreiber und Partyveranstalter mussten her, um länger als zwei Uhr in der Nacht geöffnet zu haben oder Veranstaltungen überhaupt stattfinden zu lassen. Grund für die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in der Stadt sind Beschwerden der Anwohnerschaft über Lärm und Sachbeschädigungen. Doch das trifft bei vielen, vor allem jungen Ausgänger*innen, auf Unverständnis. Diese sind der Meinung, dass man mit einem Einzug in eine Stadt auch mit Lärm konfrontiert werden würde, vor allem am Wochenende. «Wem das nicht passt, sollte meiner Meinung nach nicht in eine Stadt ziehen», sagt ein Passant aus.

 

Ausgänger*innen fühlen sich provoziert

Dann, am Freitag dem 05. Juli, bestritten die Securitas ihren ersten Einsatz. Doch statt für Ruhe und Ordnung zu sorgen, lösten die uniformierten Männer und Frauen Lärm und Tumult aus. Die Solothurner Zeitung berichtet von mehreren Vorfällen, die sich in der Nacht von Freitag auf Samstag ereignet hatten. Vor Mitternacht wurden diverse Feuerwerkskörper auf der Wengibrücke gezündet, was als offensichtliche Protestaktion gegen die Sicherheitskräfte verstanden wurde. Etwa zwei Stunden später kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Uniformierten und angetrunkenen Ausgänger*innen. Als die Polizei eintraf, traten dann einige, hitzige Diskussionen zwischen den Beamten, den Angetrunkenen und den Securitas ein, während sich andere Besucher der «Barock Bar» oder des Lokals «Red John» ebefalls über die Situation empörten und sich immer mehr in die Gespräche einmischten. Grund für die Ausschreitungen war nicht zuletzt die Ausrüstung der Sicherheitsleute. Diese trugen auf ihrer Patrouille Schlagstock und Pfefferspray mit sich, was nicht nur im Rauschzustand bedrohlich wirken kann. Die Lage schien sich dann gegen drei Uhr morgens noch einmal zu zuspitzen. Ein Fahrradfahrer fuhr mit laut eingestellter Musik neben dem Geschehen vorbei und wurde von den Sicherheitsleuten gewaltsam vom Fortbewegungsgegenstand gerissen. Ob dieser dies mit Absicht getan hatte, um noch mehr zu provozieren, ist unklar.

Am darauffolgenden Samstagmorgen war dann ein Banner mit der Botschaft: «Rue de Blamage. Scheiss auf Nachtruhe» an der Wengibrücke zu sehen, welches wahrscheinlich nach den Ausschreitungen montiert wurde. Eine Streife der Polizei räumte das Banner nach wenigen Minuten wieder weg. Auch die Politik schaltet sich nun ein. «Es kann nicht sein, dass hier am «Mürli» Sicherheitsleute mit Schlagstöcken und Pfeffersprays umherlaufen. Wir werden unsere Anliegen bei den Organisatoren der Kampagne und der Stadtregierung rückmelden und gemeinsam nach einer Lösung suchen, die allen Beteiligten entspricht», erklärt Aileen Jenni, Präsidentin der JuSo Solothurn.

 

Verbesserung der Kampagne durch Kooperation

Mittlerweile haben sich die Gemüter um die «blöden Weihnachtsmänner», wie die Securitas von diversen Personen beleidigt wurden, wieder gelegt. Das Projekt zeigte in Sachen Drogenmissbrauch und Gewalt eine positive Resonanz. Seit dem Start des Projektes waren keine Meldungen über Probleme, Zwischenfälle oder Ruhestörungen mehr eingegangen, so die offizielle Webseite der Stadt Solothurn. Auch der kritische Teil der Bevölkerung hätte gemerkt, dass die «Aufpasser» nicht da sind, um jeden Spass zu unterbinden, sondern lediglich für ihre Sicherheit sorgen. Die Pantex AG zeigt sich zudem kooperativ: Schlagstöcke und Pfeffersprays sollen künftig an Patrouillen zu Hause bleiben.

Lange Zeit war es still auf Seiten der Jugendlichen, wenn es um brandheisse, politische Probleme ging. Dann kam sie – Greta Thunberg, die 16-jährige Klimaschutzaktivistin aus Schweden. Mit ihren Streiks für die Umwelt zog sie schnell die Aufmerksamkeit der Medien auf sich und begeisterte Schülerinnen und Schüler in der ganzen Welt. Wie schnell sich diese Welle ausbreitete und welche Chancen und Risiken sie mit sich bringt. Ein Kommentar.

«Skolstrejk för klimatet» (zu Deutsch «Schulstreik für das Klima») heisst es auf den Schildern, welche Greta Thunberg jeden Freitag auf ihre Streiks vor den schwedischen Reichstag mitnimmt. Mit ihrem Mut, wöchentlich die Schule für ihre Klimastreiks zu schwänzen, hat sie zahlreiche junge Menschen dazu inspiriert, ihr es gleich zu tun. Überall auf der Welt begeben sich junge Menschen auf die Strassen und streiken für die Umwelt. Das erste Mal vor den schwedischen «Riksdag» begab sich Greta Thunberg am 20. August letzten Jahres, so berichtet das Hamburger Abendblatt. Nach dem Journalisten und Youtuber «Mr.Wissen2go» hat Greta seither wichtige politische Treffen in der gesamten Welt besucht, wie beispielsweise den UN-Klimagipfel in Polen oder das Weltwirtschaftstreffen in Davos und dabei mit vielen Politikerinnen und Politikern gesprochen. Doch was bewirkt sie mit den Protesten wirklich? Stellt diese «grüne Welle» bei den Jugendlichen nur einen Hype dar, der irgendwann wieder vorübergeht?

Die Zukunft liegt bei den Jugendlichen

Klar ist, dass die junge Generation früher oder später in die Fussstapfen der älteren tritt. Irgendwann werden wichtige Funktionen in der Politik, in Firmen oder auf dem Land übernommen. Eine positive Entwicklung also, dass sich die Jungen für brisante Themen, wie den Klimawandel, interessieren und engagieren. Aus Greta Thunberg und den Tausenden Schülerinnen und Schülern hat sich mittlerweile eine internationale Bewegung namens «Fridays for Future» gebildet. Die Botschaft der Bewegung ist klar: «Wir fordern eine Politik, die der Aufgabe zur Bewältigung der Klimakrise gerecht wird.» Etwa so steht es auf der offiziellen Webseite von Fridays for Future.

Eine Parole, die ankommt

Und genau diese Forderung findet bei der jungen Bevölkerung grossen Zuspruch. Man will Veränderungen sehen, etwas bewirken und die Menschen aufrütteln. Gerade, weil zurzeit noch keine genauen Konzepte zur Bekämpfung des Klimawandels bestehen und es immer noch ranghohe Politiker gibt, die ihn leugnen. Der Bekannteste und Mächtigste unter ihnen: Der US-amerikanische Präsident Donald Trump, wie beispielsweise von der NZZ berichtet wird. Doch ist es legitim, trotz den lauten Gegenstimmen für einen Streik die Schule ausfallen zu lassen? Wie Mr. Wissen2go in seinem Video über den Klimastreik aussagt, ist es die einzige Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. Würden Schülerinnen und Schüler an Wochenenden oder freien Tagen streiken, hätte niemand dem Ganzen grosses Interesse gewidmet.

Aber auch hier gibt es die einen und die anderen, die den Aktivismus ausnutzen, um sich begründet vom Unterricht fernhalten zu können. Eine von Tize.ch befragte Person beispielsweise, kennt ein paar Leute aus der Kantonsschule, welche zwar für das Klima zu Unterrichtszeiten «streiken», dann aber mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen und massenhaft Produkte aus Südamerika konsumieren. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Klimastreiks zurzeit einen enormen Hype erleben, welcher auch diejenigen mitreisst, die sich eigentlich überhaupt nicht dafür interessieren.

Die selbstgerechte Art der Klimademonstrant*innen

Um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, muss man ab und an auch ein wenig «lauter schreien» und provokanter sein. Dennoch ist es falsch zu sagen, dass die Politikerinnen und Politiker von heute keine Ahnung haben und rein gar nichts ändern können oder wollen. Auch die «Anführerin» der Klimabewegung, Greta Thunberg, bewegt sich vermehrt in diese populistische Richtung. Zu sagen, wer gut und böse ist, ist Schwarzweissdenken. Greta selbst beispielsweise, stellt immer wieder Forderungen auf, die politisch nicht machbar sind, realistisch schon gar nicht. Auf die Probleme hinweisen, Forderungen stellen und provozieren kann sie und viele der Mitstreikenden. Doch das Wichtigste fehlt: Konkrete Lösungsvorschläge, wie die Situation zu ändern wäre. Dies bietet der rechten Seite eine Plattform, die Bewegung zu kritisieren und trägt auch nicht gerade zum sachlichen Diskurs bei.

Greta im Personenkult?

Nach MrWissen2go wird die junge Schwedin von den Medien und den Menschen im Allgemeinen zu sehr in den Mittelpunkt gestellt. Selbstverständlich kann sie selbst nichts dafür. Trotzdem geht es bei den Demonstrationen um viel mehr, es geht um das Klima und die Zukunft unseres Planeten.

Seit dem Jahre 1906 machen junge Schweizerinnen und Schweizer in der Partei der JungsozialistInnen der Schweiz (JuSo) Politik und erfreuen sich an immer grösser werdendem Nachwuchs. Die JuSo Solothurn hat vor knapp zwei Monaten eine neue Präsidentin erhalten. Die 19 Jahre junge Aileen Jenni ist in ihrer noch frischer Amtszeit beim Parteigeschehen bereits «voll dabei» und steckt voller Ideen und Tatendrang.