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Annamirjam Lütolf

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Schluchzend stand das Mädchen auf der Lichtung. Der flackernde Schein des Feuers warf tanzende Lichtflecke auf ihr tränenfeuchtes Gesicht. Ihre Hand mit der Pistole zitterte. «Nun mach schon», drängte eine der Gestalten, die wie namenlose Schemen einen Kreis um das Mädchen und das Feuer gebildet hatten. Und um den jungen Mann, der am Boden kniete. Trotz des Pistolenlaufs an seiner Stirn hielt er sich aufrecht.

Das Mädchen kam nicht zu einer Erwiderung, falls es überhaupt dazu im Stande gewesen wäre. Ein Schuss ertönte und das Mädchen kippte mit glasigem Blick nach vorne. Die Umstehenden keuchten erschrocken auf, als der leblose Körper am Boden aufschlug.

«Es ist besser so. Sie hätte es doch nicht fertiggebracht.» Eine kleine Frau trat in den Feuerschein. In der linken Hand hielt sie eine Pistole. Die schlechten Lichtverhältnisse liessen nur einen beschränkten Blick auf ihr Gesicht zu, doch der versammelten Gesellschaft schien sie ohnehin nicht fremd zu sein. Der junge Mann am Boden hatte seine Teilnahmslosigkeit verloren und starrte sie entgeistert an und der Mann, der zuvor das Mädchen zur Eile getrieben hatte, fluchte: «Verdammt. Was machst du hier?» Sie liess sich jedoch keineswegs einschüchtern und erwiderte seinen Blick.

Beide starrten sich einen Moment lang über das Feuer hinweg an, dann senkte er den Blick. «Das war unsere Angelegenheit», murmelte er leise, schien jedoch unter ihrer Autorität zu schrumpfen. «Dann mache ich sie zu meiner», sagte die Frau und ehe er es sich versah, sank auch er getroffen zu Boden.

Sie blickte in die Runde. «Sonst noch jemand, der meine Autorität untergraben will?» Schweigen. «Gut, dann nehme ich ihn jetzt mit» Damit deutete sie mit dem Pistolenlauf auf den jungen Mann, der sie die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen hatte. Einer der Männer wollte protestieren, besann sich aber sogleich eines Besseren. Da sonst keine Einwände erhoben wurden, bedeutete die Frau nun dem Mann am Boden mitzukommen und verliess die Lichtung nach einem letzten warnenden Blick. Ungeschickt kam dieser auf die Füsse, da seine Hände gefesselt waren und folgte ihr.

Einen Moment noch beherrschte Stille die kleine Versammlung, dann kam wieder Leben in sie. Die beiden Toten wurden ohne grosse Diskussion in den Wald geschleppt, und nachdem jemand noch das Feuer ausgetreten hatte, brachen sie auf.

Und als die letzten Schritte verklungen waren, schlich sich die Stille auf die Lichtung zurück.

 

Ich treffe Alan Cohen zum Interview in einem kleinen Café in Zürich.

Der Jungautor mit Wurzeln in Israel spricht mehrere Sprachen und interessiert sich für künstliche Intelligenz, wovon auch sein Roman handelt. Mit «Die letzte Realität» feierte er sein Romandebüt und arbeitet momentan an seinem neuen Projekt mit dem Titel «Der Kammerjäger». Neben dem Schreiben investiert er einen Grossteil seiner Zeit in seine Band. Den Link dazu findet ihr hier. https://www.youtube.com/channel/UCyFR4xJ_9CsXu-5yvTSQl8g

Während des Treffens habe ich Alan neun Fragen gestellt:

Wieso spielt dein Buch ausgerechnet in den USA?

Die USA ist in praktisch allen Science-Fiction-Geschichten der Schauplatz und dominiert dieses Genre. Oder hast du schon mal von einer solchen Handlung gehört, die in der Schweiz spielt?

Wie sah die Grundidee zu deinem Buch aus?

Ich hatte mal einen Traum, in dem es um einen Menschen geht, der sich in der Wildnis befindet. Er ist ganz auf sich allein gestellt und kennt keine Zivilisation. Nur wäre das zu schwierig geworden, in einem Buch umzusetzen. Zuerst wollte ich es deshalb auch als Film realisieren.

Warum hast du dich entschlossen, zu schreiben?

Zuerst sollte es nur eine Kurzgeschichte für die Maturaarbeit werden, weil die meisten auch etwas schrieben. Doch die Geschichte wurde dann immer länger, dabei wurde ich von meinem Lehrer unterstützt, der an mein Buch glaubte. Nur bei der Auswertung fanden sie es dann etwas lang.

Dein Buch kann teilweise etwas verwirrend sein. Das halten andere davon?

Es ist ganz unterschiedlich. Beim Schluss zum Beispiel ist die eine Hälfte der Meinung, ich verrate zu viel, die anderen wollen eine ausführlichere Erklärung.

Und was denkst du?

Ich finde ihn genau richtig.

Welche Vorbilder prägen deinen Schreibstiel?

Zum einen Stephen King, aber auch J.B. Lovecraft und Phillip K. Dick, Autor der Blade Runner Bücher. Sein Buch Time out of Joint war meine grösste Inspiration.

Wusstest du von Anfang an, welche Elemente in deinem Buch vorkommen?

Nein. Ich hatte zwar eine ungefähre Vorstellung von der Handlung. Doch vieles kam erst während des Schreibens dazu. Die Schwärze zum Beispiel oder die Spiegel, die die Handlung prägen. Ich schreibe nicht gerne nach einem festen Plan.

Was fasziniert dich so an künstlicher Intelligenz?

Dinge, die uns als Menschen schwerfallen, fällt den Maschinen sehr einfach, das finde ich sehr cool und auch umgekehrt.

Wenn ihr jetzt Interesse bekommen habt und Alans Buch auch lesen möchtet, folgt diesem Link 😉

https://www.buchhaus.ch/buecher/belletristik/scifi_fantasy/detail/ISBN-9783906815060/Cohen-Alan/Die-letzte-Realit%C3%A4t?bpmctrl=bpmrownr.1%7Cforeign.384401-1-0-0hhaus.ch

Der Autor Alan Cohen