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Alexandra Birrer

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Zwischen Wissen und Unwissen liegt bekanntlich eine gerade Linie, die man als Lernprozess bezeichnen kann, oder? Eigentlich klingt das plausibel, doch wenn ich mich ganz genau an diese ominöse Lernprozesse erinnere, sehe ich alles andere als Geraden. Es ist vielmehr ein auf und ab. Sozusagen eine Art Berglandschaft von Kurve, die meine verschiedenen Stadien von Verständnis und Unverständnis auf Zeit zeigt. Und dieses „Gebirge“ oder bessergesagt dieser Effekt hat auch einen Namen: Der Dunning-Kruger-Effekt.

„Jetzt da du erwachsen bist, willst du bestimmt keinen Adventskalender mehr, nicht wahr?“

Verwirrt stehe ich da und sehe meiner Mutter verständnislos ins Gesicht. Wie bitte? Als Erwachsene ist es jetzt also nicht mehr gebräuchlich, einen Adventskalender zu wollen? Geht denn das Bedürfnis, an jedem Dezembertag bis Weihnachten ein Türchen zu öffnen, einfach an dem Tag verloren, an dem man 18 wird?

Mit dem heutigen Tag starten wir bereits in den zweitletzten Monat des Jahres und lassen somit den Oktober hinter uns. Dieser herbstliche Monat bringt jedes Jahr die vielen Künstler des Internets zusammen, die sich im Rahmen des „Inktobers“ das Ziel setzen, ihre Kreativität während 31 Tagen völlig auszuleben. Dieses Jahr habe auch ich mich dieser Challenge gestellt und blicke nun zurück.

Wie es dazu kam…

Eigentlich war ich nie eine besonders begnadigte Künstlerin. Im „BiG“ Unterricht schwamm ich im Mittelfeld mit und liess regelmässig meine Kollegen verzweifeln, die beim Montagsmaler mit mir in derselben Gruppe waren. Allerdings hatte ich es satt, mich immer hinter dem Vorwand „Ich kann sowieso nicht zeichnen“ zu verstecken. Zum einen, weil jeder zeichnen kann, ob schön oder nicht ist eine andere Frage (auch wenn das sowieso subjektiv ist). Zum anderen, weil es reine Übungssache ist, so zu zeichnen, wie man es gerne können würde.

Selbst, wenn mich ein einziger Monat, in dem ich regelmässig zeichnen wollte, nicht gleich zu Monet persönlich machen würde, habe ich mir trotzdem recht enthusiastisch ein Skizzenbuch gekauft, als der Kalender den 1. Oktober ankündigte. Zeichnen ist etwas Schönes, egal ob man es kann oder nicht, dachte ich mir. Und wenn ich mich etwas mehr damit befasse, kommt womöglich doch noch etwas Gutes dabei raus.

Übung macht den Meister

 

Meine Sujets, mit denen ich mich im letzten Monat befasst habe, reichen von perspektivischen Darstellungen von Räumen und Gebäuden zu simplen „Doodles“. Hier und da habe ich auch versucht, ein Gesicht abzuzeichnen, oder ein Bild, das ich während des Tages mit dem Handy gemacht habe, zu rekonstruieren. Und was nicht beim ersten Versuch klappte, tauchte meistens weiter hinten im Skizzenbuch erneut auf. Und da ich strikt nur mit Feinliner zeichnete, um nichts ausradieren zu können, das nicht sofort klappte, kann ich nun auch auf einen gewissen Prozess zurückblicken.

 

Manche Motive haben mich begeistert und begleitet, andere dagegen haben mir gezeigt, wo ich noch vertiefungsbedarf habe. Das war aber nichts, das mich schlussendlich niedergeschlagen hat. Es war vielmehr ein Ansporn, denn ich dachte mir: Morgen ist wieder ein Tag, an dem du anders an das Motiv herangehst und es mit dem Wissen von heute vielleicht sogar besser umsetzen kannst.

Entspannungsmoment

 Ich gebe zu, es ist mir nicht an jedem der 31 Tage gelungen, etwas zu zeichnen, doch die leeren Seiten sind definitiv in der Unterzahl. Immer wenn ich konnte, habe ich mir ein wenig Zeit genommen, mich irgendwo hingesetzt und meiner rechten Hand, die den Feinliner hielt, freien Lauf gelassen. Es war definitiv entspannend, sich, wenn auch nur für fünfzehn Minuten, auf nichts anderes als das Zeichnen zu konzentrieren. Es lüftet das Gehirn etwas und lenkt beispielweise vom Schulstress ab.

Das kam dabei heraus

Zum Schluss gebe ich dir selbstverständlich noch einen etwas genaueren Einblick in mein Inktober-Skizzenbuch, welches ich auch jetzt im November gerne weiterbenutzen würde.  Manche Skizzen und Zeichnungen sind gelungen, andere eher weniger, doch schlussendlich ging es mir nicht darum, Meisterwerke zu produzieren, sondern um den Lernprozess und das Zeichnen selbst.

 Ziemlich zu Anfang des Monats habe ich am einen Tag ein Foto abgezeichnet, welches ich am selben Tag auf Instagram gepostet habe. Am anderen Tag habe ich Ausschnitte des Kuchens versucht zu zeichnen, den ich gebacken habe.

 

 

 

Inspieriert vom Blumenstrauss, den ich abgezeichnet habe, kam noch etwas Text dazu und und daneben noch das Datum und einige „Doodles“

 

 

 

Stolz darauf, endlich mein Zimmer aufgeräumt zu haben, zeichnete ich die neue Ordnung ab. Ausserdem kam noch ein „Mirrorie“, also ein Spiegelselfie dazu. Ein Bild, dessen Original ich ebenfalls auf Instagram gepostet habe.

 

 

 

Die Zeit hat nicht immer gereicht, etwas zu zeichnen. Wenn dem aber nicht so war, habe ich mich auch hin und wieder mit Tieren als Motiv beschäftigt.

 

 

 

Manchmal ist alles etwas durcheinander, doch das Motiv des Lagerfeuers hat mich immer wieder begleitet und kam dementsprechend auch öfters vor.

 

 

 

Als ich ein Graffiti einer bekleideten Katze gesehen habe, kam mir sofort die Lust, dieses abzuzeichnen. Hier zwei Versuche davon.

Wir alle kennen das Klischee: Als Schweizer werden wir von den Bürgern anderer Nationen als besonders aufgeräumt, fleissig, aber auch eher zurückhaltend beschrieben. Gründe dafür gibt es etliche und vollkommen weit hergeholt sind diese Beschreibungen schliesslich gar nicht. Was mich jedoch letztens überrascht hat, ist das Ausmass, welches unsere Zurückhaltung manchmal annimmt.

Das schöne Wochenende steht bevor und das erste, was am Samstagmorgen deswegen getan wird, ist ausschlafen. Zumindest, bis mich ein entsetzlicher Wadenkrampf aus den Träumen und zurück in die harte Realität reisst. Das unangenehme Gefühl in einem meiner Beine ist so penetrant, dass es erst scheint, als könnte ich es nie mehr loswerden. Und selbst, wenn dies nach unangenehmem Dehnen geschafft ist, so ist ans Einschlafen nicht mehr zu denken. Aber warum habe ich in erster Linie überhaupt diese gelegentlichen Wadenkrämpfe?

Der Geruch von Trockeneis in der Nase, der eigene Pulsschlag kontrolliert durch den Bass, der durch Mark und Bein geht, und langsam aber sicher schmerzen die Füsse. Als die letzte Runde an der Bar ausgerufen wurde, war ich nicht enttäuscht, sondern froh, da mein Abend schon um einiges früher begann als der der Gäste. Klar ist, ich befinde mich in einem Club an einer Party. Jedoch nicht, um ausgelassen zu feiern.

Was ich denn da am Auge gemacht habe, fragen mich alle, die mich mit meinem Augenverband in der letzten Zeit gesehen haben. Eine Mischung aus Fahrradfahren, Pech und einem winzig kleinen Metallstückchen, das in meinem Auge stecken blieb, antworte ich.  Eigentlich ziemlich unspektakulär. Vor allem im Vergleich zu dem, was passiert ist, bevor wirklich der Augenverband meine eine Gesichtshälfte zu zieren begann.