Am Freitag nächste Woche ist es soweit: Die violetten Fahnen werden gehisst und die Frauen legen ihre Arbeit nieder. Denn Freitag in einer Woche haben wir den 14. Juni 2019 und an diesem Tag ist der zweite landesweite Frauen*streik!

Damals 1991…

Zum zehnjährigen Jubiläum des Gleichstellungsgesetz, welches in der Schweiz 1981 in der Verfassung verankert worden war, legten die Frauen 1991 schon einmal ihre Arbeit nieder. Ebenfalls am 14. Juni vor 28 Jahren wurde die Schweiz von einem Streik von gut einer halben Million Teilnehmenden überrascht. Schon damals zeigten viele Frauen, dass sowohl Haushalte als auch Arbeitsorte still liegen, wenn Frauen streiken.

Seit 1991 hat sich im Bereich der Gleichberechtigung der Frau in der Schweiz dementsprechend einiges getan. Namhafte Beispiele sind der Mutterschaftsurlaub, Massnahmen gegen häusliche Gewalt oder die Fristenregelung im Falle eines Schwangerschaftsabbruches. Allerdings reichen diese Gesetze und Beschlüsse noch nicht. Noch immer gibt es Lohnungleichheiten, Sexismus, sexuelle Belästigung oder Diskriminierungen.

2019…

«Lohn.Zeit.Respekt» dies ist der Leitspruch, unter dem am nächsten Freitag gestreikt wird. Denn laut der offiziellen Webseite des Frauen*streiks, «harzt es mit der Gleichstellung». Es geht darum, dass die Frauen sich mit dem Streik nun Gehör für ihre Anliegen schaffen. Und von denen gibt es nicht wenige:

Eines der brisantesten Themen ist noch immer die Lohngleichheit, beziehungsweise eben LohnUNgleichheit. Eine Frau soll und darf nicht weniger verdienen, wenn sie die genau gleiche Arbeit wie ein Mann ausübt. Leider kommt es aber in zu vielen Fällen noch immer vor und deswegen werden Lohnkontrollen und Sanktionen im Gleichstellungsgesetz verlangt.

Die Arbeit einer Frau im häuslichen und erzieherischen Bereich wird auch heute noch immer viel zu stark abgewertet oder erst gar nicht als richtige Arbeit anerkannt. Dass diese jedoch die Grundlage dafür ist, dass sich sowohl der Partner oder die Kinder ins Leben verwickeln können, wird oft übersehen. So kommt es zu der Forderung, dass Hausarbeit in Sozialversicherungen, vor allem auch im Bereich der Renten, anerkannt wird.

Ein ebenfalls wichtiges Anliegen sind die längst veralteten patriarchalen Strukturen, die Frauen zum Teil heute noch vordiktieren, wie sie zu sein haben. Stereotypische Frauenbilder gibt es noch immer und viel zu oft wird man als Frau deswegen in Schubladen gesteckt, die es heutzutage gar nicht mehr geben sollte. Festgefahrene Rollenbilder verunsichern heute noch junge Mädchen und trichtern ihnen ein, dass die typische, schöne und «richtige» Frau heterosexuell, gefühlvoll, sexy und doch auch mütterlich sein soll.  Jedoch sollen Frauen das Recht haben sich zu geben, fühlen oder kleiden, wie sie möchten und in der Lage sein, selbst über ihren Körper zu entscheiden. Weder für Kinderlosigkeit, Alleinleben oder eine Schwangerschaft sollten sich Frauen rechtfertigen müssen.

In diesem Zusammenhang steht auch die sexuelle Gewalt, gegen welche Täter nicht mehr länger straflos davonkommen sollen. Wer Opfer von sexueller Gewalt geworden ist, muss angehört und respektiert werden. Gefordert werden Präventionsprogramme in beispielweise Schulen und auch politische Massnahmen statt bloss moralischer Verurteilung.

Bildquelle: 14juni.ch

Dies sind nur einige von vielen Gründen, weswegen allerorts zum Frauen*streik aufgerufen wird. Weitere Anliegen und Gründe findest du auf der offiziellen Website des Frauen*streiks, die hier verlinkt ist.

 

Wo, Was, Wann?

Dein Interesse und deine Solidarität ist geweckt? Dann schreib dir das Datum gross in die Agenda und nimm am Frauen*streik am 14. Juni teil, denn je mehr Teilnahmen, desto besser. In vielen Städten wird es Kundgebungen und Demonstrationen geben. Wie genau es in deiner Region aussieht, recherchierst du am besten selbst im Internet. Die Punkte, die allerdings fix geplant sind, sind die folgenden: Um 11 Uhr wird ein gemeinsames Zeichen gesetzt durch Aktionen am Arbeitsplatz und um 15:30 Uhr wird gemeinsam die Arbeit niedergelegt, um sich dann zu den regionalen Kundgebungen und weiteren Veranstaltungen zu treffen.

Diese sollen vor allem laut, kreativ, kraftvoll und festlich werden. Und wer weiss, vielleicht trifft man dort ja auf die eine oder andere Tizianierin 😉 Übrigens: Meiner Meinung (und damit bin ich nicht alleine) sind auch alle Tizianer, beziehungsweise Männer willkommen. Natürlich handelt es sich um einen FRAUEN*streik, doch das Thema Gleichberechtigung geht jeden etwas an. Wer sich also als Mann an Demos oder Kundgebungen beteiligen will, hat von mir aus gesehen genauso das Recht dazu wie alle Frauen.

Geschrieben von:

"Write it. Shoot it. Publish it. Crochet it. Sauté it. Whatever, Make!" - Joss Whedon

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