Letzte Woche jährte sich eine der grössten Tragödien des 21. Jahrhunderts bereits zum 17. Mal. 17 Jahre sind eine lange Zeit, doch dieses Ereignis ist so tief in die Gedächtnise der Menschen eingebrannt, dass es nie vergessen gehen kann. Oder?

Am 11. September 2001 wurden die vereinigten Staaten von Amerika mitten ins Herz getroffen. Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York City und das Pentagon in Washington DC erschütterten die ganze Welt. Am frühen Morgen des 11. Septembers 2001 wurden vier Linienflugzeuge von Al-Qaida Terroristen entführt, der traurige  Rest ist Geschichte. Bei der Tragödie, die ihres Gleichen sucht, kamen nach Schätzungen ungefähr 3000 Menschen ums Leben, die Folgen der Anschläge sind bis heute spürbar.

„Never forget“…

…ist DIE Phrase, wenn man von 9/11 spricht. „Nie vergessen“, wie könnte man auch? Noch heute weiss jeder ganz genau, wo er sich während den Anschlägen am 11. September 2001 gerade aufhielt.

Nein, eben nicht jeder, denn ungefähr 1,4 Milliarden Menschen (wahrscheinlich eher noch mehr als weniger) der heutigen Weltbevölkerung waren 2001 noch nicht geboren. Wenn man jetzt auch noch davon ausgeht, dass Kinder ihre ersten Erinnerungen erst ab dem dritten Lebensjahr haben, kommen nochmal etwa 250 Millionen Menschen dazu, die zwischen 1998 und 2001 zur Welt kamen. Insgesammt sind das also ungefähr 1,7 Milliarden Menschen, fast ein Viertel der Weltbevölkerung, die sich nicht an 9/11 erinnern können, weil sie entweder noch zu jung waren oder schlicht und einfach noch nicht geboren.

1,7 Milliarden Menschen, die nicht wissen, wo sie waren, als am 11. September in New York gefühlt die Welt unterging. 1,7 Milliarden Menschen, die nicht gebannt vor den Radio- und Fernsehgeräten sassen und die Live-Übertragungen aus Amerika verfolgten. 1,7 Milliarden Menschen, für die die Sicherheitskontrolle am Flughafen schon immer so streng war und für die Amerikas „Kampf gegen den Terror“ (Afghanistankrig seit 2001, Irakkrieg 2003 – 2011) durch ein Ereignis vor ihrer Zeit ausgelöst wurde. 1,7 Milliarden Menschen und es werden immer mehr.

Natürlich wissen diese 1,7 Milliarden Menschen trotzdem was 9/11 ist, was damals passierte und was für Auswirkungen es hatte. Die Informationen sind durch das Internet quasi unbegrenzt und Zeitzeugen, die etwas darüber zu erzählen haben, gibt es mehr als genug. Aber ob man etwas selbst erlebt hat oder es wie ich (Jahrgang 2000) nur aus Erzählungen, Texten, Videos, dem Geschichtsunterricht und einem Besuch in New York kennt, macht eben doch einen Unterschied.

Don’t forget!

Jedes Jahr am 11. September wird überall auf der Welt den Anschlägen von 2001 gedacht, auch auf Social Media, doch dieses Jahr hatte ich irgendwie das Gefühl, dass erstaundlich wenige Beiträge zu 9/11 gepostet wurden. (Zumindest bei uns. In Amerika sieht die Sache natürlich wieder ganz anders aus.) Vielleicht ist das Zufall, vielleicht haben die Leute angefangen sich über die ewigen „Never forget…“ Posts am 11. September zu nerven oder ich habe die Posts einfach nicht gesehen. Vielleicht sind wir jetzt aber auch an dem Punkt angelangt, an dem ein weltbewegendes Ereignis zu Geschichte wird  und ganz ganz langsam beginnt, vergessen zu werden.

Man muss keine Social Media Beiträge posten, um etwas nicht zu vergessen. Man muss auch nicht jeden Tag daran denken. Man muss sich nicht einmal selbst daran erinnern können, um etwas nicht zu vergessen. Wichtig ist nur, dass man es nicht vergisst.

 

 

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